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Der „Biertest“ oder wie der Umstieg vom Investmentbanking ins Private Equity gelingt

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Auf jeden freien Job in Private Equity (PE) kommen angeblich 200 bis 300 engagierte, junge Investmentbanker. Denn im Investmentbanking fühlen sich viele junge Banker lediglich als winziges Rad in einem großen Getriebe, das kaum einen Einfluss auf die wirklichen Deals besitzt. Der Umstieg auf die Private Equity-Branche mit ihren vergleichsweise überschaubaren Strukturen liegt daher nahe. Doch bei dem Wechselversuch musste schon so mancher Investmentbanker arge Blessuren an seinem Ego hinnehmen. Die Erfahrung zu scheitern, ist für viele neu und daher umso schmerzhafter. Wir haben zusammengestellt, was Sie vor einem Wechselversuch wissen sollten:

1. Sie müssen sich dem „Biertest“ unterziehen

Im Vergleich zu den Investmentbanken fallen die Investmentteams von PE-Gesellschaften geradezu winzig aus. Selbst die größten PE-Firmen beschäftigen kaum mehr als 30 Personen in ihrem Frontoffice. Für den erfolgreichen Wechsel müssen Associates oder Analysten von Investmentbanken die Manager der PE-Gesellschaften jedoch nicht allein von ihren fachlichen Qualitäten überzeugen. Vielmehr müssen sie zeigen, dass sie auch kulturell zu der fraglichen PE-Gesellschaft passen. Dies kann zuweilen ein wenig skurril ausfallen.

„Jeder Kandidat muss bei uns etwas überstehen, was wir den ‚Biertest‘ oder den ‚Flugtest‘ nennen“, erzählt Headhunterin Hephzi Pemberton von Kea Consultants, die schwerpunktmäßig Personal für PE-Unternehmen und Hedgefonds sucht. „Die Vertreter des Arbeitgebers fragen sich dabei selbst, ob sie mit dem Kandidaten gerne ein Bier trinken gehen würden oder ob sie einen Langstreckenflug neben ihm überstehen würden. Das wird schon sehr früh im Recruitmentprozess eingesetzt.“

2. Stellen Sie sich auf kurzfristige Vorstellungsgespräche ein

Verfolgen Sie die Medien besonders in Hinblick auf neue Fonds, das Fundraising oder auch auf neue Jobs für jüngere Mitarbeiter. Erwarten Sie keine festen Bewerbungsprozesse mit offiziellen Deadlines und jährlichen Einstellungszielen, erzählt ein PE-Mitarbeiter, der selbst aus dem Investmentbanking stammt.

„Das erfolgt üblicherweise nach Bedarf“, sagt der PE-Mitarbeiter. „Wenn ein neuer Fonds aufgemacht wird, dann gibt es wahrscheinlich sowohl Junior- als auch Mid-Level-Positionen. Es gibt keinen strukturierten Einstellungsprozess. Jemanden im PE-Geschäft zu kennen, hilft sicherlich dabei, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Doch am Ende hängt alles vom Timing und den Bedürfnissen der PE-Gesellschaft ab.“

3. Versuchen Sie sich in die Buy-Side hineinzuversetzen

Die meisten Investmentbanker – selbst auf Junior-Level – denken nur von Deal zu Deal. Doch um bei einem PE-Arbeitgeber zu punkten, müssen Bewerber laut Pemberton eine „Buy-Side-Mentalität“ entwickeln.

„Sie müssen lernen, wie ein Investor zu denken und auf die Realisierbarkeit des Geschäfts zu achten, was schon einen großen Unterschied zum Beratungsgeschäft und seinen Gebühren darstellt“, sagt Pemberton. „Wie erlangen Sie die Eigenkapitalrendite? Wie sehen Ihre Ausstiegsoptionen aus? Wie kann Ihr Business Plan die erwartete Rendite für das Unternehmen und seine Investoren abwerfen? Diese Analyse geht über das hinaus, was man im Investmentbanking lernt.“

4. Beherrschen Sie wirklich Financial Modelling?

Vom ersten Tag in einer Investmentbank an verbringen junge Banker ihre endlosen Arbeitszeiten mit Excel-Tabellen. Daher grenzt es schon fast an eine Beleidung, an ihren Kenntnissen in Finanzmodellierung zu zweifeln. Doch laut Pemberton scheitern die meisten Bewerber an den Fallstudien, die im Zuge der Bewerbungsverfahren bearbeitet werden müssen. Dazu gehören die Erarbeitung eines Finanzmodells sowie die Präsentation des Business Case für die Investition.

„Viele Junior-Banker arbeiten einfach ein Template ab. Mit dem Aufbau  eines ganz neuen Modells, über den Ablauf nachzudenken und dies aus der kritischen Perspektive eines Investors zu betrachten – damit haben viele Leute zu kämpfen“, erzählt Pemberton.

„Es bleibt keine Zeit für Training. Falls Sie also keine wirkliche Erfahrung in Finanzmodellierung mitbringen, dann ist der Wechsel für jemanden nahezu unmöglich“, ergänzt ein weiterer Investmentbanker, der ins PE-Geschäft umgestiegen ist.

5. Sie müssen eine Spitzenuni besucht haben

Wenn Sie nicht den Namen einer renommierten Uni sowie ausgezeichnete Noten in Ihrem Lebenslauf stehen haben, dann fallen die Chancen auf einen Job in PE sehr gering aus. In Großbritannien z.B. – einem Zentrum der PE-Branche in Europa – haben 56 Prozent der neueingestellten Mitarbeiter in Oxbridge studiert und 69 Prozent haben zuvor eine der englischen Privatschulen besucht. „Falls Sie keine Spitzenuniversität besucht haben, dann müssen Sie schon überzeugend darlegen können wieso“, sagt Pemberton.

6. PE-Erfahrung und unternehmerische Einstellung werden vorausgesetzt

Auch wenn es sich bei dem Weg vom Investmentbanking ins PE-Geschäft um einen ausgetretenen Pfad handelt, scheint es nahezu unmöglich, dass der Umstieg ohne vorherige PE-Erfahrung gelingt. Dies zumindest erzählt ein weiterer Umsteiger. „Bringen Sie einen Track Record in der Betreuung und im Abschluss von Deals mit sowie die Fähigkeit, neue Deals aufzutun. Seien Sie in der Lage, einen Deal so zu strukturieren, dass er Ihre Rechte als Investor wahrt“, erzählt der Umsteiger. „Jemandem aus dem Banking wird es kaum gelingen, in Mid-Level- oder Senior-Positionen zu wechseln – außer er bringt bedeutende Erfahrung in der Beratung von PE-Gesellschaften oder Leveraged Buyout mit.“

Falls Sie damit nicht dienen können, dann sei es hilfreich, wenn man schon sein eigenes kleines Geschäft aufgezogen habe, selbst wenn es sich nur um eine kleinere unternehmerische Tätigkeit neben dem Studium gehandelt habe.

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  1. Das typische Elite-Blabla von Rocket Science und übers Wassergehen… Nicht abschrecken lassen – die Realität ist vielfältiger

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