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Zehn Tipps für ein perfektes Anschreiben

Papier war gestern. Oft ersetzt der E-Mail-Text bereits das Anschreiben.

Papier war gestern. Oft ersetzt der E-Mail-Text bereits das Anschreiben.

Im Vergleich zum Lebenslauf stellt ein Anschreiben bei der Bewerbung eine Nebensächlichkeit dar. Dennoch zählt es immer noch zum guten Ton – auch und gerade in der Deutschschweiz. Headhunterin Karin Signer von Signer Beratungen in Zürich schätzt, dass immer noch 80 bis 90 Prozent der bei ihr eingehenden Bewerbungen ein Anschreiben enthalten. Bei Direktbewerbungen dürfte der Anteil noch höher ausfallen. Doch worauf müssen Kandidaten bei einem An- bzw. Motivationsschreiben achten und welche speziellen Fallstricke lauern in der Schweiz? Wir haben bei Experten nachgefragt.

1. Jedes Anschreiben muss ein Unikat sein

„Eine Massenemail hinterlässt einen ganz schlechten Beigeschmack“, sagt Headhunter Emanuel Kessler von Kessler.Vogler in Zürich. „Ich sehe viele Anschreiben, die mit wenig Liebe verfasst sind.“ Stattdessen sollte jedes Anschreiben individuell abgefasst sein. Kandidaten sollten kurz auf die Stelle eingehen und wieso sie dafür geeignet sind. In keinem Falle dürfe ein Anschreiben länger als eine Seite sein.

2. Die Message kommt nicht herüber

Nach den Erfahrungen von Headhunter Mark Dowsett von Stamford Consultants in Zürich führen die Kandidaten in Lebenslauf und Anschreiben alles auf, auch wenn es für den fraglichen Job unerheblich ist. Dabei gehen die relevanten Informationen rasch unter und es ist nicht sofort ersichtlich, dass der Kandidat tatsächlich auf die Stelle passt. „Das ist noch nie so häufig wie heute vorgekommen“, klagt Dowsett. Da auf viele Stellen 100 Bewerbungen und mehr eingehen, kann ein Hiring Manager eines Unternehmens nur 60 Sekunden oder weniger in eine Erstsichtung investieren. „Deshalb muss eine klare Message herüberkommen. Ich kann das und ich passe aus diesen und jenen Gründen genau auf die Stelle.“

3. Das Anschreiben gehört in die E-Mail

Kessler ist kein großer Fan von Anschreiben. „Wenn überhaupt, dann schaue ich mir das Anschreiben nach dem Lebenslauf an“, gibt Kessler zu bedenken. Die Chancen sinken, wenn sich das Anschreiben in einem separaten Dokument versteckt. Kessler rät daher, das Anschreiben gleich als E-Mail-Text zu versenden. „Das Anschreiben sollte ein Appetizer sein“, empfiehlt der Personalvermittler.

4. Das Anschreiben wimmelt von Fehlern

„Ein Anschreiben ist wie eine Visitenkarte“, sagt Signer. „Wenn man darin viele Fehler findet, dann hinterlässt das einen schlechten Eindruck.“ Immer wieder stößt die Personalberaterin auf falsche Adressen, falsche Ansprechpartner und falsche Stellenbeschreibungen.

„Anschreiben und Lebenslauf müssen fehlerfrei sein“, betont auch der ehemalige Headhunter Stefan Bächer von Guggenbühl, Bächer, Niederer & Partner in Zürich. Fehler zeugten von unsauberer Arbeitsweise. „Daher können sie schon ein Killer sein.“

5. Jobbeschreibung und Kompetenzen müssen allgemeinverständlich sein

Da die Erstsichtung einer Bewerbung meist von HR und nicht von der Fachabteilung vorgenommen wird, müssen bei Stellenbeschreibung und Kompetenzen auch Laien deutlich werden, dass der Kandidat für die Stelle geeignet ist. Oftmals gebe es in Unternehmen interne Jobtitel, die für Außenstehende unverständlich seien, warnt Dowsett.

6. Wichtige Fragen sollten kurz erläutert werden

Manche Lebensläufe sind aus sich heraus nicht vollständig verständlich. „Wenn Sie in Bewerbungsprozessen immer wieder auf die gleiche Frage stoßen, dann sollten Sie sie vielleicht im Anschreiben erläutern“, empfiehlt Kessler.

7. Schweizbezug ist Trumpf

Ausländische Bewerber können das Anschreiben auch nutzen, um einen Schweizbezug herzustellen. Das können Freunde, Familie oder auch ein Auslandssemester in der Schweiz sein. „Damit zeigt man, dass man nicht nur in die Schweiz kommt, weil es hier viel Geld zu verdienen gibt, und dass man sich bewusst ist, was es heißt umzuziehen“, sagt Signer.

8. Schweizer Bescheidenheit beachten

Für Bewerber aus dem großen Kanton – Deutschland also – hält Signer noch einen besonderen Tipp bereit. Sie sollten mit akademischen Titeln und mir ihren Leistungen nicht zu sehr auftrumpfen. „Kandidaten sollten nicht zu dick auftragen, sondern sich an Schweizer Bescheidenheit orientieren“, empfiehlt Signer.

9. Wer SZ in der Schweiz verwendet, outet sich als Ausländer

Das Schweizer Hochdeutsch kennt so einige Besonderheiten. So gibt es hierzulande kein „SZ“. „Wer SZ in der Schweiz benutzt, zeigt, dass er wenig über die Kultur weiß“, warnt Signer. Allerdings handle es sich für ausländische Bewerbungen nicht um einen Ausschlussgrund. „Wer allerdings in der Schweiz wohnt, für den ist die Verwendung von ss zwingend.“

10. Die 15 Sekunden-Regel

Für Bächer ist ein Anschreiben von einer Seite schon zu lang. „Der Leser soll in 15 Sekunden verstehen, dass er Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen muss“, sagt der Experte. Dabei sei es völlig gleich, ob das Anschreiben auf Papier, in einer E-Mail oder im Textfeld einer Online-Bewerbungsseite erfolge. „Wenn ich in drei Sätzen erläutere, wieso ich der richtige für den Job bin, dann erhöhe ich damit meine Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden“, erläutert Bächer. „Ein kurzes, schnittiges und gefälliges Anschreiben schadet nie.“

 

Kommentare (1)

Comments
  1. Die Tipps zu Anschreiben gleichen sich immer wieder, aber die Fehler der Bewerber verschwinden auch nicht!
    Dabei wird vergessen, dass es keine Norm für Bewerbungen gibt – allenfalls die Briefnorm, die Rechtschreibung und Grammatik.
    Zudem gibt es soviele Ansichten zu Bewerbungen, wie es Personaler gibt.
    So legen Personaler aus der pädogogischen Richtung auf einen exakten Lebenslauf von Wiege bis zum Jetzt wert, in größeren Unternehmen soll man sich mit dem Unternehmen, dem Ansprechpartner auskennen und die damit einhergehenden Erwartungen,
    Kleine Unternehmen und Mittelständler müssen meist das nehmen, dass der Staat und Champions Ihnen noch übriggelassen hat und viele Bewerbungen und Auswahlen folgenden meist Faustregeln, Lokalcoulorit, Vorlieben und dem Halo-Effekt.
    Ein Anschreiben und Bewerbung zu verfassen, die dem Auswhählenden gefällt ist praktisch unmöglich und viele Personaler erkennen den Richtigen dann, wenn er/sie vor ihm steht oder zufällig die richtige Bewerbung reinkommt.
    Die Vorteile liegen auf der Seite der Personaler und Unternehmer, denn wer zahlt schafft an und darin ist der Personaler der verlängerte Arm des Management oder Chef, der das letzte OK gibt!

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