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IFRS: Jobwelle per Gesetz – Teil 2

Der Wechsel der Jahresabschlüsse von HGB und US-GAAP hin zu den internationalen Standards der IFRS bringen Tausende Jobs, insbesondere in den Prüfungsgesellschaften, die mit Dienstleistungen rund um IFRS profitieren.

Wenn es um IFRS-Expertise geht, stehen die großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften Gewehr bei Fuß. Hier wurden die Mitarbeiter frühzeitig geschult und dank internationaler Netzwerke haben diese Gesellschaften ihr Ohr am Puls der IFRS-Zeit.

Nach der Branchenkrise, hervorgerufen durch diverse Skandale an den weltweiten Kapitalmärkten und verstärkt durch die schwache Konjunkturentwicklung insbesondere in Deutschland, schnuppern die Branchenführer PricewaterhouseCoopers (PWC), KPMG, Ernst & Young sowie Deloitte & Touche seit Ende 2003 wieder Morgenluft. Nach einem stabilen letzte Geschäftsjahr wollen die Wirtschaftsprüfungskonzerne im laufenden Jahr wieder wachsen – und das teilweise deutlich. Großer Wachstumsträger der Gesellschaften: IFRS.

Abbild der gesamten Branche: Die PwC Deutsche Revision AG, der deutsche Arm von PricewaterhouseCoopers und Branchenprimus im deutschen Prüfungs- und Beratungsgeschäft, erwirtschaftete im Fiskaljahr 2003/2004, das am 30. Juni vergangenen Jahres ablief, eine Gesamtleistung von 1,04 Milliarden Euro. Dies entspricht um Unternehmensverkäufe bereinigt in etwa dem Wert des Vorjahres. Für das laufende Geschäftsjahr jedoch zeigt sich Vorstandssprecher Hans Wagener, der bereits diese Stabilisierung als großen Erfolg bewertet, richtig optimistisch: “In den ersten Monaten erkennen wir bei der Gesamtleistung einen spürbaren Aufwärtstrend.”

“2004 war ein gutes Jahr für KPMG”

Auch die Nummer zwei auf dem deutschen Wirtschaftsprüfungsmarkt war mit dem am 30. September abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 zufrieden. “2004 war ein gutes Jahr für KPMG”, so Prof. Dr. Harald Wiedmann, Sprecher des Vorstands von KPMG Deutschland. Die Berliner Deutschlandtochter des international agierenden KPMG-Konzerns erzielte im Fiskaljahr einen Umsatz von rund 950 Millionen Euro, was einer Steigerung um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch bei KPMG rechnet man für das laufende Geschäftsjahr 2005 mit einer weiteren deutlichen Steigerung des Umsatzes. “Die ersten Monate geben unseren hohen Erwartungen Auftrieb”, so Wiedmann. “Spezialisierte Beratungsprojekte wie die Umstellung auf International Financial Reporting Standards (IFRS) oder die Beurteilung von internen Kontrollsystemen in Unternehmen gemäß Sarbanes-Oxley Act werden auch im neuen Geschäftsjahr in erfreulichem Maße zum Umsatz beitragen”, ist Wiedmann überzeugt.

Ernst & Young, Nummer drei auf dem deutschen Markt, schloss das am 30. Juni 2004 abgelaufene Fiskaljahr 2003/2004 mit Umsätzen in Höhe von 863 Millionen Euro ab. Damit stabilisierte sich das Unternehmen nach zuvor fallenden Umsätzen erstmals wieder. Das laufende Geschäftsjahr startete vielversprechend. Ernst & Young-Vorstandssprecher Herbert Müller berichtet: “Das Geschäft hat deutlich angezogen. In den ersten vier Monaten ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bereits um rund zehn Prozent gestiegen”. Für das Gesamtjahr rechnet Müller mit einem Umsatzwachstum in ähnlicher Größenordnung.

Nicht anders zeigt sich das Bild auch bei der vierten Prüfungsgesellschaft im Bunde, Deloitte & Touche. Während die gesamten Bruttoumsatzerlöse des Geschäftsjahres 2003/2004 mit 462 Mio. Euro etwa auf dem Niveau des Vorjahres lagen, legte der Prüfungsbereich bereits um 6 Prozent zu. Trotz der noch immer schwachen konjunkturellen Lage rechnet Deloitte für das laufende Geschäftsjahr ebenfalls mit einem positiven Wachstum. Der bisherige Verlauf des Geschäftsjahres 2004/05 zeigt den Angaben zufolge insbesondere in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung eine erfreuliche Tendenz. Der Grund dafür ist auch hier schnell gefunden: IFRS-Umstellungen beleben das Geschäft.

Neueinstellungen zu Tausenden

Das Wachstum in den Wirtschaftsprüfungsbereichen der “Großen Vier” bildet die Grundlage für einen kleinen Boom, der sich am Arbeitsmarkt für Wirtschaftsprüfer abzeichnet. Nach der Verschlankung der Strukturen, die in den vergangenen Jahren die Maxime für die großen Prüfungsgesellschaften war, sorgt die Nachfrage nach Dienstleistungen rund um die Umstellung auf IFRS nun für eine wahre Einstellungswelle, die Tausende neuer Jobs in der Prüfungs- und Beratungsbranche mit sich bringt.

Branchenprimus PricewaterhouseCoopers plant die Einstellungen von 700 neuen Fachmitarbeitern, nachdem bereits im vergangenen Jahr einige Hundert neue Prüfungs- und Beratungskräfte eingestellt wurden. Dem gegenüber standen 200 Entlassungen in den Verwaltungsbereichen. KPMG will den großen Konkurrenten bei den Neueinstellungen sogar noch überholen. KPMG Deutschland-Chef Wiedmann “In diesem Jahr wollen wir in Deutschland rund 1.000 neue fachliche Mitarbeiter einstellen.” Seit Anfang Februar läuft eine Personalmarketingkampagne der Berliner, mit der die Gesellschaft gezielt gut ausgebildete und hoch motivierte junge Leute ansprechen will.

Die deutsche Ernst & Young-Gruppe, die im letzten Jahr noch einen deutlichen Personalabbau zu verzeichnen hatte, kündigte verstärkte Neueinstellungen für das laufende Jahr an. Deloitte meldete bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr Neueinstellungen in größerem Stil und will diese Personalpolitik beibehalten. “Trotz des schwierigen Marktumfelds stellten wir im vergangenen Jahr 400 neue Mitarbeiter ein und planen auch im neuen Geschäftsjahr mit der gleichen Größenordnung.” erklärt Prof. Wolfgang Grewe, Senior Partner von Deloitte Deutschland.

Von diesen Neueinstellungen entfallen im Schnitt etwa 40 Prozent auf das Kerngeschäft Wirtschaftsprüfung, 30 Prozent auf die Steuerberatung. Die verbleibenden 20 Prozent teilen sich die prüfungsnahe Beratung im Rechnungswesen und die Transaktionsberatung von potenziellen Börsenkandidaten.

IFRS-Trend hält an

Zunächst sind in Deutschland rund 1.000 kapitalmarktorientierte Unternehmen von der “Zwangsumstellung” betroffen, die 2005 erstmals die neuen Vorschriften anwenden müssen. Und mit der Umstellung der Rechnungslegung dieser Unternehmen in diesem Jahr wird noch lange nicht Schluss sein. Einige Unternehmen und Konzerne haben eine Übergangsfrist bis 2007. So wird hier in den kommenden Jahren weiterer Beratungs- und Schulungsbedarf entstehen.

Doch letztendlich werden wohl deutlich mehr Unternehmen nach IFRS bilanzieren. Eigentümerorientierte Firmen vom Handwerksbetrieb bis zum Mittelständler können freiwillig ihre Konzernabschlüsse nach IFRS aufstellen. Es ist zu beobachten, dass vor allem mittelständische Unternehmen diese Möglichkeit nutzen. Dieser Trend wird sich in Zukunft verstärken. Hierfür spricht, dass die Geschäftspartner, allen voran die Banken als Kreditgeber, einen IFRS-Abschluss in Zukunft als transparenten Abschluss bevorzugen werden. “Das gilt für Mittelständler, die Kredite benötigen, Investoren suchen oder mit internationalen Konzernen zusammenarbeiten”, sagt Rémi Redley, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Banken und auch Ratingagenturen werden seiner Ansicht nach aus Gründen der Vergleichbarkeit langfristig nur noch IFRS akzeptieren. “Der Druck auf sie wird steigen”, beschreibt Redley die Situation der Mittelständler.

Thomas Dräger von PwC beobachtet in seiner Klientel, dass sich die Mittelständler bisher noch zurückhalten, das Thema jedoch aktiv verfolgen. “In unseren IFRS-Veranstaltungen und -Schulungen registrieren wir eine sehr gute Resonanz auch von Mittelständlern, die durchaus an der Materie interessiert sind.” Bislang haben seinen Beobachtungen zufolge noch nicht sehr viele Unternehmen freiwillig auf IFRS umgestellt. “Im Augenblick wägen viele Unternehmen noch Nachteile – sprich Kosten – gegen eventuell für sie entstehende Vorteile ab.” Der Druck von Seiten der Kreditinstitute ist in seinen Augen derzeit noch nicht so groß, doch auch er erwartet für die kommenden Jahre eine große Anzahl von Umstellungen: “In zwei, drei Jahren werden auch die bislang nicht betroffenen Unternehmen in Deutschland nicht mehr an IFRS vorbeikommen.”

Auch die neueren Bestrebungen des IASB nach einer Differenzierung der IFRS im Hinblick auf eigene Regeln für kleine und mittlere Unternehmen werden in Zukunft dazu beitragen, dass mehr und mehr Unternehmen die Dienstleistungen der Wirtschaftsprüfungsunternehmen und ihrer Berater in Anspruch nehmen werden.

Kurzfristige Welle oder Langrist-Trend?

Mit der Erstellung von testatfähigen Abschlüssen nach IFRS in den betroffenen Unternehmen wird die Arbeit der Wirtschaftsprüfer noch nicht getan sein. Die Rechnungslegungsvorschriften werden weiterhin verändert und angepasst werden, was konstant weiteren Schulungsbedarf hervorrufen wird.

Und nach der Einführungsphase wird die Optimierung der Systeme und Prozesse im Hinblick auf IFRS angegangen werden. Hier offenbart sich in der Praxis noch das ein oder andere Problem: Die Abschlusserstellung dauert zumeist noch sehr lange, was offenbart, dass die Prozesse des IFRS-Abschlüsse noch lange nicht effizient und sicher sind. “Der Analyse, welche Daten für IFRS-Zwecke bisher noch nicht erfasst wurden und welche Systeme und Prozesse hierfür noch implementiert werden müssen, werden viele Unternehmen hohe Priorität einräumen müssen”, bestätigt Jochen Pape, Vorstandsmitglied und Leiter der International Reporting Group von PwC in Deutschland.

Es steht also nicht zu befürchten, dass sich nach einem kurzen Aufschwung die Zahl der arbeitssuchenden Prüfer wieder erhöhen wird. “Wir haben uns auf weiter steigenden Beratungs- und Prüfungsbedarf eingestellt”, spricht Thomas Dräger für Branchenprimus PwC. Zwar schließt er nicht aus, dass sich nach der derzeit mitunter hektischen Umstellungsphase noch eine kleine Delle in der Beschäftigung rund um IFRS ergeben könnte, doch langfristig sieht Dräger weiterhin exzellente Perspektiven für Hochschulabgänger mit IFRS-Expertise: “Ich persönlich glaube, das ist die Zukunft!”

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