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GASTKOMMENTAR: Wie man seinen eigenen Chef bewertet

Meine Erfahrungen mit Einstellen und Eingestellt werden sind wie folgt: Während wir versuchen ein korrektes Bild von uns selbst abzugeben, investieren wir manchmal zu wenig darauf, unseren potenziellen Vorgesetzten zu evaluieren. Vor einigen Jahren stieß ich auf eine einfache Methode, Vorgesetzte und Kollegen zu evaluieren. Dabei handelt es sich um eine 2×2-Matrix mit “effizient/ineffizient” auf der einen Achse und “gutmütig/böse” auf der anderen.

Sie können die Begriffe “effizient/ineffizient” und “gutmütig/böse” auf Ihre jeweils eigene Weise interpretieren. Für mich bedeutet effizient, schlau und kreativ zu sein oder über eine andere grundlegende Eigenschaft zu verfügen, um den Job effizient auszuüben wie beispielsweise gute Sozialkompetenzen und ein gutes Netzwerk zu besitzen, wenn Sie in Sales arbeiten. “Ineffizient” heißt, dass jemand seinen Job schlecht macht. Falls eine derart ineffiziente Person Ihr Vorgesetzter ist, dann kann er oder sie eine ernste Bedrohung für Ihre Jobsicherheit darstellen.

“Gutmütig” spricht indes für sich selbst. Dabei handelt es sich um jemanden, bei dem das Unternehmenswohl an erster Stelle kommt, der ein Teamspieler ist und sich fair und unterstützend gegenüber seinen Kollegen und Untergebenen verhält – mit anderen Worten handelt es sich um eine in vielfacher Weise positive Persönlichkeit. Unter “schlecht” verstehe ich normalerweise jemanden, der politisch agiert, intrigiert und manipuliert – derartige Leute bevölkern die Finanzzentren in großer Zahl.

Gut und Böse erkennen

Doch wie erkennen Sie gute, schlechte, effiziente und ineffiziente Züge an Ihrem Vorgesetzten?

Die Effizienz lässt sich von den Fragen erschließen, die Ihnen gestellt werden. Darüber hinaus kann dies auch aus den Antworten auf Ihre Fragen geschlossen werden. Scheint Ihr potenzieller Chef zu wissen, worum es in Ihrem Job geht? Falls nicht, dann sitzen Sie womöglich einem “Generalisten” gegenüber, der wenig überzeugend auf Kunden wirkt, die ihre eigenen Trades gründlicher kennen.

Da es für “gut” und “böse” keinen Ersatz für eine gute Antenne für menschliches Verhalten gibt, können Sie nach den größten Erfolgen in den Abteilungen Ihrer Gesprächspartner fragen. Falls er oder sie das Wort “Ich” öfter als “Wir” verwendet, dann gibt es allen Grund zur Vorsicht, sofern es Ihnen nicht egal ist, wenn jemand Ihren Beitrag für sich beansprucht. Andere Hinweise bestehen in Herablassung, im Schmälern Ihrer eigenen Leistungen und generell in einem arroganten Auftritt.

Von entscheidender Bedeutung ist auch das Networking nach einem Vorstellungsgespräch: Hören Sie sich nach Ihrem potenziellen Vorgesetzten um. Ihr Background wird auch geprüft, wieso drehen Sie dann nicht einfach den Spieß um?

Meine Stellung zur Matrix

Im Laufe der Zeit gewann die Matrix auch Voraussagekraft für mich. Die “effizienten” und “guten” Vorgesetzten sind an die Spitze aufgestiegen, allerdings nicht immer ohne die im Leben unvermeidlichen Rückschläge, während die “ineffizienten” irgendwann einmal an die Seite rückten. Denn das Bankgeschäft verhält sich darwinistisch. Und die “schlechten” Leute erhalten im Laufe der Zeit alles zurück, üblicherweise wenn Sie selbst straucheln.

Manipulierende Leute werden oft als solche von ihren eigenen Vorgesetzten gesehen, denn wer in einem Unternehmen an die Spitze gelangt, ist normalerweise keine Niete in der Beurteilung menschlichen Verhaltens. “Böse” Leute könnten keine Nachsicht erwarten, wenn Sie selbst einen Fehltritt machen. Ich habe “Bösartigkeit” stets als eine Karrierestrategie betrachtet, die ein höheres Risiko- als Gewinn-Potenzial birgt, selbst falls Sie “effizient” arbeiten sollten.

Ich habe alle meine früheren Vorgesetzten analysiert und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen:

52 Prozent meiner Karriere habe ich für “effiziente und gute” Vorgesetzte gearbeitet.

9 Prozent meiner Karriere habe ich für “effiziente und böse” Vorgesetzte gearbeitet.

29 Prozent meiner Karriere habe ich “ineffiziente und gute” Vorgesetzte gearbeitet.

10 Prozent meiner Karriere habe ich für “ineffiziente und schlechte” Vorgesetzte gearbeitet, glücklicherweise war ich dort zumeist mit Garantiebonis angestellt.

Sie gewinnen übrigens keinen Preis, wenn Sie wissen, für welche Art von Vorgesetzten ich am liebsten gearbeitet habe. Allerdings habe ich zu viel Zeit darin investiert, für Leute zu arbeiten, die sich als “ineffizient, aber gut” erwiesen. Wahrscheinlich habe ich eine Vorliebe für gutmütige Leute. So glaube ich bis zu einem gewissen Grad an Karma, zumindest soweit Gutes Gutes erzeugt. Dennoch bin ich vielleicht ein wenig naiv, wenn ich glaube, dass Gutmütigkeit zumindest teilweise Ineffizienz kompensiert.

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