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Im Dienste des ganz großen Geldes: Was Kandidaten für einen Job bei einem Staatsfonds mitbringen müssen

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Staatsfonds stellen so etwas wie die Königsklasse des Asset Managements dar. Dort lässt sich ein rasanter Wandel in den Recruitmentstrategien beobachten. Die Zeiten, als von Staatsfonds aus dem Mittleren Osten massenweise Personal aus dem Westen angeheuer wurde, sind passé.

Dennoch wachsen die Staatsfonds auch weiterhin. So verdoppelt der staatliche Pensionsfonds Norwegens die Zahl seiner Aktienexperten. Auch der Staatsfonds Singapurs (GIC) und die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) stärken ihre Inhouse-Expertise.

Doch um bei einer der noblen Adressen einen Fuß in die Tür zu bekommen, müssen Kandidaten eine Reihe von Kriterien erfüllen. Wir haben mit den Personalabteilungen großer Staatsfonds sowie mit einschlägigen Headhuntern darüber gesprochen, welche Attribute ein Bewerber mitbringen muss.

1. Loyalität und Beständigkeit sind Trumpf

Was Lücken im Lebenslauf und reichlich kurze Stationen bei einem Arbeitgeber betrifft, sind die Recruiter heute toleranter als in der Vergangenheit. Denn während der Finanzkrise haben auch sehr gute Leute ihren Job verloren. Dennoch legen Staatsfonds großen Wert auf einen roten Faden im Lebenslauf und auf Loyalität zu ihren Arbeitgebern, betont Headhunter James Wakefield von Cobalt Abu Dhabi. „Wenn Sie in den vergangenen fünf Jahren zwei oder drei Jobs hatten, dann können Sie es vergessen, für einen Staatsfonds zu arbeiten“, sagt Wakefield.

2. NachweisbareErfahrung

Deal-Da die Einstellungspraxis immer spezifischer wird, erwarten die Staatsfonds, dass Kandidaten selbst für Nischenpositionen einschlägige Berufserfahrung mitbringen. „Wenn sie nach einem Investmentspezialisten für europäische Windparks suchen, dann müssen Sie hier schon Geschäfte getätigt haben.“ So hat z.B. ADIA in 2013 in neue Mitarbeiter in Europa investiert, wie aus einer Studie des „Sovereign Wealth Fund Institute“ hervorgeht. Dadurch konnte AIDA mehr Geschäfte abwickeln und seine Beteiligung an Börsengängen ausweiten.

3. Große Namen sind gefragt

Schon die Eingangshürde ist hoch. So müssen Kandidaten einen Abschluss einer international renommierten Universität mitbringen. Darüber hinaus wird Berufserfahrung bei einer Großbank oder einer großen Private Equity-Gesellschaft möglichst in New York oder London verlangt. „Wir suchen nach Berufserfahrung von Großbanken in entwickelten westlichen Finanzzentren“, erzählt ein HR-Mitarbeiter eines großen Staatsfonds aus dem Mittleren Osten.

Dies gilt für große und kleine Staatsfonds gleichermaßen. So hat der neue nigerianische Staatsfonds mit Uche Orji, einen ehemaligen Managing Director der UBS in New York, als Chef verpflichtet. Ebenfalls legen sämtliche Staatsfonds großen Wert auf einschlägige Qualifikationen. So müssen z.B. sämtliche jüngeren Mitarbeiter bei ADIA einen CFA absolvieren.

4. Achtung von Autoritäten

Wenn Sie bei einem Staatsfonds im Mittleren Osten anfangen, dann stehen die Chancen gut, dass es sich bei Ihrem Chef um ein Mitglied der Herrscherfamilie handelt. So ist niemand geringeres als Scheich Hamed bin Zayed Al Nahyan ADIA-Chef. Daher dürfen die Mitarbeiter nicht allzu selbstbewusst auftreten. Auch wenn in Staatsfonds eine sehr internationale Atmosphäre herrscht, handelt es sich doch bei den meisten Beschäftigten in den Vereinigten Arabischen Emiraten um Emiratis. Auch der Staatsfonds von Singapur heuert immer häufiger Landsleute an.

Oft ist es üblich, dass die einheimischen Arbeitskräfte schneller befördert werden und die ausländischen Angestellten ein wenig als Söldner betrachtet werden. Wer allerdings bei einem solchen Staatsfonds anfängt, muss sich mit diesen Gegebenheiten arrangieren.

5. Kandidaten müssen mit geringerer Verantwortung zurechtkommen

Staatsfonds wollen keine Stars. Dies scheint geradezu einen Widerspruch zur bevorzugten Anheuerung von Mitarbeitern der renommierten Groß- und Investmentbanken darzustellen. Denn gerade dort erreicht das Ego vieler Führungskräfte ungeahnte Dimensionen. Allerdings heißt dies auch, dass niemand vorschnell für die Unterperformance des Staatsfonds seinen Kopf hinhalten muss. Mit diesem Kulturunterschied müssen viele Leute erst zurechtkommen. Laut einer Studie von NMG Consulting aus dem vergangenen Jahr kämpfen einige Staatfonds damit, Personal in den Bereichen Risikomanagement, Asset Allocation, Investmentstrategie und internes Asset Management an sich zu binden.

6. Eine kosmopolitische Einstellung

Wer schon einmal in London oder New York gearbeitet hat, der ist an die Zusammenarbeit mit Kollegen aus allen erdenklichen Ländern gewohnt. Dennoch handelt es sich bei Staatsfonds um wahre „Melting Pots“. So arbeiten allein 30 verschiedene Nationalitäten beim Singapurer Staatsfonds GIC und 40 für ADIA. Daher ist die Fähigkeit, in fremde Kulturen einzutauchen, von entscheidender Bedeutung.

„Die Angestellten von ADIA sind normalerweise sehr tolerant und verfügen über eine internationale Perspektive und sie sind daran gewohnt, in einem multikulturellen Umfeld zu arbeiten“, betont ADIA-Recruitment-Chef Robin Prince.

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