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Welche Rolle Cliquenbildung für die Karriere im Investmentbanking spielt

Auch Chinese Walls verstärken die Cliquenbildung in Banken. (Foto: Getty Images)

Auch Chinese Walls verstärken die Cliquenbildung in Banken. (Foto: Getty Images)

Globale Investmentbanken versuchen Sie glauben zu machen, dass sämtliche Mitarbeiter die gleiche Melodie summen. Nach verbreiteter Meinung würden sämtliche Investmentbanker durch das gleiche Trainingsprogramm und die gleiche Botschaft von der gleichen Unternehmenskultur indoktriniert.

Doch laut einer neuen Studie scheint dies nicht zuzutreffen. Vielmehr spalten sich Investmentbanken in unterschiedliche Cliquen und Seilschaften auf, die durch Funktionen oder geographische Entfernung voneinander getrennt sind. Nach der Studie „Geographies and Knowledge Practices of Global Banks“ von Tim Heinemann von der HafenCity University in Hamburg  sind die Angestellten der Investmentbanken „in einen lokalen Kontext eingebettet, was ihr Verständnis von Daten und Informationen formt“. Daher können sich ihre „Investmentpraktiken und das Verhalten von Bereichen oder Abteilungen von einem Finanzzentrum zum anderen unterscheiden.“

Die Versuche, junge Investmentbanker rund um den Globus zu fliegen, damit sie sich gegenseitig kennlernen und Erfahrung, Expertise und Engagement austauschen und so zu einem einzigen Unternehmen verschmelzen, seien nur bedingt von Erfolg gekrönt. Vielmehr seien soziales und kulturelles Verhalten von ihrer „Einbettung“ in ein Finanzzentrum abhängig.

Noch irritierender für die großen Investmentbanken dürfte sein, dass der kulturelle Graben zwischen den einzelnen Bereichen immer breiter zu werden scheint. Schon aus Compliance-Gründen gebe es „Chinese Walls“ zwischen Front und Back Office. Nach der Studie würden diese „Chinese Walls“ die Ausprägung unterschiedlicher Kulturen nur noch begünstigen.

„Investmentbanker betrachten sich als eine Gruppe von hohem Status, besonders wegen ihres Marktverständnisses, was wiederum aus ihrer Nähe zu anderen Marktakteuren und ihrer Beeinflussung durch Marktgerüchte hervorgeht. Daher bilden Investmentbanker ein ausgeprägtes Netzwerk innerhalb einer Bank aus: Diese werden durch besondere soziale und kulturelle Einstellungen und Verhaltensweisen geprägt“, heißt es in der Studie weiter.

Mit anderen Worten: Investmentbanker hegen von sich selbst eine hohe Meinung – besonders im Vergleich zu den Kollegen aus anderen Abteilungen. Dies zeige sich auch an dem „niedrigen Status“, den sie den Risikomanagementteams in derselben Bank zumessen, so die Studie.

Die Cliquenbildung sei jedoch nicht auf das Beratungsgeschäft innerhalb des Investmentbankings beschränkt. So würden die Händler in den Banken oft von Volkswirten und Analysten mit Informationen versorgt, die sie oft als „wenig hilfreich für ihre Arbeit betrachten, weil sich die Marktpreise zu schnell bewegen oder nichts mit den wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu tun hätten.“

Stattdessen würden sich die Händler auf Informationen von ähnlichen Berufsfeldern und auf das Wissen ihrer Kollegen aus dem Handelssaal verlassen.

Doch welcher Schluss lässt sich hieraus für die eigene Karriere ziehen? Kandidaten sollten sich nicht allzu sehr auf die öffentlichen Kundgebungen der Unternehmenskulturen von Goldman Sachs, Deutscher Bank oder UBS verlassen, sondern sich zunächst einen Eindruck vom Team verschaffen. „Bei globalen Investmentbanken handelt es sich nicht um Monolithen, die nach einer inneren Ordnung ticken. Vielmehr bestehen sie aus verschiedenen Logiken, die aus beruflicher und räumlich getrennter Arbeit entstanden sind.“

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