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HVB bewältigt eines der größten IT-Projekte in der europäischen Bankenlandschaft

Mit Argusaugen dürfte die Bankenbranche am vergangenen Wochenende nach München zur HVB geblickt haben. Denn die Tochter der italienischen Großbank Unicredit hat ihre IT auf die gruppenweite Lösung “Eurosig” umgestellt. Von dem Großprojekt waren sämtlichen Kundendaten, das Online-Banking, die Geldautomaten und so ziemlich jeder einzelne Rechner in der HVB betroffen.

“Ein solches grenzübergreifendes Projekt gab es seit längerem nicht mehr in Europa”, sagte ein HVB-Sprecher. Denn in dem Projekt waren seit dem vierten Quartal 2007 in der Spitze bis zu 2500 Mitarbeiter eingebunden. Mithin läuft die Softwareumgebung jetzt neben Italien auch in Tschechien und Deutschland. Als nächstes sollen Österreich und Polen folgen.

Umstellung musste zwei Mal verschoben werden

Durch die Komplexität des Projektes war der Einführungszeitpunkt bereits zwei Mal, am 1. Januar und am 1. Mai, verschoben worden. Daraufhin hatten Mitarbeiter die neue Kernbanksoftware als “Eurosick” verspottet. “Da geht Sicherheit vor Einführungszeitpunkt”, sagte indes der HVB-Sprecher. Am vergangenen Wochenende wurde es schließlich ernst:

Ab Freitagnachmittag war das alte System “HVB-Classic” sukzessive abgeschaltet worden und das neue System lief am Sonntag an. Rund 1500 Mitarbeiter waren in den 900 deutschen Standorten mit der Prüfung der neuen Lösung beschäftigt. Schon zuvor waren die etwa 19.000 Beschäftigten der HVB intensiv mit der neuen Umgebung geschult worden.

Dabei scheint das Projekt vergleichsweise problemlos über die Bühne gegangen zu sein. Am Montagmorgen sank die Erreichbarkeit des Onlinebankings für eine halbe Stunde auf 50 Prozent und kurz nach Mittag funktionierten die Geldautomaten für 14 Minuten nicht.

Bisherige Software war teilweise bereits 25 Jahre alt

Schon vor der Übernahme der HVB durch Unicredit war klar gewesen, dass eine neue integrierte Lösung erforderlich sein würde. Denn die bisherige Software stammte teilweise noch aus den 80er Jahren.

Dabei gab es drei verschiedene Möglichkeiten: eine komplette Neuentwicklung, den Kauf einer bestehenden Lösung sowie die Übernahme der Software vom Mutterkonzern Unicredit. Die Münchner hätten sich nicht allein aus politischen Gründen für die letzte Option entschieden. Vielmehr sei die Einführung von Eurosig auch rund 25 Prozent günstiger ausgefallen als eine der beiden anderen Möglichkeiten, hieß es von der HVB.

Ähnliche Großprojekte stehen auch bei der Commerzbank und der Deutschen Bank an

Dabei musste das System Eurosig aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt werden und an die deutschen Produkte sowie die Anforderungen der Regulierungsbehörden angepasst werden.

Für viele andere Institute stellt die Umstellung bei der HVB einen interessanten Präzendenzfall dar. So ist die Vereinheitlichung der IT bei der Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank eine der größten Herausforderungen. Bis zum zweiten Quartal 2011 sollen das System der ehemaligen Dresdner Bank – mit wenigen Ausnahmen auf das der Commerzbank migriert sein.

Überdies hat die Deutsche Bank im Januar die konzernweite Umstellung des Kernbanksystems auf eine SAP-Lösung in den kommenden drei Jahren beschlossen.

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