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Kolumne: Warum ich als MBA-Absolvent seit Januar nach einem Job suche

Jeder Banker weiß, dass es unmöglich ist, den richtigen Zeitpunkt am Markt zu treffen. In den vergangenen zwei Jahren habe ich erlebt, dass das auch für andere Bereiche gilt.

Nach meinem Bachelor als Ingenieur habe ich mich entschlossen, in die dynamischere und auch besser bezahlte Finanzwirtschaft zu wechseln. Nach der Uni arbeitete ich deshalb zunächst in der Strategieabteilung eines Mittelständlers aus der Gesundheitsbranche. Nach drei Jahren sah ich die Zeit gekommen, einen Wirtschafts-Abschluss zu machen.

Nach reiflicher Überlegung entschloss ich mich, einen MBA mit Schwerpunkt Finanzen bei einer führenden Business School zu machen. Ich war mir sicher: Der MBA würde mir nicht nur das beste Training geben, sondern auch noch die Türen zu den Arbeitgebern öffnen. Das war 2006. Damals brauchte man nur einen festen Puls, um einen Job zu bekommen.

Bei der Auswahl nach dem richtigen MBA-Programm habe ich mich an festen Kriterien orientiert: Am wichtigsten war für mich der Ruf der Uni und die aktuelle Platzierung im Ranking der Financial Times. Danach habe ich mich auf die akademische Stärke im Fach Finanzen konzentriert. Zuletzt habe ich mir die Kulturen der Unis angeschaut und überlegt, welche am besten zu mir passt.

Diese Prioritäten habe ich mit der Wahrscheinlichkeit verglichen, dass ich mit meinen Noten, meiner Erfahrung und meinem GMAT-Ergebnis auch genommen würde.

Am Ende habe ich mich bei fünf Unis beworben, die diese Kriterien erfüllten. Ich war natürlich froh, dass mich meine Lieblings-Hochschule dann auch akzeptiert hat. Im Herbst 2007 begann ich das Studium.

Rückblickend kann ich sagen, dass der MBA mein Leben verändert hat. Ich habe eine super Ausbildung genossen, außergewöhnliche Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen, die ein Leben lang halten werden. Ich habe mich an meinen Plan gehalten und mich auf den Abschluss in Finanzen konzentriert – mit dem Ziel nach dem Examen in der Finanzindustrie zu arbeiten.

Leider ist es heute nicht mehr so einfach, dieses Ziel zu erreichen, wie es noch 2007 schien. Heute reicht ein kräftiger Puls als Einstellungsvoraussetzung nicht mehr aus.

Ich bin ein typischer MBA-Karrierewechsler, der den Abschluss als Sprungtuch für eine neue Karriere nutzen wollte. Die Karriere zu wechseln, wenn der Arbeitsmarkt brummt, ist bereits nicht leicht, noch größter ist freilich die Herausforderung, das während eines Wirtschaftsklimas wie in den vergangenen zwölf Monaten zu tun.

Die größte Herausforderung ist übrigens die Konkurrenz. Es gibt viele MBA-Absolventen, die in den vergangenen Jahren entlassen worden sind und die alle zurück auf den Arbeitsmarkt drängen. Sie können ohne großes Training eingestellt werden, ich dagegen habe zwar den Willen, die Entschlossenheit und die Fähigkeit, den Übergang zu schaffen, muss aber zunächst ein Unternehmen finden, das mir die Chance gibt, zu lernen und mich zu beweisen.

Im Januar 2009 habe ich angefangen, nach einem Job zu suchen. Zu der Zeit wollten die Unternehmen nicht einmal mit mir sprechen, denn sie waren noch damit beschäftigt, Mitarbeiter zu entlassen. Im Frühjahr waren sie dann zwar bereit, mich zum Gespräch einzuladen, aber es gab kaum Jobs. Im Sommer habe ich jeden getroffen, der sich mit mir unterhalten wollten – formell, oder informell.

Jetzt ist Herbst, und ich suche immer noch. Ich bin zuversichtlich, dass die Unternehmen wieder strategisch einstellen. In den vergangenen Wochen habe ich sogar einige Einladungen für Vorstellungsgespräche bekommen.

Ich denke weiter positiv und habe das Gefühl, dass ich schon bald die Kurve kriegen und einen Jobangebot bekommen werde. Sobald ich eine Arbeit gefunden habe, werde ich mich wieder melden und erzählen, welche Strategie am besten funktioniert hat.

Kommentare (4)

Comments
  1. Willkommen im Club. Suche auch seit Januar, wie (zu) viele andere, die ich kenne. Hinzu kommt, dass ich mein Studium aus eigener Tasche finanziert habe und es sich infolge dessen leider etwas in die Länge gezogen hat. Das wirft mich bei der ständig wachsenden Absolventenkonkurrenz natürlich klar zurück. Da selbst Outperformer z.T. keine Einstiegsjobs im Finanzsektor bekommen, mache ich mir 24/7 Sorgen,dass ich mein Bankenstudium umsonst gemacht habe. Schon frustrierend, wenn man sich 10 Monate nach erfolgreichen Abschluß mit guten Noten immer noch mit Aushilfsjobs über Wasser halten muss, und weiß, dass die Anzahl an Konkurrenten täglich wächst. Allerdings habe auch ich in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, dass es wieder die ein oder andere Einstiegsstelle mehr gibt. Man wird sehen…

  2. +1

    Hochqualifiziert, kompetent, International erfahren, Sprachkenntnisse, gute Noten und Referenzen…

    Und seit Februar ’09 keinen vernünftigen fulltime job.

  3. Hi, komme aus der Schweiz. Gleiches Thema: MBA 2009 im März graduiert. komme – im Gegensatz zu früher – keinen Schritt weiter. Jetzt sogar zwischen Stuhl und Bank – zu wenig Führungserfahrung (“nur” 3 Jahre) und für “andere” Jobs zu “überqualifiziert” – sorry, aber was soll das???? Studium auch selbst finanziert und bis April 2010 bei CH -Grossbank im IT-Projektmanagement tätig – Aufstiegschancen nach MBA = 0 (bin ja Frau mit Kindern und das geht schon mal gar nicht) :-) – aber habe gelernt, dass alles seinen Grund hat und “s’kommt scho guet”! – Dir viel Erfolg weiterhin!

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