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Kommentar – Wer am 1. Mai im Glashaus sitzt

Pünktlich zum 1. Mai drehen die Gewerkschaften an den Lautstärkereglern. Verdi-Chef Frank Bsirske prangert eine “Kultur der Maßlosigkeit” an; und IG Bergbau, Chemie und Energie Kollege Hubertus Schmoldt brandmarkt gescheiterte Banker, die sich mit goldenem Handschlag in den vorübergehenden Vorruhestand verabschieden, als schamlos.

Natürlich haben die Gewerkschaften im Kern recht. Die schweigende Mehrheit in Deutschland ballt vermutlich die Fäuste in der Hosentasche, wenn wieder einmal ein einst gefeierter, aber von der Finanzkrise zurechtgestutzter Finanz-Ingenieur für seine langfristige Erfolglosigkeit abkassiert, während tausende Arbeitnehmer als mittelbare Folge dieser Inkompetenz um ihre Jobs zittern.

Nur mit welchem Recht spielen sich die DGB-Funktionäre eigentlich als die Retter der Enterbten auf? Oder ist die Mitbestimmung vor oder während der Finanzkrise in einer Nacht- und Nebel-Aktion abgeschafft worden?

Natürlich nicht! Und genau deshalb, riechen die wortgewaltigen Attacken der Gewerkschaften ein wenig, sagen wir mal angebrannt. Denn nicht nur die ach so bösen Kontrolleure aus dem Kapitallager haben ihre Kontrollaufgaben in den Aufsichtsräten vernachlässigt – auch die Arbeitnehmervertreter haben sich nicht mit Ruhm beklettert.

Der Hinweis, dass die Gewerkschaften nicht in den Vergütungsausschüssen der Aufsichtsräte von Banken und Großunternehmen sitzen, und deshalb keinen Einfluss auf die Höhe von Boni hätten, kann übrigens nicht überzeugen. Schließlich ist ein Vorstand nur so stark, wie es der Aufsichtsrat zulässt. Und wenn die Gewerkschaften ihre Kontrollfunktion seit Jahrzehnten als Alibi-Veranstaltung interpretieren und am Ende alles abnicken, dann stellt sich die Frage, wozu Deutschland überhaupt “starke” Gewerkschaften in den Kontrollgremien braucht.

Ein mannhaftes Mea Culpa für die Versäumnisse und das Versprechen, Vorstände ab sofort härter anzupacken, hätte den führenden Gewerkschaftern an diesem warmen Mai-Feiertag ein Stück weit das wiedergegeben, was viele Nicht-Gewerkschaftsmitglieder vermutlich am meisten vermissen: GLAUBWÜRDIGKEIT

So dürfen wir sicher sein, dass sich auch in den nächsten zwölf Monate nichts ändern wird – und in einem Jahr die gleichen, hohlen Parolen den “Tag der Arbeit” entehren werden.

Kommentare (1)

Comments
  1. Herr “Schreiberling”, denn zu den Redakteuren mit Wissen gehoeren Sie eindeutig nicht! GLAUBEUERDIGKEIT? Da fangen Sie doch mal bei sich selbst an.
    Wenn Sie ein wenig Ahnung haetten, wuessten Sie, dass 1.) Gewerkschafter im AR kein Stimmrecht haben, und falls in wenigen AR doch, dann werden diese ueberstimmt!
    2.) AR-Mitglieder sind im Prinzip ein eigener Pool: komm in meine AR, dann berufe ich Dich in meine AR.
    3.) Waehrend die breite MAsse, also die Arbeitnehmer, jetzige und zukuenftige Pensionisten, jetzige und zukuenftige Steuerzahler die “Schei…” ausbaden werden muessen, naemlich durch verkuerzte Sozialleistungen und zukuenftig hoehere Steuern und Abagben, haben sich die Vorstaende und AR noch Tantiemen in Millionenhoehe ausbezahlt (siehe Punkt 2).

    Also, belassen Sie Ihre “geistigen Erguesse” bei sich und denken Sie daran, es gibt auch noch Menschen mit Verstand, diese sind aber vorwiegend in der “Arbeiterklasse” zu finden, als Unternehmer mittelstaendischer und kleiner Unternehmen usw. Aber wie es die Realitaet zeigt weder als Voerstaende, AR und leider auch nicht als Journalisten.

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