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Willkommen im Sozialismus: Immer weniger Banker wollen für europäische Institute arbeiten

So stellt man sich in den USA europäische Banker vor.

So stellt man sich in den USA europäische Banker vor.

Der Argwohn der Angelsachsen über die vermeintlich sozialistische Einstellung Kontinentaleuropas sitzt tief. Die wiederholten Versuche der EU-Kommission, die üppigen Bezüge der Investmentbanker zu zügeln, stellen hierbei nur das Tüpfelchen auf dem i dar. Headhunter aus London und New York berichtet unisono, dass es ihnen immer schwerer falle Mitarbeiter für eine europäische Bank zu gewinnen. Und dies gelte sogar für Banker, die selbst aus „good old Europe“ stammen.

„Wenn Sie einen Europäer angehen, der in London arbeitet, und ihm eine Chance bei einer europäischen Bank anbieten, dann antwortet er immer, dass  er für eine US-Bank arbeiten will“, erzählt der Chef eines Londoner Recruitmentunternehmens, der namentlich lieber ungenannt bleiben möchte, weil es sich bei vielen seiner Kunden um europäische Banken handelt. „In den USA ist es sogar noch schlimmer“, ergänzt der Personalprofi. „Die Banker an der Wall Street scheinen anzunehmen, dass die europäischen Banken von Sozialisten betrieben werden – sie würden überall anders als dort arbeiten. Ihre erste Wahl stellt immer eine US-Bank dar, ihre zweite eine kanadische Bank und ihre dritte jede andere nichteuropäische Bank. Jemanden dazu zu bringen, bei einer europäischen Bank anzufangen, ist so, als wolle man Wasser bergauf fließen lassen.“

Mit dieser Meinung steht der anonyme Headhunter keinesfalls allein dar. „Die Leute wissen, dass ihre Verdienstmöglichkeiten bei einer US-Bank deutlich besser ausfallen“, sagt etwa Headhunter Ebrahim Zaheer von The Kennedy Group. „Wenn jemandem mehrere Jobangebote vorliegen, dann nimmt der europäische Banker das beste Angebot an.“

Headhunterin Jeanne Branthover von Boydens in New York berichtet, dass die unbeliebten europäischen Banken sich genau überlegen müssen, wen sie noch einstellen können. „Für potenzielle und existierende europäische Kunden wird dies wirklich zu einem Problem.“

Die wachsende Unbeliebtheit europäischer Banken kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem viele Kreditinstitute vom alten Kontinent ihre Präsenz auf dem amerikanischen Markt ausbauen wollen. Denn die USA werden immer noch als ein Wachstumsmarkt im Investmentbanking begriffen. Laut dem Datenanbieter befinden sich die Investmentbankingerträge in den USA auf Rekordniveau, so dass sich auch einige Wettbewerber aus Europa ein Scheibchen von dem Kuchen abschneiden wollen.

So versucht Nomura international 20 Banker an der Wall Street anzuheuern. Deutsche Bank und Société Générale bauen ihr Geschäft mit festverzinslichen Papieren in den USA aus und die UBS wiederum will ihr Aktiengeschäft stärken sowie M&A-Spezialisten in den USA anheuern.

Keine Frage, die im Januar 2014 eingeführte EU-Bonusdeckelung stellt hierbei einen Nachteil dar. Demnach dürfen die Boni in europäischen Banken das Doppelte der Grundgehälter nicht überschreiten. Dies gilt übrigens auch für Banken wie Nomura International, die ihre Bankenlizenz in Europa haben. Prekärerweise gilt diese Deckelung für sämtliche Mitarbeiter rund um den Globus. Dies betrifft Mitarbeiter, die besondere Verantwortung für Risiken und Erträge der Bank tragen, sowie alle Angestellte mit einer Vergütung von mehr als 500.000 Euro.

Doch der EU-Bonuscap stellt nur ein Problem dar. Darüber hinaus spielt eine Rolle, dass viele europäische Banken freiwillig ein recht restriktives Bonussystem eingeführt haben. So hat beispielsweise die Deutsche Bank Boni für ihre Managing Directors eingeführt, die über fünf Jahre verzögert ausbezahlt werden, während ansonsten drei Jahre üblich sind. Bei der jüngsten Jahrespressekonferenz hat Deutsche Bank-Co-Chef Anshu Jain das Festhalten an den fünfjährigen Boni sogar noch einmal bekräftigt. Ein anderes Beispiel stellt die britische Großbank Barclays dar, die ihren Managing Directors keinerlei Barboni gewährt.

Laut Branthover müssen sich europäische Banken an der Wall Street einiges einfallen lassen, um die besten Köpfe von sich zu überzeugen. So können sie zwar keine höheren Boni anbieten, ohne auch die Grundgehälter anzuheben. Allerdings können sie in den USA neuen Mitarbeitern Antrittsboni gewähren, die in Europa verpönt oder sogar verboten sind. „Wir raten europäischen Kunden, eine Einmalzahlung zu leisten, um Kandidaten vom Anheuern zu überzeugen“, sagt Branthover. „Dies kann überall zwischen 25.000 bis 100.000 Dollar liegen und unterliegt normalerweise der Restriktion, dass die Summe zurückgezahlt werden muss, sobald jemand z.B. nach 24 Monaten wieder geht.“

Zaheer erzählt, dass die europäischen Banken gezwungen seien, glamourösere Stellentitel und bessere Jobs bereitzustellen, um die besten Köpfe zu gewinnen. „Niemand wechselt jetzt zu einer europäischen Bank des Geldes wegen. Daher müssen sie andere Anreize bieten. Es läuft alles auf den fraglichen Job, den Verantwortungsbereich und die Plattform hinaus.“ Als Folge davon könnte den europäischen Häusern eine gewisse Inflation der Stellenbeschreibungen drohen.

Doch laut Branthover bleibe der zentrale Nachteil erhalten. „Die US-Banken haben die Nase vorn, wenn es darum geht, die besten Köpfe anzuheuern – einfach nur weil sie eine viel bessere Vergütung anbieten können.“

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