☰ Menu eFinancialCareers

Alle wollen Trader werden: Der große Traum vom Aufstieg ins Front Office

Trader

Trader und Top-Modells haben eines gemeinsam: Viele wollen es werden, aber den wenigsten gelingt er Einstieg in den vermeintlichen Traumjob. Statt ein „Magier der Märkte“ zu werden, der mit Milliarden jongliert und Millionen an Boni einstreicht, enden die meisten Finanzprofis in weniger glanzvollen Positionen im Middle und Back Office. Den Traum von einem Aufstieg ins Trading geben dennoch nur wenige auf. Mit gewissen Abstrichen gilt dies auch für die übrigen Positionen im Front Office.

Die Illusion vom Aufstieg ins Trading…

„Jeder zweite oder dritte Kandidat erzählt mir, dass er auch an einem Job im Trading interessiert ist“, beobachtet Headhunter Roland Lochte von Kimberlite in Frankfurt, der u.a. Risikomanager und Kreditanalysten vermittelt. „Viele wollen den Sprung vom Risikomanagement ins Trading machen“, sagt Lochte. Besonders häufig komme dies im Marktrisiko vor, wo viele Quants arbeiten. So mancher glaube sogar den „Stein der Weisen“ gefunden zu haben – eine Tradingstrategie, mit der sich das ganz große Geld verdienen lasse.

Hinzu komme, dass Kandidaten in Gesprächen mit einem Headhunter eher von ihren Träumen und Visionen erzählen, während sie im Vorstellungsgespräch bei einem Arbeitgeber etwas vorsichtiger agierten. „Bei einem Headhunter herrscht immer so ein wenig ‚Wünsch Dir was‘“, berichtet Lochte augenzwinkernd.

In einem solchen Fall versucht Lochte den aufstrebenden Risikomanagern ein wenig von ihrer Illusion zu nehmen. „Ich versuche die Kandidaten in die Realität zurückzuholen“, sagt Lochte. „Ich rate ihnen, sich in die Lage eines Arbeitgebers zu versetzen. Wieso sollte jemand z.B. einen Risikomanager als Trader einstellen, wenn er einen Trader mit jahrelanger Berufserfahrung haben kann?“, fragt Lochte.

Denn auf dem Arbeitsmarkt herrsche an Tradern mit einschlägiger Ausbildung und Berufserfahrung kein Mangel. „Wenn wir eine Stellenanzeige fürs Front Office schalten, werden wir von Bewerbungen überschwemmt.“ Anders dagegen in vielen Middle und Back Office-Positionen. „Wenn wir dagegen eine Anzeige fürs Risikomanagement schalten, sind wir erfreut, wenn wir auch nur einen passenden Lebenslauf erhalten.“

Seit der Finanzkrise fielen zahlreiche Front Office-Stellen dem Rotstift zum Opfer. Dagegen wurden in einigen Back und Middle Office Positionen wie dem Risikomanagement reichlich neue Stellen geschaffen. Im Trading handelt es sich um einen Arbeitgeber- und im Risikomanagement um einen Arbeitnehmermarkt, gibt Lochte zu bedenken.

Umgekehrt sei der Arbeitsmarkt durchlässiger. „Den Wechsel vom Trading ins Risikomanagement habe ich hingegen schon beobachtet“, erzählt Lochte. Die schwierige Arbeitsmarktposition habe so manchen Trader mit Vorkenntnissen im Risikomanagement zur beruflichen Neuorientierung im Risikomanagement bewegt.

Allerdings hält Lochte für Risikomanger einen kleinen Trost parat. So  sei ein Gehaltsaufschlag von 10.000 bis 20.000 Euro bei einem Arbeitgeberwechsel durchaus möglich. Da ein Risikomanager mit passablem Uniabschluss und fünf Jahren Berufserfahrung bei 60.000 bis 70.000 Euro liegt, handle es sich schon um einen beachtlichen Gehaltssprung. Allerdings weiß auch Lochte: „Geld allein ist nicht alles.“

… und der steinige Weg in die Origination

Auch Headhunter Thomas von Ciriacy-Wantrup bestätigt den Wunsch vieler Kandidaten aus dem Risikobereich ins Trading zu wechseln. „Allerdings gibt es da kaum Stellen. Das weiß das Front Office, das weiß das Middle Office und das weiß das Back Office.“

Viel häufiger begegnet von Ciriacy-Wantrup der Aufstiegswunsch in der Kreditrisikoanalyse. „Von fünf Kandidaten wollen vier in Origination gehen“, sagt der Headhunter. Die Leute wollen nicht nur die Kreditrisiken beurteilen, sondern diese Produkte auch dem Kunden anbieten. „Die Kandidaten wollen gerne auf die Marktseite wechseln und den Kontakt zu Kunden haben.“

Hier scheinen die Chancen auf einen Aufstieg ins Front Office zumindest etwas besser zu stehen. „Der Wechsel von der Kreditrisikoanalyse in die Origination kommt immer wieder vor“, erzählt von Ciriacy-Wantrup. Dies sei durchaus im Sinne der Arbeitgeber. Denn jemand aus der Kreditanalyse achte in der Origination, im Kontakt mit dem Kunden, bereits verstärkt auf mögliche Risiken für die Bank. Allerdings sei der Kundenkontakt auch nicht jedermanns Sache, warnt von Ciriacy-Wantrup. „Das eigentliche Problem ist aber, dass es in der Kreditrisikoanalyse einfach mehr Stellen als in der Origination gibt.“

Ähnliche Artikel:

Wie der erfolgreiche Investmentbanker der Zukunft ausschaut

Muss eine Banking-Karriere unbedingt im Front Office beginnen?

Wie wird man Risikomanager? Einstieg und Fortbildungen in einen boomenden Beruf

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier