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WestLB-Countdown: Was in einem Jahr nicht verkauft ist, wird dichtgemacht

Die Einigung der WestLB-Eigentümer über die Zukunft des angeschlagenen Instituts am gestrigen Donnerstag (23. Juni) verheißt nichts Gutes. Eine sichere Zukunft besteht nur für die Mitarbeiter der Verbundbank, die in alleinige Eigentümerschaft der rund 100 nordrhein-westfälischen Sparkassen übergeht.

“Das Sparkassenverbundgeschäft einschließlich des mittelständischen Firmenkundengeschäfts mit einer Bilanzsumme von 40 bis 45 Mrd. Euro (Risikoaktiva von ca. 8,3 Mrd. Euro) und ca. 400 Beschäftigten wird am 30. Juni 2012 auf eine von der Sparkassen-Finanzgruppe etablierte und kapitalisierte Verbundbank und ggf. auf eine weitere von der Sparkassen-Finanzgruppe getragene Einheit durch Abspaltung nach dem Umwandlungsgesetz übertragen.”

Diese etwas sperrigen Sätze haben es in sich, denn bislang wurde von einer Verbundbank mit etwa 1000 Beschäftigten ausgegangen und nicht 400. Die jetzige Entscheidung bedeutet indes nichts anderes, als dass die Zukunft der verbleibenden gut 4000 Mitarbeiter weiter offen bleibt.

Einjährige Galgenfrist für Teilverkauf

Dabei wird der WestLB eine einjährige Galgenfrist bis zum 30. Juni 2012 gewährt, in der das Institut noch Teile des restlichen Unternehmens verkaufen kann. “Aktivitäten, die bis zum Ende dieses Zeitraums nicht veräußert werden können, übernimmt zum 30. Juni 2012 die Erste Abwicklungsanstalt (EAA)”, heißt es weiter. Folglich werden die nicht verkäuflichen Teile der RestLB mit einer Überführung in die Bad Bank für die Abwicklung bereitgestellt.

Das Trostpflaster für die betroffenen Mitarbeiter fällt denkbar klein aus. So kann die WestLB auch weiterhin Neugeschäft “im Rahmen der jeweils aktuellen Geschäfts- und Risikostrategie vornehmen.” Überdies erbringt die RestLB auch weiterhin Dienstleistungen für die künftige Verbundbank sowie die EAA, die selbst nur über 50 Beschäftigte verfügt.

Diese Serviceverträge sind jedoch für die Verbundbank auf zwei Jahre begrenzt. Für die EAA sollen diese Dienstleistungen bis zum Jahr 2016 weiterlaufen. Dann dürfte die WestLB endgültig dichtgemacht werden.

Damit besteht die einzige Hoffnung der betroffenen Mitarbeiter darin, dass der Bankvorstand bis zum 30. Juni 2012 Käufer für möglichst viele Teile der Bank findet. Dabei hatte kürzlich HSBC Trinkaus Interesse an Teilen der Landesbank bekundet. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hätten auch Finanzinvestoren “ihre Fühler ausgestreckt.”

Für den Betriebsrat geht die Arbeit jetzt erst richtig los

Die Einigung der Eigentümer auf die Zerschlagung der WestLB steht indes unter dem Vorbehalt des nordrhein-westfälischen Landtags, der zuständigen Sparkassen-Gremien und der EU-Kommission. Branchenbeobachter rechnen jedoch nicht, damit dass etwa die EU die gefundene Lösung torpedieren wird. “Das Verbundbank-Modell ist die einzige ernsthafte Option, wenn die Bank nicht zum Experimentierfeld für das Restrukturierungsgesetz werden soll”, sagte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans.

Vielen Beschäftigten steht jedenfalls eine schwierige Zeit bevor. Entsprechend kommentierte die Betriebsratsvorsitzende Doris Ludwig auch: “Jetzt fängt unsere Arbeit erst richtig an.”

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