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Karrieretrends 2014: Wie zufrieden und loyal sind Finanzprofis?

Wie motiviert sind Finanzprofis wirklich und was wünschen sie sich für ihre Karriere?

Für Arbeitgeber ist es extrem wichtig, dass gute Mitarbeiter motiviert und zufrieden bleiben – und das nicht ohne Grund. Schließlich ist es nicht nur aus ökonomischer Sicht sinnvoll, dass kompetente Mitarbeiter dem Unternehmen dauerhaft treu bleiben. Eine von eFinancialCareers in Auftrag gegebene Umfrage hat allerdings ergeben, dass sich nur wenige Finanzprofis wirklich eine langfristige Karriere bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber vorstellen können und eher daran interessiert sind, die nächste Sprosse der Karriereleiter zu erklimmen.

eFinancialCareers hat dafür fast 9000 Finanzprofis befragt – in Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Singapur, Hongkong, Australien, Frankreich, Deutschland und dem Mittleren Osten. Die Teilnehmer wurden bezüglich ihrer Zufriedenheit mit ihrer Position und ihrer Karrierewünsche befragt sowie darüber, wo sie sich eine Tätigkeit gut vorstellen könnten und aus welchem Grund.

Die meisten Finanzprofis arbeiten gerne bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber, dennoch lässt es sich nicht leugnen: die jetzige Generation ist flexibel und spontan genug, sofort die nächste Karrierechance zu ergreifen, wenn sie sich bietet – vor allem, wenn sie mehr Gehalt verspricht. Weltweit sind etwa 10 Prozent der Befragten nicht auf der Suche nach einer neuen Position. Die restlichen 89 Prozent bemühen sich entweder um eine neue Jobperspektive oder scheuen sich zumindest nicht, sich
neue Karrieremöglichkeiten offenzuhalten. Das bedeutet also: Die heutigen Finanzprofis sind sich ihrer Chancen durchaus bewusst und sind auch bereit, dementsprechend zu agieren – für Arbeitgeber heißt dies, dass sie sich einiges einfallen lassen müssen, um diese Mitarbeiter zu halten.

Dennoch sind Arbeitnehmer im Finanzsektor zufriedener und weniger umtriebig als gedacht

Durch häufige Kündigungen von Seiten der Arbeitnehmer und zu geringe Bezahlung entsteht immer häufiger der Eindruck, dass Arbeitnehmer im Finanzsektor unzufrieden mit ihrem Arbeitsleben sind. Die eFinancialCareers Karrieretrends-Umfrage liefert allerdings andere Ergebnisse. In den meisten Fällen sind Finanzprofis sogar ziemlich zufrieden mit ihrer Position und ihrem Unternehmen.
Lediglich 34 Prozent der Finanzprofis in London (und 36 Prozent in Hongkong) gaben an, dass sie derzeit aktiv auf der Suche nach neuen Jobpositionen sind. Im Mittleren Osten erhöht sich diese Zahl auf 53 Prozent, in New York auf 43 Prozent und in Singapur auf 41Prozent. Daraus ergibt sich also, dass lediglich im mittleren Osten die Mehrheit der Arbeitnehmer aktiv auf der Suche nach einer neuen Position ist.

Quelle: eFan

Quelle: eFan

Die aktive Jobsuche steht (wenig überraschend) im Zusammenhang mit einer Unzufriedenheit mit der aktuellen Position. Im Mittleren Osten und in Singapur gaben 39 Prozent und 38 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie mit ihrem jetzigen Arbeitgeber unzufrieden sind. Beide Standorte stehen vielfach für Back Office-Jobs mit den immer gleichen Tätigkeiten. Chris Roebuck, ehemaliger Global Head of Talent Management der UBS und Gastdozent an der Cass Business School, hat beobachtet, dass Banker im mittleren Osten häufig einem “von Kontrolle und Befehlston geprägten Führungsstil“ ausgesetzt sind.

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Die Zufriedenheit der Banker weltweit richtet sich hierbei mehr nach dem Alter als nach dem Standort. Junior Banker sind global am Zufriedensten mit ihrer jetzigen Position. 20 bis 24-jährige in Singapur und Australien gaben gleichermaßen an, dass sie mit ihrer jetzigen Position zufrieden sind, verglichen mit 93 Prozent derselben Altersgruppe in den Vereinigten Staaten und 81 Prozent in Großbritannien.

Die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Position erhöht sich mit ansteigendem Alter im mittleren Bereich und sinkt wieder mit größer werdender Erfahrung der Finanzprofis.

„Im mittleren Bereich, wenn sich Verantwortung und Stress erhöhen, und das ohne ausgleichenden Verdienst, wünschen sich die meisten Arbeitnehmer einen Jobwechsel“, sagt Roebuck.

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Das überraschende Maß an Zufriedenheit im Job ist wohl zurückzuführen auf erhöhte Bemühungen der Banken, ihre Mitarbeiter zu halten. Andrew Pullman, ein früherer Head of HR der Dresdner Bank und Gründer des HR-Beratungsunternehmens „People Risk Solutions”, ist der Meinung, dass Banken sich seit der Finanzkrise stärker auf die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter konzentriert haben. „Investmentbanken geben mehr für Training und Coaching aus, um die Fähigkeiten ihrer derzeitigen Mitarbeiter weiter auszubauen und eine Identifizierung dieser mit den Werten und der Kultur des Unternehmens zu erreichen“, sagt Pullman.

Mitarbeiter im Finance-Bereich sind vor allem opportunistisch. Die meisten Teilnehmer der Umfrage sind zwar momentan nicht aktiv auf der Suche nach einer neuen Position, jedoch gab eine sehr hohe Teilnehmerzahl (als Beispiel: bis zu 94 Prozent im Mittleren Osten, 90 Prozent in Australien, 91 Prozent in Frankreich und 88 Prozent in den Vereinigten Staaten) an, dass sie sich einen Jobwechsel durchaus vorstellen könnten, sollte sich eine passende Gelegenheit bieten.

Generell sind Finanzprofis weiterhin sehr karriereorientiert. Der größte Anteil der Teilnehmer im Vereinigten Königreich (35 Prozent), Singapur (38 Prozent), Hongkong (44 Prozent) und Deutschland (34 Prozent) gab an, dass alle zwei bis drei Jahre ein Jobwechsel anstehe, während in den Vereinigten Staaten, im Mittleren Osten und in Frankreich die befragten Arbeitnehmer ihre Positionen meist alle vier bis fünf Jahre wechseln.

Warum Banker ihre Positionen kündigen

Entgegen der allgemeinen Meinung, dass Banker meist wegen der langen Arbeitszeiten und der „unbefriedigenden Bezahlung“ ihre Positionen verlassen, liegt der Grund hier häufig woanders: Die Jobs werden oft gekündigt aus Frustration über das Stagnieren der Karriere.

Weltweit ergibt die von eFinancialCareers durchgeführte Umfrage, dass lediglich 3 Prozent der Finanzprofis, die sich für einen Jobwechsel entscheiden, dies aufgrund von zu langen Arbeitszeiten tun. Zum Vergleich: 24 Prozent der Teilnehmer interessierten sich für eine neue Position aufgrund von zu schlechten Karriereaussichten. Nicht verwunderlich also, dass die Karrieremöglichkeiten einen hohen Stellenwert einnahmen, wenn es um die Entscheidung für eine neue Position ging.

„Wir hören immer wieder, dass ein Schwerpunkt im Bankwesen die recht hierarchische Struktur und das gleichbleibende Beförderungssystem bei Banken ist, das sich oft eher nach der Zeit im Unternehmen anstatt von erbrachter Leistung orientiert“, sagt Adam Zoia, CEO bei Glocap, einem Wall Street-Personalberatungsunternehmen.

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Wie hoch würden Sie im Kampf um gute Finanzprofis für Ihr Unternehmen gehaltstechnisch gehen?

Überraschenderweise nannten lediglich 16 Prozent der Banker auf Jobsuche eine zu niedrige Bezahlung als Grund für eine Bewerbung. Allerdings ist das Gehalt ein weitaus wichtigerer Indikator für opportunistische „passive” Banker, die eigentlich nicht aktiv auf Jobsuche sind, jedoch eine bessere Jobalternative nicht ausschlagen würden. Am Ausschlaggebendsten ist die Gehaltsfrage in den Vereinigten Staaten. Sowohl aktive als auch passive Arbeitssuchende nannten das Gehalt als den wichtigsten Faktor bei der Jobsuche.

Die Frage ist also nun: Wie viel mehr Gehalt erwarten Finanzprofis auf Jobsuche? Die eFinancialCareers-Umfrage ergab einen durchschnittlich gewünschten Gehaltsanstieg von 20 bis 29 Prozent.

Global gesehen wird höheren Gehältern im Front Office die größte Wichtigkeit beigemessen. 44 Prozent der Befragten in London und 33 Prozent der Teilnehmer in New York (Wall Street) erwarten einen Gehaltsanstieg von 30 bis 39 Prozent bei einem Jobwechsel.

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Interne Wechsel sind beliebt

Viele Finanzprofis sind interessiert an einem Arbeitsplatzwechsel innerhalb desselben Unternehmens, jedoch geben lediglich in Singapur mehr als 61 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen ein internes Mobilitätsprogramm für ihre Mitarbeiter anbietet. In den Vereinigten Staaten und Australien hat gerade einmal ein Drittel der Mitarbeiter von einem solchen Programm gehört. Finanzunternehmen sollten also derartige Programme offener anbieten und jeden Mitarbeiter über solche Möglichkeiten in Kenntnis setzen.

Keith Pogson, EY Managing Partner für Banking und Kapitalmärkte in Asien, ist der Meinung, dass Kostensenkungen und -einhaltungen eine Bekanntmachung von internen Mobilitätsprogrammen im Finanzwesen behindern. „Ein Anstieg von Vorschriften hat die Mobilität ausgebremst, da Jobwechsler eventuell zunächst einer Genehmigung bedürfen, um in einer bestimmten Branche platziert werden zu können.”

Im Back und Middle Office wissen mehr Finanzprofis über ein solches Mobilitätsprogramm Bescheid als im Front Office-Bereich. In der letzten Kategorie beispielsweise gab eine vergleichsweise hohe Anzahl an Befragten an, dass ihr Unternehmen ein solches Programm anbietet: GB (59 Prozent), Vereinigte Staaten (48 Prozent), Singapur (74 Prozent), Hongkong (51 Prozent) und Australien (44 Prozent).

Ein Mangel an vielversprechenden Mitarbeitern besteht vor allem im Finanzbereich, regulatorischen und Risk Management-Positionen, weswegen viele Banken sich häufig dafür entscheiden, ihren Mid-Office-Mitarbeitern andere Positionen anzubieten. „Bei Positionen wie Revision oder Kosteneinhaltung ist ein interner Positionswechsel oft recht risikoarm”, urteilt Craig Brewer, ein Director des Recruiting-Unternehmens „Five Ten Group”. „Sind Sie allerdings im Sales- oder CRM-Bereich tätig, speziell mit dem Wunsch nach einem Standortwechsel, gestaltet sich die Aussicht auf einen internen Positionswechsel schon schwieriger.“

Finanzprofis wünschen sich häufig bevorzugt einen internen Positionswechsel. Bei der Frage nach der Möglichkeit eines Jobwechsels innerhalb ihres jetzigen Unternehmens gab weniger als ein Drittel der Befragten in allen fünf Ländern an, diese Option ausschlagen zu wollen.

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