☰ Menu eFinancialCareers

Haben Honorarberater eine Zukunft?

Honorarberatung ist wieder einmal in aller Munde. Verbraucherschützer fordern jedenfalls seit langem, dass die Kunden lieber für eine unabhängige Beratung eine Pauschale zahlen sollten, statt einer Horde von Vertrieblern bei Banken, Versicherern und Finanzdienstleistern verdeckte Kommissionen zu zahlen und dann im Gegenzug auch noch renditeschwache oder unnötige Produkte zu bekommen.

Bislang bietet nur die Berliner Privatbank Quirin ein entsprechende Dienstleistung an. Nun darf der Onlinebroker Comdirect den Markt – vor allem für die Konzernmutter Commerzbank – testen.

“Wir haben uns vom Broker zur Vollbank entwickelt. Mit der ‘Anlageberatung plus’ wollen wir jetzt zur Erstbank für unsere Kunden werden”, sagte Comdirect-Chef Michael Mandel.

Für eine Gebühr von 0,05 Prozent des Portfoliowerts, mindestens aber 24,90 Euro im Monat, können die Comdirect-Kunden von der zweiten Novemberhälfte an mit zunächst 20 Beratern telefonieren. Produktprovisionen fallen dann nicht mehr an, die Transaktionen kosten so viel wie bei Comdirect sonst auch.

Die Commerzbank ist damit die erste deutsche Großbank, die eine Honorarberatung anbietet. Anders als in den USA ist diese Art der Beratung in Deutschland bisher ein Nischenprodukt.

Commerzbank-Chef Martin Blessing, der im September über einen Feldversuch mit 400 Kunden berichtet hatte, glaubt nicht an schnelle Erfolge: “Es wird ein langsamer Prozess sein, aber ich bin sicher, dass es am Ende einen Markt dafür gibt”, sagte er.

Dagegen setzen vermögende Privatinvestoren bei der Geldanlage schon lange auf die Honorarberatung. Viele von ihnen lassen ihr Geld von einem bankenunabhängigen Vermögensverwalter oder einer Privatbank anlegen. Hier kostet die Dienstleistung 0,5 bis 2 Prozent der angelegten Summe pro Jahr.

Bei einem großen Vermögen kommen so schnell Beratungskosten in fünfstelliger Höhe zusammen. Dennoch zahlen die Kunden bereitwillig. “Honorarberatung gehört für Anleger mit viel Geld längst zur Tagesordnung”, sagt Günter Schlösser, Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV).

Anfangs kam das Konzept der Honorarberatung aber auch bei vermögenden Kunden nicht gut an. “Es war ein langer Weg des Umdenkens, denn Kunden wollten zunächst nicht für Beratungsleistung zahlen”, sagt Schlösser. Mit der Zeit sei die Akzeptanz aber gewachsen, weil Anleger die Vorteile der unabhängigen Beratung erkannten und eine transparente Preisstruktur den versteckten Kosten vorzogen.

Jetzt sind wohlhabende Privatkunden bereit, für Beratungsleistungen zu zahlen. “Wer Geld hat, beschäftigt sich automatisch mit dem Thema”, sagt Alois Ebner, Vorstand der Privatbank Vontobel. “Solche Kunden kennen gängige Margen der Banken und wissen, dass für sie eine Beratung über Provision langfristig teurer ist als eine Honorarberatung.”

Wer von einer Großbank erstmals zu einem privaten Vermögensverwalter kommt, hat oft zunächst Probleme mit der Honorarberatung, sagt Eckart Langen von der Goltz, Gründer und Mehrheitseigner der Münchner PSM Vermögensverwaltung. “Am Anfang einer Beratung steht meist die Aufklärungsarbeit. Wir erklären die Zusammensetzung unserer Honorare und zeigen, dass sich das Modell auch für den Kunden auszahlt”, sagt Langen von der Goltz. “Die meisten rechnen dann selbst noch einmal nach und stellen fest, dass die Rechnung stimmt.”

Am IFH Institut für Honorarberatung in Amberg sich Interessierte ab dem 1. Januar 2010 zum “Geprüften Honorarberater (IFH)” ausbilden lassen.

Zielgruppe der drei Monate dauernden Ausbildung sind angehende oder bereits aktive Honorarberater. Der Lehrgang baut auf Vorqualifikationen wie beispielsweise dem Certified Financial Planner oder dem Fachwirt für Finanzberatung auf.

Unter anderem bekommen die Teilnehmer Grundlagen der Honorarberatung, Honorarmodelle in der Praxis sowie Haftung und Haftpflicht des Beraters vermittelt. Steuerthemen und Grundlagen des Wettbewerbsrechts stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Marketingstrategien und die Erstellung eines Businessplans.

Die Kosten belaufen sich auf 800 Euro inklusive Umsatzsteuer für den Lehrgang, daneben ist eine Prüfungsgebühr in Höhe von 107 Euro zu entrichten. Darüber hinaus ist für die Durchführung des Lehrgangs eine Mitgliedschaft im “Wissensforum Honorarberatung” erforderlich, für die 100 Euro pro Jahr berechnet werden.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier