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INTERVIEW mit Ernst & Young-Partner: Schärfere Regulierungen als Jobmotor für die Big 4

Daniel Mair

Daniel Mair ist gelernter Wirtschaftsprüfer und arbeitet als Partner bei Ernst & Young. Dort ist Mair in der Transaktionsberatung tätig und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Restrukturierungen. Überdies engagiert sich Mair in der Nachwuchsgewinnung für Ernst & Young.

eFC: Die Finanzkrise hat bei vielen Unternehmen – namentlich auch bei Banken – zu erheblichen Stelleneinbußen geführt. Man gewinnt den Eindruck, die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsbranche profitiert nur von der Situation. Denn durch die umfangreichen Umstrukturierungen entsteht ein immenser Beratungsbedarf. Wie sehen Sie das?

Daniel Mair: Das ist teilweise richtig. Zwar hat die Wirtschaftskrise auch im Wirtschaftsberatungsbereich zu einer Wachstumsdelle geführt. Ich denke mittel- und langfristig werden wir aber auch positive Folgen dieser Krise spüren. Sei es, dass wir künftig Aufgaben übernehmen, die heute bei Ratingagenturen liegen, die dann durch Wirtschaftsprüfungs-Tätigkeiten angereichert werden; sei es durch neue Regularien, die als Folge der Wirtschaftskrise Banken und anderen Unternehmen auferlegt werden.

eFC: Wie können die Regulierungsbestrebungen seitens der Politik zum Jobmotor für Ihre Branche werden? Können Sie das ein wenig ausführen?

Daniel Mair: Als 2001/2002 in Deutschland durch den Neuen Markt und in den USA durch die Affären um WorldCom und Enron viel Vertrauen in die Berichterstattung der Unternehmen verloren ging, wurde als Reaktion darauf der sogenannte Sarbanes-Oxley Act in Amerika eingeführt. Die stärkeren Kontrollen als Folge der Krise hat der Wirtschaftsprüfungsbranche damals ein kräftiges Wachstum beschert.

eFC: Als zweites Wachstumsfeld haben Sie eine mögliche Prüfung der Rating-Agenturen ins Spiel gebracht. Was stellen Sie sich dabei vor?

Daniel Mair: Ich denke, die Krise hat gezeigt, dass Rating-Agenturen eine Rolle am Kapitalmarkt spielen, die enorm wichtig ist. Es wurde eine Erwartungslücke deutlich: Investoren haben von einem Rating etwas anderes erwartet, als was in diesen Ratingprozessen tatsächlich durchgeführt wird.

eFC: Man könnte das auch schärfer formulieren: Vorgeworfen wird den Ratingagenturen ein Interessenkonflikt wie namentlich bei den Subprime-Papieren: Die Agenturen wollten die Gebühren für ein solches Rating kassieren und waren daher mit einer schlechten Einstufung zurückhaltend. Damit – so der Vorwurf – hätten sie einen wesentlichen Beitrag zu der Finanzkrise geleistet. Auch in der Griechenlandkrise sind die drei Agenturen wieder unter Beschuss geraten. Welche neuen Aufgaben könnten hier auf Ernst & Young und die restlichen Big 4 zukommen?

Daniel Mair: Obgleich auch bei den Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften das geprüfte Unternehmen die Rechnung bezahlt, haben diese Gesellschaften in der Vergangenheit bewiesen, dass sie zu 99,99 Prozent unabhängige Überprüfungen leisten könnten. Das könnte auch ein Modell für den Ratingbereich sein, wo letztlich eine Unabhängigkeit geschaffen werden muss.

eFC: Für die Jahresabschlüsse gibt es ein Fülle von gesetzlichen Vorschriften. Dagegen sind die Bonitätsnoten der Ratingagenturen eine Blackbox. Denn nach welchen Methoden diese zustande kommen, ist nicht wirklich transparent.

Daniel Mair: Ich gehe davon aus, dass diese Prozesse durch den Gesetzgeber künftig transparenter gemacht werden. Mit der Prüfung, ob diese Richtlinien eingehalten werden, könnte ein neues Geschäftsfeld für die Wirtschaftsprüfungs-Branche entstehen. Dann würden nicht nur die Jahresabschlüsse von Ratingagenturen geprüft, wie das schon heute der Fall ist, sondern auch die Prozesse, die zu den Rating-Ergebnissen führen. Durch die externe Prüfung könnte das Vertrauen in die Ratingagenturen zurückgewonnen werden.

eFC: Demnach sind die Zukunftsaussichten der Branche ganz gut?

Daniel Mair: Ich würde sie als sehr gut betrachten, da durch die Finanzkrise das Bewusstsein für die Risiken gestiegen ist und viele unserer Dienstleistungen darin bestehen, Risiken zu managen.

eFC: Doch wo gewinnen Sie das Personal, um dieses Chancenpotenzial zu heben? Dazu gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder man stellt berufserfahrene Leute ein oder man rekrutiert Nachwuchs direkt von den Unis. Wie ist das Verhältnis zwischen beiden Wegen bei Ernst & Young?

Daniel Mair: In den klassischen Bereichen der Wirtschaftsprüfung und -beratung erfolgt der überwiegende Anteil der Einstellungen direkt von der Universität. Doch auch für Leute mit Berufserfahrung gibt es bei uns sehr gute Einstiegsmöglichkeiten in allen Bereichen.

eFC: Was muss ein Student mitbringen, um bei Ernst & Young genommen zu werden.

Daniel Mair Gute Noten aus dem Studium sind ein Bestandteil. Ein Kandidat muss auch einen vielfältigeren Hintergrund haben als nur gute Noten: er sollte Engagement sowie die Fähigkeit zur Teamarbeit mitbringen und authentisch sein. Außerkurrikulare Aktivitäten und Auslandserfahrung sind ein Bonus, aber keine Voraussetzung. Aufgrund unserer globalen Ausrichtung sind Englischkenntnisse eine notwendig.

eFC: Wie hoch sind die Chancen, mit einem Bachelor bei Ernst & Young Fuß zu fassen oder ist ein Master Pflicht?

Daniel Mair: Es gibt durchaus sehr gute Chancen für Bachelor-Absolventen. Grundsätzlich interessiert sich Ernst & Young gleichermaßen für Bachelor- und Master-Kandidaten. Wenn ein Master-Kandidat andererseits durch die lange Zeit im Studium einen ausgewogeneren und breiteren Hintergrund mitbringt, dann ist das natürlich ein Vorteil.

eFC: Wie sehen die Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter aus, die nach einem Bachelor bei Ernst & Young einsteigen?

Daniel Mair: In einer Wirtschaftsberatungs- und Steuerberatungsgesellschaft besteht die Notwendigkeit, sich ständig fachlich weiterzuentwickeln und fortzubilden. Auch als junger Mitarbeiter mit einem Bachelor-Studiengang kann man sich bei uns mit Training-on-the-Job weiterentwickeln. Außerdem erhalten die Mitarbeiter interne und externe Schulungen speziell auf deren Bedürfnisse zugeschnitten. Es wird gefördert (zeitlich und finanziell), Berufsexamina abzulegen wie den Wirtschaftsprüfer oder den Steuerberater. Wir fördern aber auch moderne internationale Berufsexamina wie z.B. den amerikanischen Wirtschaftsprüfer CPA.

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