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KOMMENTAR: Lasst die Kavallerie auf die Hedgefonds los!

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat einst die Schweizer wegen ihres Bankgeheimnis als Indianer bezeichnet und mit der Kavallerie bedroht. Jetzt scheint der Einsatz der berittenen Truppe wieder gefragt zu sein – allerdings gegen die Hedgefonds.

So musste jetzt die Goldman Spitze vor einem Senatsausschuss u.a. zu den Vorwürfen der US-Finanzaufsicht Rede und Antwort stehen. Demnach hat Goldman den Hedgefonds-Manager John Paulson erlaubt, in einem Kreditderivat diverse toxische Wertpapiere zu bündeln. Anschließend durfte Paulson auf den absehbaren Wertverfall dieser Wertpapiere wetten und sich so an den Goldman-Kunden bereichern, die das Kreditderivat erstanden hatten. Ein ungeheuerlicher Vorwurf – sollte er denn zutreffen.

Klarer Fall: Spekulanten an allem Schuld

Noch spektakulärer fiel die Abstufung der Bonität Griechenlands auf Ramschstatus aus. Die Folgen sind dramatisch: Die Zinsen für Staatsanleihen kletterten auf über 10 Prozent und das Land wäre ohne internationale Hilfe nahezu pleite. Auch für die Zuspitzung des Griechenland-Debakels werden Hedgefonds mitverantwortlich gemacht. So sollen sich diese Finanzvehikel zu einer Spekulation gegen hellenische Staatsanleihen und den Euro verschworen haben. Auch das ein ungeheuerlicher Vorwurf – sollte er denn Stimmen.

Noch vor einer Klärung der Sachverhalte steht für viele Journaillien, Politiker und Stammtische die Mitschuld der Hedgefonds bereits unverrückbar fest. Auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück tritt vehement für eine schärfere Regulierung der Hedgefonds ein.

Was Hedgefonds so treiben

Doch eben jener Diplomvolkswirt zeigte kürzlich in einem ARD-Interview mit Reinhold Beckmann intellektuelle Blöße. Dabei stellte Kerner eine eigentlich unverfängliche Frage, die den Kavalleriehauptmann in arge Bedrängnis brachte: “Können Sie uns mal knackig und kurz erklären: Hedgefonds?”

Nach einem kurzen Zögern, das fürchterliches erahnen ließ, antworte Steinbrück: “Mit wenig Eigenkapital nehmen Sie viel Fremdkapital auf, kaufen Firmen maßgeblich auf, zerlegen die, verkaufen Finanzanteile wieder.”

Die Ex-Investmentbankerin Susanne Schmidt und Tochter von Altbundeskanzler Helmut Schmidt war bei dem Gespräch dabei und konnte nur verlegen entgegnen: “Ich würde das ein wenig anders beschreiben. Ich würde das Private Equity nennen.”

Dieses Interview war schrecklicher als jeder Horrorstreifen: Der langjährige Bundesfinanzminister, der nach der Lehman-Pleite Mitverantwortung von über 80 Mio. Menschen trug, hat keinerlei Ahnung, was Hedgefonds so treiben – dieses Wissensniveau über die internationalen Finanzmärkte lässt sich schwerlich unterschreiten. Kein Wunder, dass Steinbrück anstatt sachlicher Argumente lieber die verbale Keule schwingt und die Kavallerie zur Indianerjagd an den Zürisee entsenden will

Kommentare (2)

Comments
  1. Entschuldigung, aber die Szene hat sich in der ARD-Sendung Beckmann zugetragen, die vermutlich am 19.04. ausgestrahlt wurde.

    Frau Schmidt und die Herren Steinbrück und Beckmann stammen scheinbar alle aus Hamburg und kennen sich. Ich meine sogar, Herr Beckmann hätte Herrn Steinbrück geduzt. Insofern kann ich bestätigen, dass die Frage absolut unverfänglich war. Wenn Herr Beckmann gewusst hätte, in welche Verlegenheit er Herrn Steinbrück bringen würde, hätte er die Frage wohl nicht gestellt.

    Persönlich empfand ich die Antwort von Herrn Steinbrück schockierend. Sie erinnerte mich an “Münteferings Heuschrecken”.

    Bezeichnend, dass Herr Steinbrück in dem Gespräch zugab, dass Politiker zu wenig von Ökonomie und/oder Finanzmärkten verstehen.

  2. Erwähnenswert ist auch, dass ein Film während der Sendung eingespielt wurde, in dem Frankfurter Banker im Interview nach Feierabend beim Bier in der Edelkneipe das katastrophale Image ihrer Branche durch ihr deplaziertes Verhalten zementiert haben.

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