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WestLB streicht 110 Stellen in NRW – Ersatzjobs in Düsseldorf angeboten

Wenige Monate nachdem die Europäische Union die milliardenschweren Staatshilfen für die seit Jahren angeschlagene Landesbank WestLB unter Auflagen genehmigte, hat das Bankmanagement den angekündigten Stellenabbau konkretisiert.

Wie das Düsseldorfer Institut mitteilte, werden die Niederlassungen in Münster, Bielefeld und Dortmund bis zum Jahresende dicht gemacht, der Standort Köln soll bis Mitte 2010 folgen. 110 Jobs sind davon betroffen. Den Mitarbeitern werde ein Arbeitsplatz in Düsseldorf, versprach das Bankmanagement.

Die Berliner Privatbank Weberbank wurde bereits im Mai – zwei Tage nach der EU-Entscheidung – an die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam verkauft. Während die ungarische Tochtergesellschaft in Budapest veräußert wurde, wurden die Standorte in Prag, Johannesburg, Seoul und Peking geschlossen.

HIntergrund für diese harten Einschnitte: Bis Ende 2009 will die WestLB im In- und Ausland 1.350 Vollzeitstellen abbauen. Ein staatlicher Rettungsschirm von fünf Mrd. Euro hatte dazu geführt, dass sich Brüssel mit der WestLB befassen musste.

Größter Einzelaktionär der WestLB AG ist das Land NRW mit etwa 38 Prozent. Die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe halten je 25,2 Prozent an der Bank. Die SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag machte der Landesregierung unterdessen Vorwürfe wegen der Schließungen. “Der Finanzplatz Nordrhein-Westfalen ist aufgrund der Konzeptionslosigkeit der schwarz-gelben Landesregierung bald Geschichte”, kritisierte die SPD-Finanzexpertin Gisela Walsken. Die Regierung habe entscheidend zur Misere der Bank beigetragen, so ihr Vorwurf.

“Die Schließung der vier Standorte in NRW ist für uns außerordentlich bitter”, sagte Dietrich Voigtländer, der seit Mai amtierende Vorstandsvorsitzende. “Schließlich zählt dazu auch unser zweiter Hauptsitz in Münster. Aber wir müssen den Weg der Neuausrichtung hin zu einer schlanken Kernbank weiter konsequent gehen”.

Mit der Aufgabe des Standorts Münster endet für die WestLB eine 40-jährige Firmengeschichte. Seit ihrer Gründung im Jahr 1969 hatte die Bank einen Doppelsitz in Düsseldorf und Münster.

Tatsächlich ist die Stadt des Westfälischen Friedens von den Schließungsplänen der Düsseldorfer Konzernmutter besonders betroffen. Nicht nur die 47 WestLB-Mitarbeiter stehen vor der Wahl, gegen eine Abfindung auf einen gutbezahlten Arbeitsplatz zu verzichten – oder in die (ungeliebte) nordrhein-westfälische Landeshauptstadt umzuziehen.

Auch die anderen westfälischen Standorte in Dortmund (40 Mitarbeiter), Bielefeld (8 Mitarbeiter) und die rheinische Nachbarstadt Köln (20 Mitarbeiter) bekommen die Krise mehr oder weniger schmerzhaft zu spüren.

Weiter in der Schwebe hängt das Schicksal der 140 Mitarbeiter der West-Immo (Westdeutsche Immobilienbank). Sicher ist nur, dass die Ertragsperle auf EU-Geheiß bis spätestens 2011 verkauft werden muss. Ob der neue Eigentümer dann aber am Standort Münster festhält, steht in den Sternen.

Eine Stellungnahme der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi-NRW war nicht zu bekommen. Der Pressesprecher verwies auf den “Leiter des Landesfachbereichs Finanzdienstleister”, der aber – wie sie auf Nachfrage herausstellte – derzeit im Urlaub weilt. Der ebenfalls für Finanzdienstleister zuständige Gewerkschaftssekretär Rolf Finger sah sich nicht in der Lage, eine Stellungnahme zum angekündigten Stellenabbau bei der WestLB abzugeben. Statt dessen verwies er – genau – an die Pressestelle. (Da darf man sich nicht wundern, wenn der Organisationsgrad bei Finanzdienstleistern irgendwo bei plus/minus zehn Prozent liegen dürfte.)

Eine Stellungnahme des Betriebsrats war zunächst ebenfalls nicht zu bekommen.

Während die Mitarbeitervertreter betreten schweigen, melden sich Politiker zu Wort. “Die Entscheidung der Westdeutschen Landesbank AG, den Standort Münster zu schließen, ist die direkte Folge der Politik der schwarz-gelben Landesregierung”, schimpfte Anna Boos, die für die SPD im Düsseldorfer Landtag sitzt.

Derweil sind Experten skeptisch, dass die eingeschlagene Sanierung die Kassen der Eigentümer bald entlasten wird. “Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine der Landesbanken auf absehbare Zeit vollständig privatisiert werden kann”, schreibt die Ratingagentur Fitch in einer aktuellen Studie. Die deutschen Landesbanken – also auch die WestLB – müssten nach wie vor stark restrukturiert werden, was private Investoren nur begrenzt anziehe, so Fitch. Erschwert werde die Situation dadurch, dass laut Fitch keines der Institute ein erfolgreiches, durch den Ernstfall erprobtes, eigenständig funktionierendes Geschäftsmodell habe.

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