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Fortis Bank schließt eine Deutschland-Tochter und entlässt 340 Mitarbeiter

Der angeschlagene belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis hat überraschend seine Deutschland-Tochter Fortis Finanz GmbH geschlossen.

Die 90 Vermittlungsshops und das Call-Center hätten ihre Arbeit eingestellt, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Die Pressesprecherin von Fortis wollte Fragen zu den Umständen der Entlassungen nicht beantworten, statt dessen verwies sie auf die PR-Agentur Stilcken + Goettges in Hamburg, die mit der Pressearbeit beauftragt wurde.

Eine Sprecherin dieser Agentur teilte auf Nachfrage mit, dass die Entlassungen bereits ausgesprochen und die 340 betroffenen Mitarbeiter umgehend freigestellt worden seien.

Der Großteil der Entlassenen, laut Sprecherin, 280, hatte bis dato in den “Finanzshops” gearbeitet. Die verbliebenen 60 Mitarbeiter saßen in der Zentrale und haben von dort u.a. die Internetseite betreut und im Callcenter gearbeitet.

Überraschenderweise wurden nicht alle Manager entlassen. “Das Management-Team wurde von acht auf vier Stellen verkleinert”, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme der PR-Agentur.

Die Abfindungszahlungen richten sich nach der Betriebszugehörigkeit und sind branchenüblich, teilte die Agentur weiter mit. Allen freigestellten Mitarbeitern sei außerdem “eine kompetente externe Outplacement-Beratung angeboten” worden. Welcher Personalberater das “Outplacement”-Mandat bekommen hat, teilte die Agentur nicht mehr.

Die Gewerkschaft Verdi wurde von den Entlassungen völlig überrascht. Es habe im Vorfeld keinen Hilferuf gegeben, weder von Seiten des Managements, noch von Seiten der Mitarbeiter, sagte der zuständige Verdi-Sekretär, Herbert Bludau-Hoffmann, gegenüber eFinancialCareers.

Der Betriebsrat hatte ebenfalls keine Möglichkeit, die Entlassungen zu beeinflussen. “Die Fortis Finanz GmbH hatte keinen eigenen Betriebsrat”, sagte Siegward Kleint, Betriebsratsvorsitzender der Fortis Bank in Deutschland. “Die Kollegen haben die Starthilfe zur Gründung leider nicht angenommen”, bedauerte er.

Da es mangels Betriebsrat keinen Sozialplan gibt, sind die Betroffenen auf das Entgegenkommen des Managements angewiesen. Einen Anspruch auf eine Abfindung haben entlassene Arbeitnehmer – entgegen der landläufigen Meinung – nämlich nicht.

Im Ernstfall müssen sie sich vor einem Arbeitsgericht eine Abfindung erstreiten. Die Höhe hängt üblicherweise von der Betriebszugehörigkeit ab. Und da die Fortis Finanz GmbH erst vor drei Jahren gegründet worden war, fallen diese Zahlungen entsprechend niedrig aus.

Nach welchem Schlüssel die Abfindungen berechnet wurden, ließ sich zunächst nicht feststellen. Die Spanne liegt normalerweise irgendwo zwischen 0,5 bis 1,5 eines Monatsgehalts für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit.

“Die Abfindungszahlungen richten sich nach der Betriebszugehörigkeit und sind branchenüblich”, teilte dazu die PR-Agentur mit. Angaben zur konkreten Höhe machte sie aber nicht.

Fortis Finanz, früher Fortis Credit4me, war erst seit 2006 in Deutschland aktiv und vermittelte im gesamten Bundesgebiet Kredite, Versicherungen und Festgeldanlagen.

Die Fortis Bank beschäftigt in Deutschland künftig noch 630 Mitarbeiter und zwar bei Fortis Bank, Fortis Investments und der vor drei Jahren übernommenen Tochtergesellschaft Von Essen Bank. Davon entfallen 350 Stellen auf die Von Essen Bank.

Während die Fortis Bank angesichts des personellen Kahlschlags keine freien Stellen anbietet, wächst die Versicherungs-Tochter Fortis Leben trotz Finanzkrise weiter. Gegenwärtig sucht die Gesellschaft einen Key Accounter mit mehrjähriger Vertriebserfahrung.

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