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INTERVIEW mit Prof. Horst Löchel von der Frankfurt School: Lohnt sich Ihr neuer MBA für Banker und Finanzprofis?

Loechel

Die Frankfurt School of Finance & Management bietet ab Oktober ein eigenes Vollzeit MBA-Programm an. Für den 15monatigen Kurs verlangt die Hochschule 29.500 Euro. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende Juli. Wir haben mit dem Programmdirektor Prof. Horst Löchel gesprochen, worum es sich dabei genau handelt und ob der MBA besonders für Banker und Finanzprofis geeignet ist.

Wieso gehen Sie mit einem neuen MBA-Programm an den Start? Es gibt doch bereits reichlich davon und niemand hat auf Sie gewartet.

Ich denke, wir können mit unserem Full time MBA-Programm einen Beitrag zur MBA-Kultur in Deutschland leisten. Es gibt sicherlich in Deutschland schon einige MBA-Programme, doch im Vergleich zu angelsächsischen oder asiatischen Ländern relativ wenige. Es handelt sich nun einmal um die moderne, postgraduale Managementausbildung. Da wollen wir dabei sein  als eine der führenden Business Schools in Deutschland mit dem Ziel zu einer solchen auch in Europa zu werden. Dazu gehört auch ein Full Time MBA.

Sie verlangen für das Programm 29.500 Euro. Das scheint mir doch für Deutschland eine stolze Summe zu sein.

Dabei handelt es sich um unseren Einstiegspreis. Wir liegen damit – soweit ich sehen kann – bei den renommierten Business Schools und Universitäten, die einen MBA anbieten, im unteren Drittel. Und nicht im oberen Drittel, wo bis zu 40.000 Euro verlangt werden.

Natürlich weiß ich, dass man in Deutschland auch einen MBA für 8000 oder 9000 Euro machen kann. Doch nicht überall, wo MBA draufsteht, ist auch MBA drin. Es macht einen großen Unterschied, wer den MBA vergibt.

Darüber hinaus bieten wir Stipendien an, um die Diversifikation des Programms zu fördern und auch um besonders interessante und leistungsstarke Teilnehmer zu fördern. Man bekommt bei uns einen MBA einer renommierten Business School für einen durchaus sehr guten Preis. Und wer sich frühzeitig bewirbt, bekommt sogar noch einen Early Bird Discount.

Wie läuft der Kurs ab?

Wir nutzen die sogenannte Harvard-Methode und machen keinen Frontalunterricht. Das wäre einem MBA gewissermaßen nicht würdig. Wir arbeiten also sehr viel mit Fallstudien. Es handelt sich um relevanten, praxisorientierten Unterricht. Unsere Teilnehmer lernen durch Erfahrungen und aktive Teilnahme. Welche Unterrichtsmethode man anwendet, entscheidet darüber, ob der Lernerfolg der Teilnehmer hoch ausfällt. Und darauf kommt es schließlich an.

Welche Vorzüge bietet Ihr MBA für Interessenten, die bei Banken oder anderen Finanzdienstleistern Karriere machen wollen?

Nach der Finanzkrise und unter dem neuen regulatorischen Umfeld spielen die allgemeinen Managementfähigkeiten neben den bankspezifischen Kenntnissen eine zunehmende Rolle. Gerade letzte Woche haben wir für unser Executive MBA-Programm ein Assessment Center durchgeführt, bei dem ich einen Banker interviewt habe. Für den ist es sehr interessant zu wissen, wie die Industrie die Prozesse organisiert. Selbstverständlich enthält der MBA als General Management-Programm auch Kurse zu Finance.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Bei den insgesamt zwölf obligatorischen Kursen entfallen zwei auf Finance: „Managerial Finance“, wobei es sich um Grundlagen von Finance handelt, sowie „Corporate Finance“. Darüber hinaus müssen die Teilnehmer zwei „Electives“ wählen. Dazu zählen „Investments“, also Kapitalmarktkenntnisse, und  „Financial Institution Management“, wo es wesentlich um das Prozessmanagement von Banken geht. Man kann allgemeines Management-Know-how durchaus gut mit bankspezifischen Kenntnissen verbinden.

Sie haben bereits Erfahrungen mit Ihrem Executive MBA gesammelt. Wie hoch fällt der Anteil von Bankern und den Mitarbeitern anderer Finanzdienstleister aus? Und wie hoch schätzen sie ihn für das neue Programm ein?

Der Anteil der Finanzdienstleistungsindustrie lag in der Vergangenheit bei etwa 50 Prozent. Die Tendenz ist fallend. Im letzten Jahrgang kamen noch rund 25 Prozent unserer Studierenden aus dem Finanzdienstleistungssektor. Das liegt nicht daran, dass wir weniger Banker haben, sondern daran, dass wir zunehmend mehr Teilnehmer aus anderen Branchen gewinnen.

Besonders interessant an einem MBA ist die Mischung der Teilnehmer und das erhoffen wir uns auch für den MBA. Es handelt sich um eine andere Lernatmosphäre, wenn die Teilnehmer aus verschiedenen Industrien kommen. Das ist viel produktiver, als wenn es sich um eine reine Monokultur handelt. Den Bankern tut es auch gut, von den Erfahrungen anderer Kollegen und Industrien zu profitieren.

Können Sie da ein, zwei Beispiele nennen?

Dazu zählen Networking und Näheres über die Geschäftsmodelle anderer Branchen und deren Produkte zu erfahren. Nach meiner Erfahrung stößt vor allem die Organisation von Prozessen einschließlich Kostenmanagement auf Interesse; aber auch Sales ist ein großes Thema. Beispielsweise haben wir in unserem aktuellen Executive MBA zwei Teilnehmerinnen, die Sales-Management einer großen Hotelkette und eines großen Autokonzerns leiten. Von diesen Erfahrungen profitieren vor allem auch die Banker, die im Vergleich zu früher zunehmend Sales-orientierter werden. Den Austausch solcher Erfahrungen erwarten wir uns auch von unserem neuen Full time MBA, der im Oktober startet.

Wie stellen Sie sicher, dass der MBA tatsächlich international ausgerichtet ist? Gibt es eine Quote für Deutsche?

Es besteht keine Gefahr, dass zu viele Teilnehmer aus Deutschland kommen. Deutschland ist ein attraktiver Markt, die Frankfurt School ist eine attraktive Business School. Wir haben jetzt schon Anfragen vor allem aus Indien. Deutschland ist darüber hinaus auch ein interessanter Arbeitsmarkt.

Auch bei der Nationalität der Teilnehmer kommt es auf die Mischung an. Wenn deutsche Studenten, mit amerikanischen, osteuropäischen, indischen oder chinesischen Studenten zusammen sind, findet auch immer ein sehr dynamischer Lernprozess statt.

Darüber hinaus beinhaltet das Programm zwei obligatorische „international Weeks“. Einmal reisen wir mit den Studenten nach Kapstadt in Südafrika, dort wird an der renommierten ‚Cap Town‘ Business School eine Woche das Thema „Entrepreneurship“ vertieft. Das stellt nicht nur ein sehr interessantes Thema dar, Südafrika ist auch eine boomende Wirtschaftsregion. Die zweite Auslandswoche verbringen die Studierenden an der Bocconi Business School in Mailand, die zu den führenden Management Schools in Europa und der Welt zählt. Dort wird das Thema ‚Leadership‘ vermittelt.

Für die Internationalität des Programms ist auch wichtig, dass wir auf unserem Campus in Frankfurt auch internationale Dozenten, beispielsweise aus den USA und Irland, einsetzen.

Welche Voraussetzungen müssen Teilnehmer mitbringen? Haben die meisten Leute Wirtschaftswissenschaften studiert? Sie haben da sicherlich einige Erfahrungen aus ihrem Executive MBA.

Grundsätzlich richtet sich ein MBA Programm ja an Teilnehmer, die bisher noch keinen oder noch keinen ausreichenden wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund haben. Insofern ist es ganz normal, dass wir viele ‚Quereinsteiger‘ haben. Zum Beispiel hat sich gerade ein promovierter Physiker für unseren Executive MBA beworben. Das wird in unserem Full time MBA nicht anders sein. Ein weiteres wichtiges Motiv einen MBA zu studieren ist der Wunsch, sich selbstständig zu machen. Das Studium dient dann dazu hierfür die Grundlagen zu legen. Aber natürlich gibt es auch Teilnehmer, die vorher schon Wirtschaftswissenschaft studiert haben. Ich schätze, dass sind so rund fünfzig Prozent. Für diese Teilnehmer geht es oft darum, beruflich weiterzukommen, die Karriereleiter hinauf zu klettern. Das gilt auch für die Juristen,  IT-Fachleute oder Ingenieure, die bei uns studieren

Stellt das nicht ein Problem dar, wenn die eine Hälfte Wirtschaftskenntnisse mitbringt und die andere nicht? Wie gehen Sie damit um?

Die Heterogenität stellt sicher eine gewisse Herausforderung dar. Deswegen gibt es sogenannte Pre-Courses wie z.B. Finance. Darin werden die Grundlagen von Finance und Accounting vermittelt.  Dennoch bleibt eine gewisse Heterogenität, die von den Dozenten gemanagt werden muss. Gegebenenfalls müssen die Teilnehmer, die mit dem Thema weniger vertraut sind, einfach mehr arbeiten.

Wie viele Teilnehmer fallen bei einem MBA durch? Wie sind da Ihre Erfahrungen mit dem Executive MBA?

Die Durchfallquote ist sehr gering. Es gibt aber immer mal wieder Leute, die aufhören, weil es ihnen einfach zu viel wird und sie sich überschätzt haben. Beim MBA wird die Misserfolgsquote auch gering ausfallen – ich würde schätzen höchstens  3 bis 5 Prozent. Das liegt nicht daran, dass das Studium einfach ist, sondern daran, dass Menschen, die sich für einen MBA entscheiden, von vornherein leistungsbereit sind. Die wollen nicht umsonst ihre Studiengebühren gezahlt haben oder von einem Kontinent auf den anderen wechseln; die wollen weiterkommen im Beruf und im Leben. Dementsprechend intensiv studieren sie.

Die Bewerbungsfrist läuft bereits. Wer hat sich bislang beworben?

Die Presseerklärung zu dem neuen MBA-Programm ist erst Anfang Februar herausgegangen. Wir verfügen also noch nicht über sonderlich viel Erfahrungen und unsere Marketingmaßnahmen sind gerade angelaufen. Dennoch liegen bislang schon über 30 Bewerbungen vor, die meisten aus dem Ausland, insbesondere aus Asien und da wiederum aus Indien.

Sie geben sich mit Ihrem Programm sehr ambitioniert und wollen in wenigen Jahren zu einem führenden MBA-Anbieter aufsteigen. Was macht Sie denn so sicher, dass Ihnen dies gelingt?

Wir haben eine ziemliche genaue Vorstellung davon, was einen erfolgreichen Full time MBA ausmacht. Das hängt auch damit zusammen, dass Mitglieder der Fakultät der Frankfurt School bereits an international renommierten Business Schools, beispielsweise der University of North Carolina oder der Universität Groningen, entsprechende Programme unterrichtet haben. Ich selbst war an der China Europe International Business School in Shanghai, an der ich heute noch Honorarprofessor bin. Unser Programm verbindet somit internationales State-of-the-Art mit Education made in Germany.  Das scheint uns eine erfolgversprechende Mischung zu sein.

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