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Was ein Yoga-Trainer Bankern gegen Stress empfiehlt

Zen banker

Haben Sie nach einem schlechten Bonus jedwede Motivation verloren? Kommt Ihre Jobsuche nicht voran, obgleich sich der Arbeitsmarkt für Finanzprofis wieder erholt hat? Oder ersticken Sie einfach nur in Arbeit?

Um besser mit Stress umgehen zu können, empfiehlt Frabrice Desmarescaux Yoga. Er muss es wissen, denn der Franzose vermittelt als Headunter und Mitbegründer von DTCA Executive Search Partners in Singapur Banker und betätigt sich an den Wochenenden als Yoga-Trainer. Bis vor kurzem hat Desmarescaux überdies das Geschäft der Elite-Personalvermittlung Stuart Spencer im asiatisch-pazifischen Raum geleitet und war zuvor für das Finanzdienstleistungsgeschäft der Strategieberatung McKinsey in Südostasien verantwortlich. Doch nach 15 Jahren Erfahrung mit Yoga-Übungen und 18 Monaten als Yogatrainer kann Desmarescaux auch als Autorität in der Stressverminderung begriffen werden.

„Regelmäßige Yoga-Übungen helfen dabei, Abstand zu stressreichen Ereignissen in Ihrem Leben zu gewinnen und es hilft Ihnen dabei, den Überblick zu wahren, wovon jeder in den Finanzdienstleistungen profitieren kann“, sagt Desmarescaux.

Wenn Sie einen aufgebrachten Kunden am Telefon haben, „der laut in den Telefonhörer brüllt“, dann müsse Ihnen dies noch lange nicht den Tag verderben. Die ruhigere mentale Einstellung, die Sie schließlich durch Yoga gewinnen, hilft dabei, den Stress-Input (aufgebrachter Kunde) von dem „Output“ (Ihre Reaktion darauf) zu trennen.

„Womöglich verkrampfen Sie sich normalerweise, werden frustriert und lassen Ihre Gefühle an sich herankommen. Oder Sie fühlen sich vielleicht persönlich verletzt und schreien zurück. Wie dem auch sei. Sie sind bei der Arbeit und wenn Sie nachhause gehen in keiner guten mentalen Verfassung. Vielleicht führt dies auch zu einem Streit mit Ihrer Ehefrau“, sagt Desmarescaux.

Wer Yoga-Übungen betreibt, ist oft in der Lage, die Alltagsprobleme – von schrecklichen Vorgesetzten bis hin zum ermüdenden Pendeln – in einer größeren Perspektive aufzulösen, weil sie über einen „Anker“ verfügen, der ihnen beim Umgang mit Stress hilft. „Sagen Sie sich einfach, dass Ihr Vorgesetzter ein Idiot ist. Vielleicht tun Sie ihm damit auch Unrecht. Doch das muss nicht Ihr Problem sein“, sagt Desmarescaux.

Auch die Obsession, regelmäßig eine Gehaltserhöhung zu erlangen, kann nachlassen. „Durch Yoga konzentrieren Sie sich auf das, was im Leben wirklich zählt. Für die meisten Leute ist das weder die Arbeit noch das Geld. Sicherlich lässt sich dies auch durch andere spirituelle Ansätze erreichen wie z.B. jeden Sonntag in die Kirche zu gehen.“

Abgesehen von der mentalen Ausgeglichenheit können die Stellungen, die sogenannten „Asanas“, wie sie in Yoga praktiziert werden, bei der körperlichen Gesundheit weiterhelfen. „Besonders wenn Sie als Banker 40 oder 50 Jahre alt sind, dann können Sie mit Yoga die Balance, Stärke und Flexibilität wiedergewinnen, die Sie früher einmal besaßen. Allerdings leistet dies nur einen Beitrag zur Fitness. Sie benötigen auch weiterhin Kardiotraining für Ihr Herz sowie Geräte für die Muskelmasse.“

Doch um die Vorteile von Yoga für die Karriere und das Berufsleben voll ausschöpfen zu können, sollten sie es nicht als Gymnastik missverstehen. „Bei Yoga geht es nicht darum, seine Beine hinter seinen Kopf zu bekommen oder mit Ihren Zehen Ihre Nase zu berühren. Es geht darum, eine Einheit mit seinem höheren Selbst zu finden. In Yoga gibt es vier Grundmotive: Stellungen sind eine; aber ebenso wichtig sind Atemtechniken, ein gesunder und ethischer Lebensstil sowie Meditation – um mit seinem Geist in Berührung zu kommen.“

„Leider dreht sich das westliche Yogabild, wie es hier in Singapur vorherrscht, um gut aussende Frauen mit trendigen Yogamatten, die Extremstellungen einnehmen. Yoga ist kommerziell mittlerweile ebenso erfolgreich wie Fitnessübungen, wobei die Bedeutung der Meditation übersehen wird. Nehmen wir nur das Beispiel des „Hot Yoga“, wo die Räume extra geheizt werden, um Sie ins Schwitzen zu bringen – nichts könne weiter von Yoga entfernt sein. Sicherlich können Sie alles nehmen, wie Sie wollen. Es ist in Ordnung, nur die körperlichen Bewegungen zu vollziehen. Allerdings ist das wie Fahrradfahren mit Stützrädern. Sie bekommen nicht das volle Programm.“

Der von seinen Freunden auch als „Guru“ bezeichnete Desmarecaux gibt an jedem Wochenende Yogakurse im historischen Arab Street District in Singapur. „Das Lehren unterscheidet sich beträchtlich von den Übungen. Sie können die beweglichsten Stellungen nicht selbst einnehmen. Vielmehr müssen Sie mit den Menschen kommunizieren und sie fordern – auch zwei Fähigkeiten, die in einer Bankingkarriere weiterhelfen.“

So mancher hat in der Vergangenheit bereits seine Bankingkarriere aufgegeben, um Yoga zu unterrichten. Jeanne Chung, die bei der Investmentbanking-Boutique Robertson Stephens gearbeitet hat, tauschte ihre Bankingkarriere gegen ein Yogastudio in Singapur ein. Erika Shapiro wiederum hat sich nach ihrer Karriere als Sales-Spezialistin bei Goldman Sachs, Citi, Credit Suisse und RBS in 2012 zur Yogatrainerin umschulen lassen.

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