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Trotz Miniergebnis: Blessing verteidigt Boni für Mitarbeiter

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Obgleich der Reingewinn mit 78 Mio. Euro in 2013 winzig ausgefallen ist, verteidigte Commerzbank-Chef Martin Blessing bei der heutigen Jahrespressekonferenz die variablen Vergütungen seiner Mitarbeiter. „Wir werden auch in 2013 einen gewissen Betrag an variablen Vergütungen sehen und der wird leicht höher ausfallen als für 2012“, sagte Blessing. In 2012 hatte der Konzern noch einen Fehlbetrag von 47 Mio. Euro ausgewiesen.

Laut Blessing orientierten sich die Boni an den Ergebnissen der Bank sowie an den individuellen Leistungen der Mitarbeiter. Durch den niedrigen Gewinn der Bank gebe es auch hierfür keine variablen Vergütungen. Anders sehe es bei den individuellen Leistungen der übertariflichen Mitarbeiter aus. Wenn diese erreicht oder überboten seien, dann zahle die Commerzbank eine variable Vergütung. Blessing wies ausdrücklich darauf hin, dass die Boni auch Teil der Arbeitsverträge bei den übertariflichen Mitarbeitern sind. Würde die Commerzbank diese Zahlungen restlos zusammenstreichen, dann werde sie vertragsbrüchig.

Bonuspool liegt bei bis zu 390 Mio. Euro – 13.500 Euro pro Kopf

Bereits vor einigen Tagen wurde ein Bonuspool von 300 Mio. Euro in den Medien kolportiert. Blessing bestätigte bei der Jahrespressekonferenz, dass sich der Pool auf etwa 10 Prozent des Personalaufwandes belief. Dieser sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,96 Mrd. auf 3,89 Mrd. Euro in 2013.

Von den rund 54.000 Beschäftigten des Konzerns kommen laut Blessing 28.800 in den Genuss variabler Vergütungen. Pro Kopf streichen die Begünstigten also rein rechnerisch durchschnittlich bis zu 13.500 Euro ein. Der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter belief sich in 2013 insgesamt auf etwa 72.000 Euro.

Gewinnsprung im Investmentbanking rechtfertig höhere Boni

Ein Drittel des Bonuspools kassieren allein die knapp 2000 Investmentbanker des Konzerns. Blessing führte dies auf das verbesserte Geschäft der Sparte zurück. Tatsächlich vervielfachte sich das operative Ergebnis in Corporates & Markets von 202 Mio. auf 778 Mio. Euro. Damit habe das  Investmentbanking das beste Ergebnis seit 2010 erzielt.

Die tariflich gebundenen Mitarbeiter schauen hingegen in die Röhre. Die mit dem Betriebsrat vereinbarten Zielsetzungen für eine Gewinnbeteiligung wurden in 2013 nicht erreicht.

Auch für sich selbst verzichtete Blessing abermals auf seinen Bonus. Der Reingewinn von 78 Mio. Euro sei einfach zu gering ausgefallen. Der Commerzbank-Chef deutete an, dass er einen persönlichen Bonus ab einem dreistelligen Reingewinn für gerechtfertigt hält.

Beim Abbau von insgesamt 5200 Stellen kommt die Commerzbank schneller voran als erwartet. Finanzvorstand Stephan Engels gab an, dass bereits mehr als ein Drittel des Abbaus erfolgt sei.

Die Mittelstandsbank, als die traditionelle Cash-cow des Konzerns, konnte indes nicht an das gute Vorjahresergebnis anknüpfen. Hier brach das Vorsteuerergebnis um etwa ein Drittel auf 1,1 Mrd. Euro ein. Die operativen Ergebnisse im Privatkundengeschäft und im Osteuropageschäft lagen mit 225 Mio. und 240 Mio. Euro etwa auf Vorjahresniveau.

Im Bereich Non Core Assets, der hauseigenen Bad Bank des Konzerns, verbuchte die Commerzbank wiederum Erfolge. Das Portfolio an problematischen Wertpapieren konnte im Jahresverlauf um 23 Prozent auf 116 Mrd. Euro zurückgefahren werden, womit die Bank ihre Jahresziele „deutlich“ übertroffen habe. Die Bilanzsumme belief sich Ende 2013 auf 550 Mrd. Euro.

Nach der Schweiz will die Commerzbank auch anderswo ins Mittelstandsgeschäft einsteigen

Unterdessen strich Blessing den erfolgreichen Eintritt der Commerzbank ins Schweizer Firmenkundengeschäft heraus. Nach Zürich hat der Konzern jetzt vier weitere Filialen eröffnet und will Schweizer Unternehmen Dienstleistungen in Zahlungsverkehr, Kreditgeschäft und der Exportfinanzierung anbieten. Laut Blessing sei das Angebot an mittelständischen Finanzdienstleistungen in der Schweiz deutlich schlechter als in Deutschland.

Darüber hinaus denke die Commerzbank über den Eintritt ins Mittelstandsgeschäft in weiteren Märkten nach. Blessing wollte jedoch nicht verraten, um welche Länder es sich handelt. International kündigte der Commerzbankchef die Gründung einer Tochtergesellschaft in Brasilien und eine engere Kooperation mit asiatischen Banken an.

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