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Mehr Stellen & mehr Geld: Wieso sich Julius Bärs Wachstumsstrategie für die Mitarbeiter auszahlt

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Keine Frage, der junge Julius Bär-Chef Boris Collardi verfolgt ambitionierte Wachstumsziele für den Zürcher Private Banking-Spezialisten. Allein durch die Übernahme des Merrill Lynch International-Wealth Management-Geschäfts (IWM) stiegen die verwalteten Kundenvermögen in 2013 um 53 Mrd. Franken. Insgesamt wuchsen die Assets under Management sogar um 64 Mrd. auf 254 Mrd. Franken, wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresergebnis hervorgeht.

450 zusätzliche Stellen – doch nur auf Zeit

Von der Wachstumsstrategie scheinen vorerst auch die Mitarbeiter zu profitieren. So stieg die Beschäftigung im abgelaufenen Jahr um 45 Prozent oder 1669 auf 5390 Vollzeitstellen. Da hiervon aber nur 1220 Stellen auf die IWM-Integration entfielen, hat die Bank unter dem Strich fast 450 neue Stellen geschaffen.

Die Zahl der Kundenbetreuer wuchs um 391 auf 1197 Vollzeitstellen, wovon 365 auf IWM entfielen. Auch hier hat Julius Bär 26 zusätzliche Stellen geschaffen. Angesichts des Konsolidierungsdrucks in der Schweizer Wealth Management-Branche stellt dies einen beachtlichen Wert dar.

Damit verlagert sich jedoch auch der Schwerpunkt der Beschäftigung sukzessive ins Ausland. Laut dem Jahresbericht kletterte die Mitarbeiterzahl (auf Vollzeitbasis) innerhalb der Schweiz um knapp 18 Prozent auf 3264 Beschäftigte, während sie im Ausland um 124 Prozent auf 2126 Mitarbeiter regelrecht in die Höhe sprang.

Quelle: Julius Bär

Quelle: Julius Bär

Bruttovergütung von durchschnittlich 175.000 Franken

Die neuen Kollegen von IWM scheinen indes deutlich besser zu  verdienen als die altgedienten Mitarbeiter. So ließ Julius Bär in 2013 für Gehälter und Boni insgesamt knapp 840 Mio. Franken springen – ein Plus von über 29 Prozent. Die Bruttovergütung pro Kopf stieg von durchschnittlich gut 155.814 auf 174.748 Franken, was einen Aufschlag von gut 12 Prozent bedeutet. Allerdings dürfte dieser Anstieg maßgeblich auf höhere Gehälter in IWM zurückgehen.

Die schönen Zeiten scheinen jedoch nicht bruchlos weiterzugehen. So kündigte Julius Bär ein Umschwenken von einem Expansions- auf einen Kostensenkungskurs an. „Im Jahr 2014 wird sich unser Fokus auf die Verbesserung der Kosteneffizienz des schnell gewachsenen Geschäfts verlagern, ohne dabei unser Ziel aus den Augen zu verlieren, unserer wachsenden internationalen Gruppe anspruchsvoller Kunden weiterhin Top-Qualität betreffend Beratung und Dienstleistungen zu bieten.“

Unter dem Strich will die Bank im laufenden Jahr etwa 400 Stellen streichen, womit es sich bei dem derzeitigen Stellensegen nur um einen vorübergehenden Zustand handeln dürfte. Daraus ergibt sich ein Einsparpotenzial von 68 Mio. Franken, wie die Analysten der Deutschen Bank vorrechnen.

Die IWM-Integration hat selbstverständlich auch Folgen für die Ertragskraft und Profitabilität der Bank. Mithin legten die Erträge um 26 Prozent auf knapp 2,2 Mrd. Franken zu und der Vorsteuergewinn kletterte um 19 Prozent auf 583 Mio. Franken. Während die Profitabilität von 27 auf 25,5 Basispunkte absackte, verbesserte sich das Aufwands-Ertrags-Verhältnis leicht auf 71,3 Prozent.

Gutes Geschäft in Deutschland

Der Nettoneugeldzufluss belief sich im abgelaufenen Jahr auf 7,6 Mrd. Franken. Neben Wachstumsmärkten stammen diese laut Julius Bär auch aus dem Wealth Mangement-Geschäft in Deutschland. Die beiden Schweizer Großbanken haben unterdessen dort mit schlechtem Geschäft zu kämpfen. Die Credit Suisse will deswegen ihr Geschäft mit nicht superreichen Kunden nördlich des Rheins an die Bethmann Bank verkaufen – einer Tochter der ABN Amro-Gruppe.

Die Analysten der Deutschen Bank raten zum Halten von Julius Bär, auch wenn der Reingewinn etwas unter den Erwartungen lag. „Obgleich sich die IWM-Akquisition bei den tranferrierten Kundenvermögen oder den Bruttomargen nicht nach unseren Erwartungen entwickelt hat, denken wir, dass das Management von Julius Bär insgesamt die richtige Entscheidung getroffen hat, d.h. investiert hat”, schreiben die Analysten.

Das Deutsche Bank-Research geht davon aus, dass Kundenvermögen von nur 58 Mrd. Franken tatsächlich zu Julius Bär wechseln. Da der Kaufpreis an die tatsächlich überführten Assets gebunden ist, wird die IWM-Übernahme für Julius Bär günstiger ausfallen als erwartet. Folglich verfüge Julius Bär über höhere Bargeldreserven.

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