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Das Karrierekarussell: Wie der Personalaustausch zwischen Big 4 und Investmenbanken funktioniert

Foto: Thinkstock

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Die Grenzen zwischen den Big 4 und den Investmentbanken werden immer unschärfer – zumindest was Transaction bzw. Debt Advisory und M&A betrifft. Nachdem die Investmentbanken schon seit einiger Zeit bei den Big 4 wildern, um die gelichteten Reihen ihrer M&A-Teams zu füllen, drehen jetzt PwC, EY, PwC und Deloitte zunehmend den Spieß um. Die Big 4 werben ihrerseits Senior M&A- und Debt Advisory-Personal von den Investmenbanken ab. So funktioniert das muntere Karrierekarussell:

Vom Investmentbanking zu den Big 4…

Vor einiger Zeit wechselte Astrid Mayerhöfer von Leonardo & Co, wo sie immerhin COO war, zu PwC. Schon vorher ging Thomas Dorbert von Mediobanca und Dresdner Kleinwort als Leiter Debt Advisory zu KPMG. Weiter wechselte Florian Frei, ehemals Executive Director bei der UBS, ebenfalls zu KPMG – um nur einige Fälle zu nennen.

„Die Big 4 wollen mit Senior Investmentbankern ihr Standing verbessern“, sagt Headhunter Dirk Albütz von Fibance in Frankfurt. Gegenüber dem Kunden mache es einen guten Eindruck, wenn die M&A-Aktivitäten von ehemaligen Mitarbeitern einer renommierten Investmentbank geleitet würden.

Auch bei der Bezahlung würden die Big 4 für einschlägige Positionen mittlerweile tiefer in die Tasche greifen. „Die Vergütungs-Packages sind durchaus ansprechend“, beobachtet Albütz. Selbst Garantieboni seien bei den Big 4 kein Ding der Unmöglichkeit.

Laut Albütz beziehe ein Managing Director (MD) im Investmentbanking in Frankfurt normalerweise im Durchschnitt zwischen 180.000 und 250.000 Euro Basisgehalt. Wenn es gut läuft, könne ein MD mit den Boni auf bis zu 600.000 oder 800.000 Euro im Jahr kommen. Während die Big 4 mittlerweile für einschlägige Profile ähnliche Grundgehälter wie die Investmentbanken zahlten, fielen die Boni bescheidener aus. „Vor einigen Jahren war die gute Bezahlung noch nicht der Fall. Damals haben die Big 4 vor allem mit besseren Arbeitszeiten geworben“, erinnert sich Albütz.

Bei den Arbeitszeiten stellen die Big 4 allerdings nicht das gelobte Land dar. „Die Face-Time ist wohl kürzer als bei den Investmentbanken, dennoch wird auch dort gelegentlich ein Wochenende durchgearbeitet“, sagt der Experte.

Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt berichtet, dass besonders Investmentbanker für einen Wechsel zu den Big 4 offen seien, denen z.B. der Schritt vom Director zum MD nicht gelungen sei. Häufig komme es auch vor, dass MDs von Investmentbanken zu den Big 4 wechselten, weil sie sich dort eine bessere Work-Life-Balance erhoffen.

… und von den Big 4 ins Investmentbanking

Bei den jüngeren Mitarbeitern geht die Reise auf dem Karussell in die entgegengesetzte Richtung. „Klassischerweise werben die Investmentbanken gerne Mitarbeiter von den Big 4 auf dem Senior Analyst- und Associate-Level ab, die zwei bis vier Jahre Berufserfahrung mitbringen“, erläutert Tamm. Die Banken würden sich aber ganz genau anschauen, in welchem Team der Kandidat gearbeitet hat und an welchen Transaktionen er tatsächlich beteiligt war. „Die Banken vergleichen die Transaktionen sehr kritisch mit ihrer Peer-Group, also ihren eigenen Teams.“

Oft würde allerdings die Berufserfahrung von Big 4-Mitarbeitern nicht vollständig anerkannt. „Die müssen häufig in den sauren Apfel beißen und auf die Anerkennung von einem Jahr Berufserfahrung verzichten“, sagt Tamm. „Dennoch ist der Schritt für viele Kandidaten sehr interessant.“

Bei der Ausbildung indes verfolgen Big 4 und Investmentbanken unterschiedliche Philosophien. Laut Albütz seien jüngere Big 4-Mitarbeiter bei der Modellierung oft versierter sprich gründlicher als ihre Kollegen aus dem Investmentbanking. „Sie sind aber auch spezialisierter, da sie meist den gesamten Prozessablauf vom Signing bis zum Closing nicht miterlebt haben“, sagt Albütz. Doch diese Erfahrung könnten sie bei den Investmentbanken nachholen. Es handle sich gewissermaßen um ein „operatives Nachlernen.“

Gelegentlich dreht sich dar Karrussell auch vollständig. So ist Astrid Mayerhöfer beipielsweise nicht nur im Frühjahr von Leonardo & Co zu PwC gewechselt. Vielmehr hat die Finanzexpertin ihre Karriere vor ihrem Ausflug ins Investmentbanking auch dort begonnen.

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