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INTERVIEW mit KPMG-Partner Klaus Ott zum Boom im Beratungsgeschäft

Klaus Ott, Partner bei KPMG in Frankfurt

Klaus Ott, Partner bei KPMG in Frankfurt

Klaus Ott ist Partner im Geschäftsbereich Consulting Financial Services von KPMG in Frankfurt. In einem Interview erläutert der studierte Wirtschaftsingenieur, wie sich das Beratungsgeschäft mit Finanzdienstleistern entwickelt und welche Karrierechancen sich hier bieten.

Die zunehmende Regulierung führt zu einem immensen Beratungsbedarf bei Finanzdienstleistern. Wie profitiert KPMG von dem Boom?

Sicherlich geht es bei uns um Regulierung. Infolge der Finanzmarktkrise wird der Regulierungsrahmen von der Politik immer enger gezogen. Darin befindet sich aber eine Vielfalt von Dingen: Wir müssen z.B. die Restrukturierungs- und Abwicklungspläne zumindest für die systemrelevanten Banken erarbeiten. Viele Institute überarbeiten ihre IT-Systeme, wobei auch Regulierungsanforderungen berücksichtigt werden müssen. Das gleiche gilt für die Entwicklung von Risikomodellen und die effizientere Gestaltung von Prozessen. Wenn Sie etwas bei Finanzdienstleistern anfassen, dann ist Regulierung immer mit von der Partie.

Wie hat sich denn bei Ihnen seit der Krise das Geschäft entwickelt?

Die Geschäftsentwicklung sieht sehr gut aus. Personell haben wir uns seit 2008 fast verdoppelt und sind jetzt etwa 450 Mitarbeitern im Bereich Consulting Financial Services.

Wie hat sich das Beratungsgeschäft innerhalb des Finanzsektors seit der Krise gewandelt?

Die Art des Consultinggeschäfts hat sich stark verändert. Auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise waren es oftmals Feuerwehraktionen. Jetzt herrscht zwar auch immer noch hoher Druck, aber das Vorgehen ist geplanter und konsistenter. Damals wurde noch sehr viel manuell bewältigt; heute überlegen Finanzdienstleister sehr genau, wie sie ihre Prozesse effizienter gestalten können. Das Schlagwort heißt: Cost of Compliance.

Von Banken wird immer wieder kritisiert, dass die Regulierung die Kosten hochtreibe und gleichzeitig auf die Erträge und Profite drücke.

Das ist so, wie eine KPMG-Umfrage unter Banken zu den Kosten der Regulierung gezeigt hat. Mittelfristig müssen die Banken wieder Geld verdienen. Das hat zur Folge, dass die Banken ihre Geschäftsmodelle überdenken: Was lohnt sich noch und was lohnt sich nicht mehr? Bei diesen Überlegungen spielen die regulatorischen Anforderungen logischerweise eine Rolle.

Es gibt ein ganzes Feuerwerk an unterschiedlichen Regulierungen. Viele Finanzdienstleister kritisieren, dass vieles wenig koordiniert sei. Wie sehen Sie das?

Vor zwei, drei Jahren war das sicherlich noch chaotischer, weil einfach viele nationale Regulatoren zur Sicherung der eigenen Finanzdienstleister vorgeprescht sind. Mittlerweile zeichnet sich ein strukturierteres System in Europa ab. Das wird durch die neu geschaffenen europäischen Regulierungsinstitutionen getrieben. Für die Banken ist dabei vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) zuständig. Diese Strukturen befinden sich noch in der Aufbauphase. Aber man wird sehr schnell merken, wie sich das System top-down strukturieren wird und sich eine konsistente Struktur ergibt.

Basel III lag ursprünglich der Gedanke zu Grunde, einen weltweit einheitlichen Rahmen zu schaffen. Das hat nicht so geklappt, wie es sich die Politiker vorgestellt haben. Man sieht daher eher „Inseln“. So gibt es eine europäische Regulierungs-Insel,  eine US-Insel  und in Asien zeichnet sich ebenfalls eine gewisse Vereinheitlichung ab. Dass sich die drei Inseln aufeinander abstimmen, wird noch ein wenig dauern.

Immer wieder hört man, dass in den USA alles ein wenig lockerer gehandhabt werde – namentlich bei den Boni.

Ich möchte gar nicht kommentieren, ob das lockerer oder strenger ist. Es gibt einfach Unterschiede und in dem Moment, wo es Unterschiede gibt, gibt es immer irgendjemanden, der versucht über Arbitrage daraus ein Geschäft zu machen. Die politische Grundidee war ursprünglich, die Möglichkeiten einer Arbitrage einzuschränken. Und das funktioniert zwischen diesen Inseln nicht so wie erhofft. Gleich ob es um Vergütungsregelungen, Derivate, Verbriefungen oder die Bilanzierung von Handelsaktiva geht: Mal ist der eine strenger, mal der andere.

Wird der Boom im Consultinggeschäft mit Finanzdienstleistern weitergehen oder ist da langsam eine Grenze erreicht?

Die Einstellungsquote befindet sich immer noch konstant auf hohem Niveau. Wir suchen weiter motivierte Mitarbeiter – und zwar in allen Bereichen. Ändern wird sich womöglich das gesuchte Skill Set.

Was meinen Sie damit?

Wenn sich das Skill Set verändert, dann hat das weniger mit dem Markt zu tun als mit unserer Aufstellung als KPMG. Wir treiben unsere strategische Ausweitung  voran. KPMG kommt traditionell aus der Wirtschaftsprüfung. Wir möchten aber die Wertschöpfungskette stärker besetzen. Wir wollen stärker in die strategische Ausrichtung und Entwicklung von Geschäftsmodellen gehen aber auch in die technische Umsetzung und die IT-Strukturen. Daher suchen wir inzwischen mehr Mitarbeiter, die sich in Strategie- oder IT-Themen auskennen.

Welche Voraussetzungen müssen Einsteiger für eine Karriere bei KPMG mitbringen?

Wir suchen relativ breit gefächert. Ein Klassiker stellt natürlich die Betriebswirtschaftslehre dar, besonders mit Studienvertiefungen wie internationale Rechnungslegung, Risiko- oder Prozessmanagement. Da suchen wir in der Wirtschaftsprüfung traditionell stark. Im Consulting spielen zudem erfahrene Risikomanager eine besondere Rolle. Aus diesem Grund haben wir im August 2013 die Professionals Lounge initiiert – unser Recruitingportal für Kandidaten mit Berufserfahrung.

Risikomanager haben doch häufig einen eher mathematisch-naturwissenschaftlichen Background?

Wir haben tatsächlich viele Physiker, Wirtschaftsmathematiker, reine Mathematiker, Wirtschaftsingenieure oder Volkswirte mit Statistikschwerpunkt. Etwa 10 bis 15 Prozent unserer Mitarbeiter kommen aus dieser Richtung. Wir beschäftigen aber auch Wirtschaftsjuristen und Voll-Juristen für die Regulatorikseite.

Welche Noten, Sprachkenntnisse und Praktika muss ein Kandidat mitbringen?

Ein Bewerber sollte schon einen guten Studienabschluss vorweisen können. Einschlägige Praktika sind immer hilfreich. Einschlägig bedeutet, dass es in den Branchen erfolgt sein sollte, die wir beraten – also bei Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften oder auch bei einer Beratung in diesem Industriesegment. Die Branchenerfahrung ist sehr, sehr gesucht und ehrlich gesagt: Wenn jemand mehrere Fachpraktika oder eine Lehre zum Bank- oder Versicherungskaufmann mitbringt, dann würde dies im Zweifelsfall sogar ein paar Zehntelpunkte im Notendurchschnitt kompensieren. Was nützt das schönste Examen, wenn der Kandidat vollkommen fachfremd ist?

Wie sieht das bei Sprachen und Auslandsaufenthalten aus?

Wir brauchen einfach Englisch, nicht weil wir auch im Ausland tätig sind, sondern weil die interne Dokumentation bei Banken auch im Inland häufig auf Englisch erfolgt.

Genauso muss man sagen, dass fundierte Deutschkenntnisse, einschließlich Schriftdeutsch, bei uns unerlässlich sind. In bestimmten Marktsegmenten verläuft die Vorstandspräsentation vielleicht noch auf Englisch, aber das Projekt selbst läuft auf Deutsch. Landesbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken – da kommen Sie mit Englisch allein nicht weiter.

Ich habe schon öfter gehört, dass in Deutschland eine Karriere ohne Deutschkenntnisse kaum möglich ist.

Ganz ehrlich, das ist so gut wie unmöglich. Nur bei ganz wenigen Banken und Versicherungen können Sie eine Karriere vielleicht vollständig auf Englisch aufbauen. Möglicherweise gelingt dies noch am ehesten in handelsnahen Bereichen.

Wie sieht ein Karriereweg bei KPMG aus?

Nach einem Bachelor oder Master Studium können Sie als Associate einsteigen. Anschließend folgen die Karrierestufen Senior Associate, Assistant Manager, Manager, Senior Manager und dann Director oder Partner. Wenn Sie gut sind und sich anstrengen, dann können Sie die ganze Leiter in sechs bis sieben Jahren durchlaufen. Normalerweise dauert es sicher etwas länger. Für besonders gute Leute gibt es auch die Sprungbeförderung – dabei überspringt man  eine Stufe. Promovierte Kandidaten beginnen übrigens als Senior Associate.

Oft wird an den Big Four kritisiert, dass die Personalfluktuation mit 20 Prozent recht hoch ausfällt. Wie sieht dies bei Ihnen aus?

Unsere liegt – je nach Bereich – zwischen 10 und 15 Prozent. Die Fluktuation hat zum großen Teil damit zu tun, dass qualifizierte Wirtschaftsprüfer und Berater mit ihrer Fach- und Branchenqualifikation nicht nur bei KPMG sehr attraktive Karriereoptionen haben, sondern auch immer wieder von großen Konzernen abgeworben werden.  Das ist auch völlig in Ordnung. Man muss dabei auch sicherlich innerhalb der Firma differenzieren:  Es stellt schon einen Unterschied dar, ob Sie sich in der Beratung oder im Prüfungs- und Steuerbereich bewegen. In diesen beiden Bereichen ist das Bestehen von Fachexamina zum Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Beförderungen. So mancher überlegt sich, wenn er bei einer solchen Fachprüfung durchgefallen ist oder auch schon früher, ob er nicht lieber in die Industrie wechselt.

Ich hatte eher daran gedacht, dass einige Mitarbeiter nach ein paar Jahren bei KPMG z.B. zu einer Bank wechseln.

In der Tat profitieren andere Unternehmen in gewisser Weise von uns als  „Ausbildungsbetrieb“, indem sie unsere Mitarbeiter mit zwei, drei Jahren Berufserfahrung gezielt ansprechen. Das stellt aber auch einen gewissen gesunden Austausch sicher.

Die EZB ist dabei eine zentrale Bankenaufsicht mit 1000 Mitarbeitern in Frankfurt aufzubauen. Bekommen Sie die Abwerbung auch zu spüren?

Noch nicht. Bislang hat die EZB hauptsächlich Management-Positionen besetzt. Wenn diese wirklich die Masse des Personals anheuern, lässt sich das aber nicht ausschließen.  Aber auch KPMG bietet sehr attraktive Konditionen, insofern sind wir hier im Wettbewerb um die besten Köpfe gut aufgestellt.

Wie sehen die Verdienstspannen aus, wenn man nach der Uni im Bereich Financial Services Consulting von KPMG einsteigt?

Die Vergütung beruht auf einem branchenüblichen Festgehalt, das von Abschlussart, Studiengängen, Praktika und einigem mehr abhängt. Der variable Teil besteht aus zwei Komponenten: Die erste stellt ein  Überstundenvergütungsmodell dar; die zweite Komponente besteht aus einem Qualitätsbonus, der sich aus der Leistungsbeurteilung herleitet.

Kann man bei Ihnen auch Praktika absolvieren?

Auf jeden Fall – allerdings während und nicht vor dem Studium. Mitbringen muss man gute Noten und einschlägige Fachrichtungen,  soweit man das schon sagen kann. Generell gilt: Je besser man aus Praktika und Studienschwerpunkten erkennen kann, wo die Reise hingehen soll, umso besser können wir die Leute einordnen. Wenn ein Kandidat  sehr breit aufgestellt ist und man keine Vertiefung erkennen kann, dann fällt es einem Arbeitgeber ungeheuer schwer, den Kandidaten einzuordnen. Eine allgemeine Stoßrichtung sollte schon erkennbar sein.

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