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Ein Abgesang auf den Bonus: Was die Deutsche Bank-Ergebnisse für die Mitarbeiter bedeuten

DB

Schon vor einer Woche musste Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain ein rabenschwarzes Schlussquartal in 2013 verkünden. So verzeichnete der Konzern einen Vorsteuerverlust von 1,2 Mrd. Euro. Im Gesamtjahr generierte die Bank also nur noch einen Profit vor Steuern von 2,1 Mrd. Euro. In der Jahrespressekonferenz am heutigen Mittwoch (29. Januar) erläuterte der versammelte Vorstand jetzt das traurige Ergebnis. Wir haben die wichtigsten Folgen für die Mitarbeiter zusammengefasst.

1. Nibelungentreue zum Fixed Income-Geschäft

Im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren gehört die Deutsche Bank zu den größten Playern rund um den Globus. Überdies stellte der Bereich in der Vergangenheit eine der Hauptertragsquellen des Instituts dar. Umso schwerer  wiegt es, dass die Erträge aus dem Fixed Income-Geschäft zwischen Oktober und Dezember im Vergleich zum Vorjahresquartal um 31 Prozent eingebrochen sind. Der Gesamtertrag des Investmentbankings tauchte somit um 27 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro ab.

Dennoch bewies Co-Chef Anshu Jain zu dem umstrittenen Geschäftsbereich Nibelungentreue. Die Fixed Income-Sparte der Deutschen Bank habe schlechter als die US-Konkurrenz abgeschnitten, weil das Geschäft in Europa branchenweit schlechter liefe als in den Vereinigten Staaten. Da die Deutsche Bank vor allen in Europa stark ist, sei sie von dem Einbruch im Anleihegeschäft überproportional betroffen. Hinzu kämen Sondereffekte, die mit dem Abbau von Altlasten zusammenhingen.

„Es handelt sich um ein volatiles Geschäft und es wird auch immer ein volatiles Geschäft bleiben. Wir stehen dazu“, sagte Jain. Zwar „rekalibriere“ die Bank das Geschäft, doch dies sei ein ganz normaler Vorgang und komme regelmäßig vor.

Die Entwicklung der Mitarbeiterzahl im Corporate and Investment Banking spricht ebenfalls gegen einen  größeren Kahlschlag. So verringerte sich  die Zahl der Front Office-Mitarbeiter binnen Jahresfrist nur um 2 Prozent oder gut 200 Jobs auf noch 8435 Beschäftigte.

2. Dem Bonus adieu sagen

Auch auf Nachfrage wollte Personalchef Stephan Leithner den Bonuspool für 2013 nicht verraten. Anders als die Konkurrenz habe die Deutsche Bank die Höhe der Boni noch nicht an ihre Mitarbeiter kommuniziert. Näheres werde der Vergütungsbericht enthalten, den die Bank am 20. März veröffentlicht.

Dennoch müssen sich die Beschäftigten auf Einschnitte gefasst machen. Denn wenn die Eigenkapitalrendite sinke, falle auch die Vergütung, assistierte Jain. Die Zahlen zum Personalaufwand lassen Schlimmes befürchten. So purzelten die Ausgaben für Gehälter, Boni und Sozialabgaben im Corporate and Investmentbanking um 14 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro. Im Asset und Wealth Management sank der Aufwand um 11 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro und im Global Transaction Banking um 2 auf 1,2 Mrd. Euro. Lediglich im Filialgeschäft blieb der Personalaufwand mit 3,7 Mrd. Euro annähernd auf Vorjahresniveau.

3. Die neue Geheimniskrämerei um die Mitarbeiterzahl

Mit 98.275 Mitarbeitern zu Ende 2013 wies die Deutsche Bank sogar gut 50 Stellen mehr als vor einem Jahr aus. Dennoch hat sich der Konzern klammheimlich von der Ausweisung der Gesamtmitarbeiterzahl in den einzelnen Geschäftsbereichen verabschiedet. Publiziert wird nur noch die Zahl der Front Office-Beschäftigten; die Angestellten in Middle und Back Office werden hingegen in der Infrastruktureinheit mit immerhin rund 40.000 Mitarbeitern versteckt.

Dies hat zur Folge, dass sich der Personalaufwand pro Kopf nicht mehr für jede Sparte einzeln berechnen lässt. Auf Konzernebene ließ die Bank jedenfalls für ihre Mitarbeiter durchschnittlich gut 125.000 Euro springen, was knapp 9 Prozent weniger als in 2012 waren. Da sich die Festgehälter nicht so einfach senken lassen, scheint ein Kahlschlag bei den Boni unausweichlich zu sein.

4. Personalchef kündigt Umsetzung der EU-Bonusdeckelung an

Die EU hat im vergangenen Jahr die Deckelung der Boni bei 100 Prozent der Festgehälter beschlossen. Sofern die Aktionäre zustimmen, kann diese Schwelle auf 200 Prozent angehoben werden. Leithner kündigte unterdessen eine umfassende Vergütungsreform der betroffenen Gehaltsklassen an. Der Personalvorstand betonte dabei, dass nur ein geringer Anteil von der Deckelung betroffen sei.

Bedenken, dass die Bonusdeckelung den abgeschlossenen Arbeitsverträgen widerspreche und daher kaum umgesetzt werden könne, erteilte Leithner eine klare Absage. „Die ist ein kleineres Problem“, sagte der Personalvorstand.

5. Deutsche Bank hält an Bonussperfrist von fünf Jahren fest

Mit der Sperrung der Boni für leitende Manager auf fünf Jahre sieht sich die Bank als Vorreiter. Co-Chef Jürgen Fitschen musste unterdessen eingestehen, dass bislang keiner der Wettbewerber der Deutschen Bank hierbei gefolgt sei. Die meisten Banken begnügen sich mit einer Aufschiebung der Bonus-Auszahlung auf drei Jahre.

Sein Kollege Jain betonte, dass das Corporate and Investment Banking trotz dieses Nachteils keinesfalls in kritischer Dimension Personal verliere. Dabei unterstrich der ehemalige Investmentbanking-Chef den angestrebten Kulturwandel. Leute, die bei der Deutschen Bank nur das schnelle Geld verdienen wollten, seien hier womöglich fehl am Platze.

6. Jain lässt Kritik an seiner Person abprallen

Fragen nach seiner möglichen Verstrickung in die Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor ließ der Investmentbanker von sich abprallen. Die Deutsche Bank sei in den vergangenen 15 Jahren von einem „Non-Player“ zu einer führenden Investmentbank der Welt avanciert. Er zeigte sich indes mitverantwortlich für das, was während seiner Zeit bei der Deutschen Bank schiefgelaufen sei. Allerdings ließe sich ein so großes Investmentbanking wie das der Deutschen Bank nicht von Leuten führen, die keine Geschichte in der Branche mitbrächten.

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