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Von der Credit Suisse lernen: Wie Sie Ihren Bonus vor dem Fiskus retten

Umso näher das Schweizer Bankgeheimnis seinem Ende kommt, umso mehr wird über die Praktiken der eidgenössischen Private Banker im Geschäft mit ausländischen Kunden bekannt. Nach jahrelangen Untersuchungen hat der US-Senat einen über 180 Seiten langen Report über die Praktiken der Credit Suisse im Geschäft mit US-Kunden veröffentlicht. Darin sind auch diverse Informationen enthalten, wie die Eidgenossen ihren Kunden bei der Steuervermeidung halfen. Einige sind simple, andere ausgeschlafen und manche komisch.

Demnach zählte die Großbank zu ihren besten Zeiten 22.000 US-Kunden mit einem Gesamtvermögen von bis zu 12 Mrd. US-Dollar – deutlich mehr als bislang erwartet wurde. Die US-Behörden haben seither lediglich von etwa 230 US-Kunden mit versteckten Konten bei der Credit Suisse erfahren. Die Senatoren dürften nicht die einzigen sein, denen hierbei ein Missverhältnis ins Auge sticht.

Was Amis und Feministinnen gelingt, sollte auch Finanzprofis nicht schwer fallen. Daher haben wir die besten Tipps zusammengestellt, wie hochbesteuerte Banker ihre vollauf verdienten Boni vor den gierigen Fingern des Fiskus in Sicherheit bringen können. Doch seien Sie gewarnt: Eine Nachahmung wird nicht empfohlen.

1. Der Sports Illustrated-Trick

Selbstverständlich dürfen keine verfänglichen Dokumente in die falschen Hände gelangen. Um einem Kunden seine Schweizer Bankauszüge diskret zu überbringen, ist ein eidgenössischer Banker extra nach New York gereist und hat sich dort mit seinem Kunden im standesgemäßen Mandarin Oriental Hotel getroffen, dessen Zimmer übrigens ab einem Mindestpreis von 585 Dollar zu haben sind. Beim Frühstück überreichte der Eidgenosse seinem Kunden ein Exemplar der Zeitschrift Sports Illustrated, die für Bilder von leichtbekleideten Damen berüchtigt ist. Der Adressat dürfte den Fotos jedoch kaum ein Blick gewürdigt haben, sondern sich eher an seinen Schweizer Kontoauszügen ergötzt haben, die zwischen den Seiten versteckt lagen.

2. Besuchen Sie den „Swiss Ball“ in New York

Falls Sie zufällig in den USA leben und dennoch nach der hilfreichen Hand eines Schweizer Bankers suchen, dann sind Sie auf dem jährlichen „Swiss Ball“ in New York sowie bei einem Golfturnier in Florida goldrichtig. Denn eidgenössische Banker machten von diesen Aushängeschildern regen Gebrauch, um US-Kunden ihre ganz speziellen Dienstleistungen zu offerieren. Bei beiden Veranstaltungen trat die Credit Suisse übrigens als Sponsor auf.

In 2007 hat ein leitender Credit Suisse-Mitarbeiter sogar beantragt, einen Tisch beim „Swiss Ball“ für die Kleinigkeit von 6500 Dollar zu sponsern. Er begründete dies mit einem „Produktvolumen“ von 10 Mio. bis 20 Mio. Franken. „Die Eingeladenen haben ein riesiges Potenzial für Weiterempfehlungen und ein exzellentes Netzwerk“, schrieb er.

„Obgleich das Reisen in die USA selbst nicht illegal war, ermöglichten es die Trips den Schweizer Bankern durchs Land zu reisen und Aktivitäten auszuüben, die durch das US-Recht oder den eigenen Vorgaben der Banken untersagt waren“, erläutern die Senatoren. Die Banker nutzten diese Reisen, um Bankauszüge zu übergeben, Anlageratschläge zu erteilen und die Zustimmung zu Wertpapiertransaktionen zu erhalten.

3. Achten Sie auf den Lift

Falls Sie sich unklar sind, ob Sie mit Ihrem Cashbonus in der Tasche auf dem richtigen Weg sind, dann sollten Sie auf die Knöpfe im Aufzug achten. Falls es dort keinen Knopf gibt, dann sind sie goldrichtig. Im Report berichtet ein US-Kunde von einem Treffen mit seinem Berater in der Schweiz: „Als sie einen Aufzug zu einer anderen Etage nahmen, beobachtete Kunde 1, dass der Aufzug keine Knöpfe hatte und ferngesteuert wurde.“

4. Wen interessiert schon Zürich: Eine Reise zum Flughafen genügt

Zürich ist zwar ein hübsches Städtchen, doch viele Steuerunwillige haben bei ihren Finanzgeschäften kein Auge für die Schönheiten wie Bellevue oder das Limmatufer und wollen auch nicht auf einen Apéro im Baumschänzli einkehren – dem schmucken Biergarten auf der Limmatinsel. Um den riskanten Aufenthalt möglichst kurz zu halten, hat die Credit Suisse zwischen 2006 und 2009 extra eine Filiale im Flughafen Zürich-Kloten unterhalten. „Fast 10.000 Kunden nutzten dieses Entgegenkommen“, heißt in dem Senatsbericht süffisant.

Bankchef Brady Dougan hat für die Flughafen-Filiale indes eine andere Erklärung parat. Demnach sei der Standort nötig geworden, weil viele US-Kunden zum Skifahren in die Schweiz gekommen seien und auf dem Weg ins Schigebiet den Umweg in die Stadt gescheut hätten.

5. Geben Sie schleunigst Ihren US-Pass ab

Als der Ärger mit den US-Behörden in 2008 losging, zog sich die Credit Suisse langsam aus dem Geschäft zurück. Dennoch hielt sie laut dem Report an ihren Geschäften mit US-Bürgern fest, die außerhalb der USA lebten. Dabei ging es immerhin um 6000 Konten. Die US-Steuerbehörden versuchen tatsächlich die Besteuerung sämtlicher US-Amerikaner weltweit durchzusetzen – gleich in welchen Land sie leben. Falls Sie also einen US-Pass haben und ihr Geld in einer Steueroase deponieren wollen, dann sollten Sie schleunigst ihren US-Pass abgeben – was übrigens bereits viele der in der Schweiz lebenden Amerikaner getan haben. Dennoch zählt auch die Credit Suisse heute noch rund 3500 US-Kunden mit einem Gesamtvermögen von 2,6 Mrd. Dollar.

6. Greifen Sie zum Telefon

Nicht nur die Kunden, auch Schweizer Banker scheuen Papierspuren zu hinterlassen. Aus diesem Grund ist das gesprochene Wort Trumpf. „Wir verfügen über kein Erklärungs- oder Werbematerial, das wir US-Bürgern zur Verfügung stellen könnten, die nach einem Konto in der Schweiz suchen. Uns ist nicht erlaubt, Leuten von oder aus den USA aktiv zu Offshore-Konten zu beraten oder dafür zu werben“, sagte ein Schweizer Banker einem US-Kunden. „Doch wenn ein Kunde mich anrufen und erfahren möchte, welche Dienstleistungen von der Schweiz aus angeboten werden können, dann kann er das jederzeit tun.“

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