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Die Erniedrigung des Raoul Weil: Wie die U-Haft dem ehemaligen UBS-Manager zusetzt

Raoul Weil auf dem Foto des Sheriff's Office.

Raoul Weil auf dem Foto des Sheriff's Office.

Kaum zu glauben, dass  es sich um denselben Mann handelt. Auf dem offiziellen Bankfoto hat der ehemalige Wealth Management-Vorstand der UBS ein leichtes Lächeln im Gesicht. Mit Krawatte, einem perfekt sitzenden Anzug und grauen Schläfen blickt der Spitzenbanker souverän in die Augen des Betrachters. Keine Frage: Dieser Mann ist Herr der Lage.

Doch auf dem Foto des Broward Sheriff’s Office in Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida ist Raoul Weil plötzlich nur noch Mensch und zwar ein zusehends gedemütigter.

In den USA gibt es immer noch so eine Art Pranger, in dem die Beschuldigten öffentlich zur Schau gestellt werden. So lassen sich die Arrestdaten des Sheriff’s Office problemlos von jedermann einsehen – Foto eingeschlossen. So erfährt man, dass Weil 6,0 Fuß groß ist und 190 amerikanische Pfund wiegt.

Auf dem Foto starrt der 54jährige in einem einfachen dunklen Baumwollt-T-Shirt in die Kamera. Das Haar ist ergraut und das souveräne Lächeln ist der Resignation gewichen. Die rund zweimonatige Auslieferungshaft in einem überbelegten italienischen Gefängnis haben sichtbar Spuren hinterlassen.

Ob Weil wieder zu seiner ehemaligen Souveränität zurückkehren kann?

Zumindest muss der Schweizer nicht mehr in einem Gefängnis verbringen. Denn ein US-Bundesgericht hat Weil in der vergangenen Nacht für eine Kaution in Höhe von 10,5 Mio. US-Dollar auf freien Fuß gesetzt.  4 Mio. Dollar muss er dabei bar hinterlegen. Das Weihnachtsfest kann Weil also bei Freunden in New Jersey verbringen. Der nächste Gerichtstermin steht erst im Januar an.

Raoul Weil noch als UBS-Manager.

Raoul Weil noch als UBS-Manager.

Obgleich das Foto etwas anderes zeigt, versucht sein Anwalt Optimismus zu verbreiten. „Herr Weil freut sich darauf, endlich in der Lage zu sein, sich verteidigen zu können“, sagte Aaron Marcu dem Tages-Anzeiger. „Er hat stets bestritten, etwas Illegales getan oder davon gewusst zu haben. Wir sehen dem Gerichtsprozess und der Möglichkeit, unserer Seite darzustellen, zuversichtlich entgegen.“

Die US-Justiz wirft Weil seit November 2008 vor, zwischen 2000 und 2007 tausenden von US-Bürgern bei der Steuerflucht geholfen zu haben. Während sich die UBS im Februar 2009 mit 780 Mio. US-Dollar und der Herausgabe der Daten von 4500 US-Kunden freikaufte, verfolgte die US-Justiz Weil weiter. Da die Schweiz keine Landsleute an die USA ausliefert, was der ehemalige Spitzenbanker zuhause vor dem Zugriff der US-Justiz sicher.

Allerdings reiste Weil mit seiner Frau im Oktober nach Bologna und übernachtete dort in einer stadtbekannten Nobelherberge. Einem Polizeibeamten fiel der Name Weils auf der Meldeliste des Hotels auf. Die italienische Polizei nahm Weil fest und lieferte ihr vor einigen Tagen an die USA aus. In Zürich fragten sich seinerzeit einige: „Was den wohl geritten hat, nach Bologna zu reisen.“ In den USA drohen dem Banker eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar.

Plaudert Weil Interna aus, um mildes Urteil zu erhalten?

Noch ist völlig offen, welche Verteidigungsstrategie die US-Anwälte Weils anstreben. In Zürich geht derzeit die Angst um, dass sich Weil als reuiger Sünder präsentieren könnte und der US-Justiz prekäre Interna zum Wealth Management-Geschäft der UBS ausplaudert, um ein mildes Urteil zu erhalten. Dann könnte noch so manch anderer Schweizer Banker gedemütigt in die Kamera eines US-Sheriff’s Office blicken.

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