☰ Menu eFinancialCareers

Hugo Bänziger soll Chef der Schweizer Finanzaufsicht werden: Doch lohnt sich der Job überhaupt?

Hugo Bänziger

Hugo Bänziger

Derzeit scheint hinter den Kulissen eine Schlacht um den Chefsessel der Schweizer Finanzaufsicht Finma zu toben. Nach dem Rücktritt des langjährigen Chefs Patrick Raaflaub wird ab dem 1. Februar der bisherige Vize Mark Branson die Behörde kommissarisch führen, womit er sich in einer guten Position für die Nachfolge befindet.

Allerdings sprechen zwei Punkte gegen Branson: So wird in den Schweizer Medien die Frage gestellt, ob der ehemaligen UBS-Mitarbeiter seinerzeit in die Affären um die Libor-Manipulation und an obskuren Offshore-Geschäften verwickelt war. Und was noch schwerer wiegt: So mancher Schweizer stört sich daran, dass ausgerechnet ein Engländer den Schweizer Finanzplatz beaufsichtigen soll.

Ehemaliger Ackermann-Kronprinz wäre Top-Besetzung

Aus diesen Gründen haben jetzt bürgerliche Politiker einen in der Schweiz und Deutschland bestens bekannten Namen in die Schlacht geworfen: Hugo Bänziger. Gegenüber der Basler Zeitung lancierten FPD-Politiker den 58jährigen für die Raaflaub-Nachfolge. „Er ist der Integerste, den man sich vorstellen kann“, erläuterte die liberale Politikerin Doris Fiala das Manöver.

Bänziger war von 2006 bis zum 31. Mai 2012 Risikovorstand der Deutschen Bank und navigierte als solcher den deutschen Bankriesen souverän durch die Finanzkrise. Dieses Kunststück ist auch in der Schweiz unvergessen. „Er ist eine starke Nummer, hat die Deutsche Bank mit wenig Eigenkapital risikomäßig sicher durch die Krise gesteuert, und er machte einst ein Praktikum bei der Schweizer Aufsicht“, lobte der emeritierte Zürcher Bankprofessor Hans Geiger in den Medien.

Tatsächlich zweifelt kaum jemand an der Eignung des gebürtigen Aargauers. Wer das Risiko der Deutschen Bank mit allein rund 30.000 Investmentbankern überblicken kann, dürfte auch mit der UBS und der Credit Suisse zurechtkommen – von den kleineren Playern ganz zu schweigen.

Noch ist nichts entschieden

Im Machtkampf um die Nachfolge des ehemaligen Deutsche Bank-Chefs Josef Ackermann war der Schweizer dem Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen seinerzeit unterlegen und betätigt sich derzeit als Professor in Chicago. Dort dürfte er abkömmlich sein.

Rein formell muss der Verwaltungsrat der Finma dem Bundesrat einen Kandidaten präsentieren, den dieser annimmt oder auch nicht. „Der Prozess läuft. Ich kann aber nicht sagen, wo der Prozess steht“, sagte ein Finmasprecher gegenüber eFinancialCareers.ch.

Quelle: Geschäftsberichte der Deutschen Bank / eFinancialCareers

Quelle: Geschäftsberichte der Deutschen Bank / eFinancialCareers

Als Finma-Chef würde Bänziger nur Peanuts verdienen

Allerdings stellt sich die Frage, ob sich der Chefposten bei der Finma auch aus finanzieller Sicht lohnt. Laut der Jahresrechnung hat der scheidende Finma-Chef Raaflaub in 2012 gerade einmal knapp 543.000 Franken (449.000 Euro) eingestrichen – inklusive sämtlicher Zulagen. Es ist fraglich, ob die Schweizer Politik bereit ist, wesentlich mehr für Bänziger springen zu lassen. Nach einer einschlägigen Verordnung vom 11. August 2008 muss das Eidgenössische Finanzdepartement jedenfalls jedem Basissalär über 300.000 Franken zustimmen.

Als Risikovorstand der Deutschen Bank  war Bänziger ganz andere Vergütungen gewohnt. Für das letzte volle Jahr bei der Deutschen Bank in 2011 strich der Schweizer insgesamt fast 2,9 Mio. Euro (3,5 Mio. Franken) ein. In 2007 waren es sogar mit gut 5,6 Mio. Euro (6,8 Mio. Franken) fast doppelt so viel. In seiner gesamten Zeit als Risikovorstand der Deutschen Bank – von 2006 bis 2012 –  kassierte Bänziger insgesamt gut 20,8 Mio. Euro (28 Mio. Franken). Wenn der Schweizer also ebenso viel wie der scheidende Finma-Chef Raaflaub in 2012 verdienen würde, dann müsste Bänziger bei der Finma 55 Jahre arbeiten, um auf die gleiche Summe wie in den gut fünf Jahren im Vorstand der Deutschen Bank zu kommen. Da stellt das niedrigere Steuer- und Abgabenniveau in der Schweiz nur einen schwachen Trost dar.

Was Finma-Mitarbeiter in 2012 durschnittlich verdienten (in Franken)

Quelle: Reporting Personalmanagement 2012 der Finma

Quelle: Reporting Personalmanagement 2012 der Finma

Ähnliche Artikel:

Über die Branche VI: Compliance und Risikomanagement

Wie der Finanzplatz Schweiz vom Zypern-Chaos profitiert

Whistleblowing: Wieso Verpfeifen in der Schweiz eine Sünde und in Grossbritannien eine Tugend ist

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier