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Lohnt sich Schummeln bei Bewerbungen? Wie Detektive und Headhunter Delinquenten auf die Schliche kommen

Foto: Thinkstock

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So mancher Finanzprofi erliegt der Versuchung, unschöne Details aus seiner Vergangenheit im Lebenslauf aufzuhübschen. Nach den Erfahrungen von Personalexperten wird vor allem bei den Ein- und Austrittsdaten von beruflichen Stationen geschummelt. Auf diese Weise verschwinden Lücken im Lebenslauf auf wundersame Weise. Ein anderer Klassiker stellen zu hohe Gehaltsangaben dar, um beim neuen Arbeitgeber etwas mehr Geld herauszuschlagen.

Im Photoshop-Zeitalter nehmen Täuschungsversuche zu

Nach den langjährigen Beobachtungen von Manfred Lotze, Chef der Wirtschaftsdetektei Kocks aus Düsseldorf, nehmen die Täuschungsversuche in Bewerbungen sukzessive zu. „Mit der modernen Technik lässt sich sehr leicht täuschen“, sagt Lotze. Der Wirtschaftsdetektiv erinnert sich an einen Fall, als ein Kandidat ein anderthalbseitiges Arbeitszeugnis auf zweieinhalb Seiten verlängert hatte. „Der Bewerber hat sich das Briefpapier des Unternehmens besorgt und sogar die Unterschrift gefälscht.“

Headhunter Raphael Rosenfeld von Argos Advisors in München berichtet von einem Fall, als ein Bewerber eine Station im Lebenslauf erfand. „Es handelte sich um einen Kunden von mir und da habe ich nachgefragt, weil wir genau diesen Kandidaten ca. zwei Jahre zuvor ausführlich besprochen hatten“, erzählt Rosenfeld. „Dabei kam heraus, dass er dort nur eine Woche als Praktikant gearbeitet hat und nicht mehrere Jahre als Consultant.“

Einen besonders auffälligen Fall hat Matthias Koch, Associate Director von Robert Walters in Düsseldorf erlebt. „Damals hat ein Bewerber seinen ganzen Lebenslauf gefälscht – inklusive der Zeugnisse.“ Ein Kollege, der an der gleichen Hochschule studiert hatte, sei das Diplom suspekt vorgekommen. So gelangte der Täuschungsversuch ans Tageslicht.

Es gibt eine Bagatellgrenze

Doch wo liegt die Bagatellgrenze? Falls jemand im Lebenslauf angibt, die Verantwortung für fünf Mitarbeiter getragen zu haben und sich dann herausstellt, dass es lediglich zwei Azubis waren, dann könne man darüber hinwegsehen. Anders sehe es aus, wenn jemand wahrheitswidrig die Verantwortung für 100 Mitarbeiter angebe, später in der neuen Stelle scheitere und dem Arbeitgeber Schaden zufüge. „Das stellt schon eine arglistige Täuschung dar“, meint Lotze. Gerichte würden hier mittlerweile den betroffenen Unternehmen Schadensersatz zusprechen.

Unternehmen fehlt es an Problembewusstsein

Täuschungen in den Lebensläufen fallen allerdings je nach Branche unterschiedlich aus. „Bei Banken ist das äußerst selten vorgekommen“, berichtet Lotze. „Wir wissen allerdings aus Erfahrung, dass niemand wirklich davon verschont wird.“ Eventuell mangele es den Unternehmen an Problembewusstsein.

So musste er schon feststellen, dass eine Bank von ihrem risikorelevanten Personal keine Führungszeugnisse verlange. Auch wenn die Aussagekraft solcher Dokumente aufgrund von Verjährungsfristen und rechtlicher Beschränkungen begrenzt sei. „Wir würden gerne generell versuchen, den Schaden gar nicht erst eintreten zu lassen und Sicherheit präventiv spürbar machen.“

Schnelle Sichtung der Bewerbungsunterlagen birgt Risiken

Oft hätten die Personalabteilungen für die Sichtung der Unterlagen nur fünf Minuten Zeit. Entsprechend dürftig falle die Kontrolle aus. „Das ist wie Daumenkino“, kritisiert Lotze. Auch der Trend zu anonymen Bewerbungen könne Täuschungsversuchen Tür und Tor öffnen. „Da sträuben sich mir die Nackenhaare“. Unternehmen sollten sich bei Vorstellungsgesprächen auf jeden Fall die Originalzeugnisse vorlegen lassen.

Viele Kandidaten geben ein zu hohes Gehalt an

„Am meisten wird beim Gehalt geschummelt“, erzählt Koch. Dabei gebe es eine negative Relation zum beruflichen Erfolg. „Desto erfolgreicher die Kandidaten sind, desto seltener kommt es vor“, sagt Koch.

Der Headhunter hat einen einfachen Trick, um den Kandidaten auf die Probe zu stellen. „Bei Gehaltsvergütungen geht es um Jahresgehälter. Ich frage den Kandidaten dann unmittelbar, wie viel er denn im Monat verdient. Das weiß man normalerweise“, erzählt Koch. „Wenn der Kandidat erst nachrechnen muss, dann ist das Gehalt meist zu hoch angesetzt.“ Auch bei der Nachfrage nach der Zusammensetzung der Vergütung – Festgehalt, Bonus und Zusatzleistungen – würden Schummler rasch in Schwierigkeiten geraten.

Der Trick mit den falschen Daten

Nach Rosenfelds Erfahrung kommen frisierte Zahlen zur Unternehmenszugehörigkeit besonders häufig vor: „So etwas lässt sich oft daran erkennen, dass die Zahlen nicht schlüssig sind.“ Während z.B. in einigen Abschnitten des Lebenslaufs exakte Daten angegeben würden, seien es in anderen lediglich Jahreszahlen. Die mangelnde Konsistenz im Lebenslauf sei ein Hinweis, dass etwas nicht stimme. „Im Zweifelsfall sollten Kandidaten nur die Jahreszahlen verwenden“, rät Rosenfeld.

Selbst Überschneidungen zwischen unterschiedlichen beruflichen Stationen hat der Headhunter schon entdeckt. „Das ist ein sicheres Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Der Kandidat kann ja nicht gleichzeitig bei zwei Arbeitgebern gearbeitet haben“, sagt Rosenfeld. Darüber hinaus ließen sich die Angaben im Lebenslauf mit denen in den Arbeitszeugnissen abgleichen.

Weiche Faktoren laden zum Schummeln ein

Gerne würden Kandidaten ihre Erfolge auch etwas zu positiv darstellen, beobachtet Koch. Denn dabei handle es sich um weiche Faktoren. „Ich versuche dann, die Erfolge auf die Fakten wie etwa Umsatz herunterzubrechen.“ Sobald man tiefer ins Detail gehe, zeige sich rasch, was von der Aussage zu halten sei.

Darüber hinaus nutze er sein Netzwerk unter einschlägigen Finanzprofis, um die Plausibilität der Erfolge zu ermessen. Es lohne sich, Referenzen einzuholen. Dagegen verlören Arbeitszeugnisse zunehmend an Bedeutung. Ihre Aussagekraft lasse häufig zu wünschen übrig.

Vier Wege, um die Richtigkeit der Angaben zu prüfen

Rosenfeld setzt auf vier Ansätze, um die Angaben aus einem Lebenslauf auf ihre Korrektheit zu prüfen. Zunächst sichte er die Zeugnisse, spreche im persönlichen Interview Ungereimtheiten im Lebenslauf an und lasse sich die Wechselmotivationen erklären. Überdies lasse er sich die Projekte und Aufgaben des Kandidaten erläutern. Falls ein Kandidat dabei nervös werde oder ins Straucheln gerate, sei dies ein Warnhinweis. „Wenn man eine Projekthistorie hat, dann sollte so etwas kein Problem darstellen.“ Laut Rosenfeld müsse ein Kandidat seinen Lebenslauf gewissermaßen „verkörpern“.

Wirtschaftsdetekteien bieten ihre Dienste an

Eine Alternative zur eigenen Prüfung stellt die Beauftragung externer Dienstleister dar. So bietet die Wirtschaftsdetektei Kocks Arbeitgebern im Vorfeld zwei Dienstleistungen an: Die Prüfung der Unterlagen sowie die profunde Bewerberüberprüfung. Erstere dauere wenige Tage und koste etwa 2500 Euro; die Kosten für eine eingehende Prüfung indes hingen vom Einzelfall und dem damit verbundenen Aufwand ab. Lotze beziffert den Anteil der genauen Bewerberüberprüfungen auf etwa 10 bis 12 Prozent. Dabei handle es sich um gut investiertes Geld. „Auf diese Weise werden kriminelle Karrieren am Arbeitsplatz frühzeitig verhindert.“

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