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Quants gesucht: Mathematik-Genies müssen sich nur bewerben

Investment Banken suchen Akademiker mit Statistikkenntnissen – und sie suchen sie dringend

Sie sind Experte für die Erstellung von Modellen für die Zufallsverteilung von Meereswellen oder in der stochastischen Analyse neuronaler Netze? Dann könnte jetzt Ihre Zeit gekommen sein, Ihre Talente für die Entwicklung von Modellen für Aktienkursentwicklungen oder für die Kalkulation von Preisen für Zinsderivate einzusetzen.

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von spezialisierten Headhuntern sowohl in Europa als auch in den USA. Top-Mathematiker werden gesucht, und Investment Banken sind bereit, stattliche Gehälter für ihre Dienste zu zahlen.

Die anfänglichen Jahresgehälter für Quantitative Analysten, sog. “Quants”, liegen an Wall Street zwischen 100.000 und 150.000 US-Dollar (75.000 bis 115.000 Euro), Nachwuchskräfte in London können Gehälter ab 80.000 britischen Pfund (120.000 Euro) verlangen. In Frankfurt und Paris, wo das Gehaltsniveau typischerweise niedriger liegt, sind Anfangsgehälter zwischen 45.000 und 60.000 Euro üblich.

Glaskugeln und Elfenbeintürme

Was tun Quants für ihr Geld? Laut Ciaran Healy, Consultant bei Huxley Finance, einem auf die Bedürfnisse der Quantitativen Finanzanalyse spezialisierten Personalvermittler, gibt es zwei Hauptrichtungen, beide auf dem Börsenparkett:


  • “Glaskugel-Quants”, die Regressionsanalysen von Börsendaten durchführen, mit dem Ziel, daraus Muster abzuleiten um letztendlich zukünftige Handelschancen vorauszusehen.
  • “Elfenbeinturm-Quants”, die komplexe mathematische Modelle für die Kalkulation von Finanzderivaten nutzen.

In beiden Betätigungsfeldern herrscht eine starke Nachfrage, bestätigt Healy. Die Glaskugel-Wahrsager werden von Institutionen wie Hedge Fonds und auf algorithmischen Handel spezialisierte Abteilungen in Investment Banken gesucht, während die Nachfrage nach dem Elfenbein-Typus insbesonders durch die zunehmende Anzahl exotischer Finanzderivate verstärkt wird.

Quants und das Risiko

Banken benötigen zudem Quants für die Arbeit hinter den Kulissen. “Quants treten mittlerweile überall in Erscheinung,” berichtet Ken April vom Wall Street-Personalvermittler April International. “Überall sind Quantitative Risk-Analysten, die alle Einzelheiten einer Bank genauestens unter die Lupe nehmen: Wie das Geschäft läuft, welche Systeme am besten arbeiten, wie Dienstleistungen bereitgestellt werden. Sogar die Prüfungsabteilungen haben heutzutage Statistiker in ihren Reihen.”

Europäische Personalvermittler berichten von einer ähnlichen Nachfrageflut nach Quants mit Risiko-Fokus. John Jessen vom Frankfurter Stellenvermittler Smith-Jessen, beobachtet eine zunehmende Nachfrage nach Quants für Risikomanagement und Risikokontrolle durch Landesbanken und deutsche Vermögensverwalter. Die Vermögensverwalter haben einen besonderen Bedarf an Quantitative Risk-Spezialisten, sagt Jessen: Als Folge des In-Kraft-Tretens des Investmentmodernisierungsgesetzes am 1. Januar letzten Jahres dürfen sie stärker als früher in komplexe derivative Produkte investieren.

Die richtige Universität bringt international den Vorteil

Doch nicht jeder Mathematiker wird die Belohnung ernten können, als Quant für eine Investmentbank zu arbeiten. Der erfolgreiche Schritt ins Investment Banking erfordert normalerweise zwei Voraussetzungen: Einen Doktortitel und eine Ausbildung der Extraklasse.

Auch hier gilt: Ein Doktortitel einer der renommierten internationalen Universitäten öffnet die Türen der internationalen Investmentbranche.

In den USA beispielsweise bevorzugen die Banken Quants einiger weniger ausgesuchter Universitäten, berichtet Healy: “Absolventen mit Doktortitel von Harvard, Yale, Princeton, Dartmouth, Stanford, MIT und Caltech besitzen einen großen Bonus.” Zwar akzeptieren manche Wall Street-Banken laut Healy ab und an auch Bewerber, die nur einen Masters-Abschluss vorweisen können, doch ist dies nur selten der Fall: “Ohne einen Doktortitel muss man fast schon mit dem Vorstand schlafen.”

In der Londoner City werden Absolventen mit Doktortiteln aus Oxford, Cambridge, dem Imperial College und der London Business School bevorzugt, aber auch von einigen der großen französischen Schulen.

Frankreich und China versorgen die Welt mit Quants

Französische Universitäten wie die Universität von Paris IV, École Polytechnique, École Normale, École Nationale de la Statistique et de l’Administration Économique (ENSAE) und Université Paris Dauphine haben einen guten Ruf in der Versorgung europäischer Banken mit Quants. Dies nicht zuletzt, weil Jobs in diesem Bereich in Paris knapp sind. Laut Jean Venard, Stellenvermittler im Pariser Finac Team, können viele der Absolventen in Frankreich keine Anstellung finden.

Studierende in Frankreich, die in den Quantitative Finance-Bereich einsteigen wollen, brauchen mindestens ein DEA-Studium mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft, was in etwa dem ersten Jahr eines internationalen PhD-Studiums entspricht. Andrew Fisk, Stellenvermittler bei Carrington Fox in London beobachtet, dass englische Banken des öfteren einen DEA-Absolventen einem englischen PhD vorziehen: “Französische Bewerber sind wesentlich berufsorientierter. Sie haben üblicherweise ein bis zwei Betriebspraktika durchlaufen, die Ihnen einen Vorteil gegenüber englischen Absolventen ohne Berufserfahrung verschaffen.”

Während Frankreich die Londoner City mit Quants versorgt, versorgt China die Wall Street. Laut Healy sind 40 – 50% der Bewerber auf einen Platz im US-amerikanischen Quant-Sektor Chinesen. Die meisten von ihnen haben ihr Studium an den Universitäten von Tsingtao, Shanghai Jiao Tong und Peking begonnen und ihren Doktor in den USA erworben.

Wohin geht die Reise?

Die besten Quants sind diejenigen, die direkte Profite für die Bank erwirtschaften. Auf lange Sicht werden Quants, die erfolgreiche Handelsmodelle entwerfen oder profitable neue, exotische Derivate entwickeln, am meisten verdienen. “Wer ein Top-Quant sein will, muss seine mathematische Begabung dafür einsetzen, Geld für die Leute zu verdienen, für die er arbeitet”, sagt Shuvo Loha, Direktor beim Personalvermittler Janikin Rooke in London. “Wer das kann, wird immer begehrt sein.”

Profitable Quants werden für Ihre Bemühungen sehr gut bezahlt. “Die Top-Leute der Branche bekommen ohne mit der Wimper zu zucken mehr als 1 Million US-Dollar (770.000 Euro)”, berichtet April von der Wall Street. Während in London Gehälter von bis zu 600.000 britischen Pfund ( 900.000 Euro) gezahlt werden, verdienen Quants in Frankfurt und Paris üblicherweise rund 250.000 Euro. Doch Jessen kennt einige Top-Leute in Frankfurt, die bei US-Banken Jahresgehälter im hohen sechsstelligen Bereich ausgehandelt haben.

Hedge Fonds in der Glaskugel

Elfenbeinturm-Quants verbringen Ihre Karriere üblicherweise damit, immer komplexere Preismodelle für die Derivate von Investment Banken zu entwickeln, doch Glaskugel-Quants mit erfolgreichen Trading-Modellen können alleine ihren Weg machen.

Nehmen Sie z.B. Cliff Asness, der es nach Abschluss seines Studiums an der Universität von Chicago, ausgestattet mit einem MBA und einem Doktortitel in Finanzwirtschaft, zunächst bei Goldman Sachs zum geschäftsführenden Direktor und zum Chef des quantitativen Researchs in der Vermögensverwaltung brachte. Heute ist Asness Geschäftsführer und Inhaber von AQR Capital Management, einem Hedge Fonds mit einem verwalteten Vermögen von über 11 Milliarden US-Dollar.

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