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Fitness, Schlaf und Meditation: Die Kunst, ein besserer Finanzprofi zu werden

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Den meisten Fonds- und Asset Managern liegt der Gedanke fern, sich wie Spitzensportler professionell coachen zu lassen. Laut Experten machen in Großbritannien beispielsweise gerade einmal 1 bis 3 Prozent der Unternehmen von Trading Coachs Gebrauch. Dennoch kann ihr Einsatz hilfreich sein und sich positiv auf die Performance ihrer Anlagevehikel auswirken.

„Die meisten Fondsmanager geben nicht zu, dass sie gecoacht werden müssen, weil sie als Experten betrachtet werden wollen und nicht als Leute, die mit Verhaltensstörungen, psychischen Problemen, körperlichen Schwächen oder sogar mit so etwas wie Glück zu kämpfen haben“, erzählt Karrierecoach Boris Pilichowski von Axis Minds, der früher selbst als Eigenhändler bei Goldman Sachs und Morgan Stanley gearbeitet hat.

Was Fondsmanager vom Spitzensport lernen können

Der Hedgefondsanbieter Man Group leistet sich gerade die Dienste des Coachs des olympischen Radteams Großbritanniens Shane Sutton. Auch eine Reihe anderer Hedgefonds wie Tudor Capital und Brevan Howard ziehen Trading Coachs zur Hilfe. Dennoch ist die Zahl nach wie vor klein, gesteht Pilichowski ein. Es gebe allen Grund, dass sich dies ändere.

„Um im Sportvergleich zu bleiben: Björn Borg wäre in den 70er Jahren vielleicht auch ohne einen Coach ein Spitzen-Tennisspieler geworden, doch wenn er heute noch spielen würde, dann würde er ein Team benötigen, das sich mit jedem Aspekt seines Spiels auseinandersetzt und auch mit seinen körperlichen und psychischen Befindlichkeiten“, sagt Pilichowski. „Die Fondsindustrie verändert sich und endlich wachen die Unternehmen auf, dass sie ihre Mitarbeiter kontinuierlich coachen müssen.“

Dabei kümmern sich Trading Coachs nicht um fachliche, sondern um persönliche Fragen. Wenn ein Trade abgewickelt wird, registriert z.B. eine Software Dinge wie Stimmung, Körperhaltung und Augenbewegungen, um auf dieser Basis Optimierungen zu entwickeln. Auch der Lebensstil wird einer eingehenden Untersuchung unterzogen: Vom Schlaf über den Alkoholkonsum bis hin zur Ernährung. Durch psychometrische Tests werden überdies Persönlichkeitstyp und die mentale Belastbarkeit geprüft.

Dies alles klingt nach einem Coaching, wie es aus dem Spitzensport bekannt ist. Tatsächlich sollten auch Fondsmanager und andere Finanzprofis als Sportler verstanden werden, in denen Körper und Geist untrennbar miteinander verbunden sind, meint Pilichowski. Dennoch sei das Training von Portfolio Managern und Tradern komplexer, sagt Clare Flynn Levy, die früher als Fondsmanagerin bei Morgan Grenfell tätig war und Essentia Analytics leitet. Dieses Unternehmen hat eine eigene Software zum Coaching von Investmentpersonal entwickelt.

„Der Datenkontext ist weitaus komplizierter als bei Athleten. Auf den Märkten herrscht viel mehr Krach als auf den Spielfeldern“, sagt Flynn Levy. „Wenn es also um die Analyse der Daten geht und welche Fragen sich damit beantworten lassen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, dass man den Arbeitsalltag eines Fondsmanagers versteht. Deswegen waren die meisten Coachs früher selbst Trader oder Portfolio Manager.“

Dabei muss das Coaching keinesfalls aufdringlich ausfallen. Pilichowski erzählt, dass er sich üblicherweise ein oder zweimal im Monat mit einem Portfoliomanager für zwei Stunden treffe.  Noch wichtiger sei indes, dass das Training auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten werde. Die jüngeren Mitarbeiter haben einen höheren Bedarf an einem Mentor, während die älteren Beschäftigten eher mit Beziehungsproblemen zu kämpfen hätten. Andere benötigen wiederum psychologische Beratung, um ihr Verhalten zu verändern.

Wie andere Coachs helfen können

Ein Problem sei das übertriebene männliche Selbstverständnis in der Branche, meint ein Trading Coach, der lieber ungenannt bleiben möchte.

„Wenn ein Trader mir erzählt, er habe einen schlechten Tag hinter sich, dann versuche ich zunächst einmal herauszufinden, ob sein Baby ihn vielleicht um 2 Uhr nachts aus dem Schlaf gerissen hat“, sagt er. „Ihr Management ist für so etwas noch nicht empfänglich. Ich denke, ich muss mir mehr Mühe geben, eben diese zu überzeugen. Ich kämpfe gewissermaßen gegen das männliche Ego.“

Denise Shull arbeitet als Beraterin bei ReThink Group und hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Market Mind Games. A Radical Psychology of Investing, Trading and Risk.“ Shull greift bei ihrer Arbeit mit Hedgefonds-Managern auf eine Kombination aus Sportpsychologie, Behavioural Finance und psychodynamischen Analysten zurück, die sich auch die unbewussten Gedanken und Gefühle anschaut.

„Sobald ein Portfolio Manager und oder Trader versteht, dass etwas jenseits von fundamentaler oder technischer Analyse seine Entscheidungen beeinflusst, verfügt er über einen breiteren Datensatz, mit denen sein Gehirn arbeiten kann“, erzählt Shull. „Dadurch kann er echtes Selbstvertrauen von bloßen Impulsen und Trieben unterscheiden. Das kann die Performance schon dramatisch verbessern.“

Shull beschäftigt sich ebenfalls mit dem Phänomen der „Entscheidungsmüdigkeit“. Auch der Geist ermüde und könne in einer gewissen Zeit nur eine begrenzte Zahl guter Entscheidungen fällen. Sportliche Betätigung oder auch ein Mittagsschläfchen könnten hier schon weiterhelfen.

Darüber hinaus gibt es noch Techniken, die von Finanzprofis oft mit Argwohn betrachtet werden. Dazu zählen Meditation und Aufmerksamkeitstraining. Allerdings schwört Ray Dalio, der Gründer des Hedgefonds Bridgwater Associates auf „transzendentale Meditation“, um die Performance seiner Investments zu verbessern. Die Meditation fördere Ausgeglichenheit, Konzentration und Kreativität.

Das Aufmerksamkeitstraining wird wiederum den Angestellten von JPMorgan, Barclays, Citi und der Royal Bank of Scotland angeboten. Dennoch konnte sich auch diese Technik in der Finanzbranche noch nicht durchsetzen.

„Es gibt einige Unternehmen in Großbritannien, die Finanzdienstleistern Aufmerksamkeitstraining anbieten und sie alle sind gut ausgelastet“, erzählt Flynn Levy. „Die große Mehrheit der Fondsmanager hat es noch nicht ausprobiert, doch in einem stillen Moment würden die meisten zugeben, dass sie daran interessiert sind.“

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