☰ Menu eFinancialCareers

Wie der erfolgreiche Investmentbanker der Zukunft ausschaut

Der Investmentbanker der Vergangenheit hat ausgedient. (Foto: iStock)

Der Investmentbanker der Vergangenheit hat ausgedient. (Foto: iStock)

Spitzenbanker wie der Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain lassen keine Gelegenheit aus, den Kulturwandel in der Branche zu beschwören. Während selbst Vorstände von der Konkurrenz unter vorgehaltener Hand Zweifel an dem Änderungswillen beim deutschen Branchenprimus bekunden, kommen die Veränderungen sukzessive bei den Mitarbeitern an. Als Folge davon haben sich die Kriterien für eine erfolgreiche Karriere im Investmentbanking deutlich gewandelt. Wir haben zusammengestellt, durch welche Eigenschaften sich der erfolgreiche Investmentbanker der Zukunft auszeichnet:

1. Geduld

Auch heute lässt sich im Banking noch gutes Geld verdienen – allerdings kann dies einige Zeit in Anspruch nehmen. So gewähren viele Banken nur noch Boni mit langen Auszahlungsfristen. Von Morgan Stanley wird berichtet, dass die variablen Vergütungen nur bis 125.000 Dollar komplett in bar ausbezahlt werden. Bei der Deutschen Bank liegt diese Schwelle bei 100.000 Euro. Bei Credit Suisse und UBS handelt es sich um 250.000 bzw. 300.000 Franken. Dies gilt freilich nur für das Schweizer Personal. In den USA und London liegt diese Schwelle bei 250.000 und 300.000 Dollar, was weniger als in Franken ist.

Doch bei einem Barbonus von 300.000 Franken fällt das Mitleid bei den meisten Zeitgenossen doch eher verhalten aus. Dagegen behaupten Londoner Headhunter, dass Junior Banker die Barbonusschwelle von 100.000 Euro bei der Deutschen Bank oft zu spüren bekommen. „Wenn Sie ein Senior Banker sind, dann sind die aufgeschobenen Vergütungen in Ordnung. Sie befinden sich bereits im Zyklus der aufgeschobenen Vergütungen und Sie erhalten Auszahlungen aus den Vorjahren. Aber wenn Sie ein Junior Banker sind und nur aufgeschobene Vergütungen von ein oder zwei Jahren haben, dann kommen Sie nicht ungeschoren davon. Sie müssen drei oder vier Jahre warten, bis Sie die Vergütungen für ein ganzes Jahr erhalten“, erzählt ein Headhunter.

Auch die Beförderungen werden immer schwieriger. Denn jenseits des Vice President- und Director-Level werden immer weniger Beförderungen ausgesprochen. Wer sich an dieser Weichenstellung für seine weitere Karriere befindet, muss zunächst warten und hoffen.

2. Politik

Während es in der Vergangenheit hauptsächlich darum ging, Erträge und Gewinne für die Bank zu generieren, fällt die Erfolgsmessung heute weitaus komplizierter aus. So werden Kriterien wie risikogewichtete Gewinne, Cross Selling, ethische Werte und die konzernweite Performance berücksichtigt. Die qualitativen Kriterien haben gegenüber den quantitativen an Bedeutung gewonnen. Im Zuge dieser Entwicklung scheint sich auch die Karrierekultur gewandelt zu haben: Unterwürfigkeit ist gelegentlich hilfreicher als Ehrgeiz. Laut Daniel Beunza, einem Wissenschaftler der London School of Economics, der sich auf Unternehmenskultur in Finanzdienstleistungen spezialisiert hat, könne ein wenig Speichelleckerei bei den heutigen 360 Grad-Leistungsbewertungen geradezu Wunder wirken. Politische Erwägungen wären wichtiger als in der Vergangenheit, als es allein um die Erreichung quantitativer Ziele ging.

3. Pragmatismus

Falls es in der Vergangenheit im Job nicht so lief wie erhofft, wechselte so mancher Finanzprofi einfach den Arbeitgeber und konnte dabei obendrein noch einen Gehaltsaufschlag von 20 Prozent herausschlagen. Dagegen besaß es Seltenheitswert, dass jemand zu einem internen Stellenwechsel auf weniger lukrative Jobs gedrängt wurde. Falls schließlich die Risikolimits beim Handel kräftig heraufgesetzt wurden, konnten die Trader leichter ihren eigenen Hedgefonds aufmachen. Doch diese guten alten Zeiten sind längst passé.

Dagegen muss heute genau abgewogen werden, ob die Nachteile des alten Jobs tatsächlich das Risiko eines Jobwechsels aufwiegen. Wer in seiner Karriere vorankommen möchte, muss pragmatischer vorgehen und sich kompromissbereit zeigen. Der hochbezahlte Traumjob bei einem renommierten Unternehmen, bei dem es allein um den Aufbau neuer Geschäfte ging, ist nahezu verschwunden. Heutzutage gilt es vielmehr, seinen Kopf zum richtigen Zeitpunkt einzuziehen, sobald neue Entlassungswellen über das Unternehmen hereinbrechen.

4. Durchhaltevermögen

Stehvermögen und Ausdauer haben bei einer Karriere im Investmentbanking schon immer eine große Rolle gespielt. In jedem neuen Quartal wird eine Out-Performance verlangt. Falls dies in einem Quartal tatsächlich gelingt, werden die Ziele für das anschließende Quartal nur weiter in die Höhe geschraubt. In einem stagnierenden Markt, in dem die Banken geradezu einen ‚Abnutzungskrieg‘ über Marktanteile führen, nimmt der Druck auf die Mitarbeiter ungeahnte Dimensionen an.

Gregg Lemkau, Co-head M&A bei Goldman Sachs, hat diesen Punkt kürzlich in einem Interview angesprochen. Demnach habe jemand nach einem guten Jahr bei Goldman Sachs gerade einmal eine Minute Zeit, um seinen Erfolg zu feiern. „Und dann fangen Sie wieder bei null an und fragen sich: ‚Wie zur Hölle schaffen wir das wieder‘.“

5. Persönlichkeit

Die Fähigkeit Beziehungen aufzubauen, gewinnt für den langfristigen Karriereaufbau im Investmentbanking an Bedeutung. Dies gilt sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens. So ist ein gutes Netzwerk innerhalb der eigenen Firma Gold wert, wenn es darum geht, bei der Auflösung eines Geschäftsbereichs in eine andere Abteilung zu wechseln. Außerhalb des Unternehmens sind Kundenbeziehungen immer noch von zentraler Bedeutung für eine Karriere.

Laut dem ehemaligen McKinsey-Berater und heutigen Bankenanalysten bei Bernstein Research Chirantan Barua werde es in Zukunft nur noch zwei Arten von Investmentbankern geben: die „Arbeitsameisen“, denen der Betrieb der Bank obliegt, und die Senior Banker, die mit ihrem Netzwerk für das Geschäft zuständig sind.

6. Programmierung

Der IT kommt zunehmend eine Schlüsselrolle für den Geschäftserfolg im Investmentbanking zu. Laut Goldman Sachs arbeiten bereits 25 Prozent des Personals in IT-Funktionen und JP Morgan beschäftigt 30.000 IT-Mitarbeiter. So mancher Banker hat die Gelegenheit genutzt, sich als Programmierer in Java, MySQL, C# und Python beruflich neu zu positionieren.

7. Ein einwandfreier Lebensweg

Für Banker mit dunklen Stellen im Lebenslauf wird es immer schwieriger, eine neue Stelle zu finden. Banken heuern ungern Personal an, wenn das Risiko besteht, der neue Mitarbeiter könne bei Affären wie der LIBOR- oder Devisen-Manipulation mitgewirkt haben.

Londoner Headhunter berichten, dass die Erlaubnis zu einem Jobwechsel bei risikoverantwortlichem Personal durch die Aufsicht FCA schon einige Monate in Anspruch nehmen könne. Dies könne bei einem Wechsel schon eine Herausforderung darstellen. Denn die Überprüfung findet erst statt, wenn jemand bereits einen Arbeitgeber verlassen und einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche hat. Von daher geht so mancher Senior Banker bei einem Jobwechsel ein ganz spezielles Risiko ein.

8. Flexibilität

Die besten Voraussetzungen für eine lange Karriere im Investmentbanking bringen Finanzprofis mit, die bereit sind, sich ständig anzupassen und in neuen Geschäftsbereichen zu arbeiten. So hat der britische Fondsmanager Richard Woolnough, der im vergangenen Jahr die Kleinigkeit von 29 Mio. Dollar verdient hat, kürzlich erklärt, dass ihm seine frühzeitige Erfahrung im Trading mit Aktien und Anleihen weitergeholten habe. Da viele Banken wie Barclays oder Nomura immer häufiger zu gemischten Handelssälen übergehen, spielen Erfahrungen in verschiedenen Anlageklassen eine immer größere Rolle.

9. Geiz

Die erfolgreichen Investmentbanker der Zukunft werden ihre Boni wohl weniger für Luxusautos und Stripbars ausgeben, sondern sich sorgfältig um ihre Altersvorsorge kümmern. Laut dem französischen Ökonomen Thomas Piketty erkennen immer mehr Investmentbanker, dass die enormen Summen, die sie in den vergangenen 25 Jahren ausgegeben haben, damit diese „Supermanager“ Grenzerträge generieren, nicht die Grenzkosten wert waren, die sie dabei in Kauf genommen haben.

Die Spitzenverdiener der Zukunft indes werden einen größeren Teil ihrer Einkommen aus Investments erhalten als in der Vergangenheit, prophezeit Piketty. Daher sollten Investmentbanker ihre Einnahmen wohlüberlegt investieren, um für die Rückschläge der Zukunft gerüstet zu sein.

Ähnliche Artikel:

Der Siegeszug der Arbeitsameise: Wieso die hellen Mitarbeiter im Investmentbanking aussterben

Fall Anshu Jain: Was machen, wenn der Aufsichtsrat den eigenen Nachfolger sucht?

Das Karrierekarussell: Wie der Personalaustausch zwischen Big 4 und Investmenbanken funktioniert

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier