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INTERVIEW: Was ich in zwei Jahren bei einem Hedgefonds lernte

Foto: Getty Images

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Gleich nach der Uni bei einem Hedgefonds anzufangen, stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Denn diese Anlagevehikel sind bei ihrer Personalauswahl besonders wählerisch. So muss ein Kandidat einen sehr guten Abschluss von einer der amerikanischen Elitehochschulen mitbringen. Wir haben mit jemanden gesprochen, dem der Einstieg an der Wall Street gelungen ist und dort zwei Jahre als Analyst bei einem Hedgefonds verbrachte, bevor er sein eigenes Unternehmen gründete. In einem Interview berichtet er von seinen Erlebnissen.

Entsprachen die Arbeitszeiten Ihren Erwartungen?

Nein. Mir wurde erzählt, dass ich etwa acht Stunden am Tag arbeiten müsse – von 8 bis 17 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Doch ich arbeitete üblicherweise zehn bis zwölf Stunden am Tag und manchmal länger.

Wie behandelte der Portfolio Manager seine Mitarbeiter, besonders die jüngeren?

Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Ich wurde im Grunde zu jeder Zeit mit Respekt behandelt, aber es gab auch Fälle, als ich angeschrien wurde oder untergeordnete Tätigkeiten verrichten musste.

Wie hoch war die Konkurrenz mit anderen Analysten, die etwa zur gleichen Zeit eingestellt worden sind?

Es herrschte ein gesunder Wettbewerb mit anderen Angestellten, die etwa zur gleichen Zeit wie ich angefangen haben. Ich lernte sie recht gut kennen, habe aber nie mit ihnen etwas außerhalb der Arbeit unternommen. Sicherlich gehört das Trinken zur Hedgefondswelt dazu, also sind wir von Zeit zu Zeit einen trinken gegangen. Einige der Senior Analysts haben die Junior Analysts ziemlich mies behandelt.

Wir wurden Sie beurteilt?

Ich wurde nach der zeitgemäßen Mode beurteilt, wobei eine Standardform der Leistungsüberprüfung verwendet wurde, die hauptsächlich auf der Performance des Hedgefonds beruhte. Diese lag jedoch meist außerhalb meiner Kontrolle.

Wie roh fiel die Unternehmenskultur aus?

Die Kultur war definitiv offen, ehrlich und bis zu dem Punkt direkt, an dem es ungemütlich wird. Für mich war das nicht so schlimm, wie viele vielleicht denken. Um zu überleben, müssen Sie sich eine dicke Haut zulegen.

Wie nervös waren Sie, wenn jemand Ihre Investmentidee aufnahm? Was passierte wenn sie sich als schlecht oder gut erwies?

Am Anfang gingen die meisten meiner Empfehlungen auf Ratschläge eines Kollegen zurück. Daher war ich nicht so nervös, als wenn es anders gewesen wäre. Offensichtlich ist es nicht lustig, wenn man dem Portfolio Manager eine Empfehlung gegeben hat und sich das Unternehmen schlecht entwickelt, aber es ist großartig, wenn sich die Investitionen als lohnenswert herausstellen.

Wie viel und wie offen haben Sie übers Geld geredet?

Über Geld wurde den ganzen Tag gesprochen, aber meist nicht in einer unverschämten Weise. Es ging nur darum, wie man das meiste Geld verdient.

Wie haben Sie die Bonussaison empfunden? Tauschen die Kollegen die Höhen ihrer Boni aus?

Ich war über die Höhe der Summe auf meinem ersten Bonusscheck überrascht. Es war wesentlich weniger, als ich erwartet hatte. Wir haben die Höhe der Boni unter den gleichrangigen Kollegen ausgetauscht.

Werden die Unterperformer jedes Jahr entlassen wie bei so mancher Investmentbank?

Ja. Unterperformer wurden vor die Tür gesetzt.

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