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Wie Schweizer ticken: Was CS-Präsident Rohner über Mentalität seiner Landsleute und die Zukunft des Swiss Banking denkt

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Ausgerechnet in einem Interview auf der eigenen Unternehmenswebsite macht Credit Suisse-Präsident Urs Rohner seinem Ärger ein wenig Luft – allerdings nur auf Englisch. Wir haben die wichtigsten Kritikpunkte an der Schweizer Mentalität, der steigenden Regulierung und dem Swiss Banking zusammengefasst:

Schweizer sind risikoscheu

„Manchmal herrscht ein Mangel an innerer Großzügigkeit, anderen eine zweite Chance zu geben. Dies stellt einen fundamentalen Unterschied zwischen z.B. der Schweiz und den USA dar, wo es als normal betrachtet wird, dass die Menschen einmal scheitern und sich wieder nach oben arbeiten. Es ist dort auch nicht unüblich, die Karriere zu wechseln. Wir verzeihen nicht so leicht und dies bringt die Menschen dazu, sich vor einem Scheitern zu fürchten und wenige Risiken einzugehen.“

Aufsichtsbehörden trauen sich gegenseitig nicht über den Weg

Weiter stört sich Rohner an der wachsenden internationalen Regulierung. „Sind wir ehrlich: Am Ende des Tages trauen sich die Regulierungsbehörden gegenseitig nicht zu, die Krise zu bewältigen. Deswegen verlangen z.B. die US-Behörden, dass bedeutende ausländische Banken ihre dortigen Geschäftstätigkeiten in zwischengeschaltete Holdinggesellschaften bündeln, die in Bezug auf die Eigenkapitalausstattung und das Kreditlimit ihren eigenen Regulierungen unterliegen. Dies stellt einen Versuch dar sicherzustellen, dass die Gesellschaften über genügend Kapital verfügen, falls etwas schieflaufen sollte.“

Schlechte Karten für kleine Privatbanken

Darüber hinaus prognostiziert Rohner den Untergang kleinerer Player auf dem Schweizer Wealth Management-Markt. „Die Kosten für Compliance und IT werden aufgrund der internationalen Regulierung auch weiterhin in den Himmel steigen. Es kann kleineren und mittelgroßen Unternehmen schon sehr schwer fallen, die steigenden Kosten zu kompensieren, was den Konsolidierungsprozess vorantreiben kann. Sie müssen beachten, dass all dies in einem Umfeld passiert, in dem die Geschäftsmargen in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken sind.“

Automatischer Informationsaustausch wird kommen

Auch der automatische Informationsaustausch stellt für Rohner nur eine Frage der Zeit dar. „Ich möchte nicht über den Zeithorizont spekulieren, aber ich denke, dass irgendeine Form des automatischen Informationsaustauschs zum weltweiten Standard wird. Dies wird die Schweiz letztlich nicht verhindern können.“ Allerdings müssten die Schweizer Banken im Gegenzug einen diskriminierungsfreien Zugang zu den Märkten derjenigen Länder erhalten, mit denen ein solcher Austausch vereinbart werde.

Die Zukunft des Private Banking liegt im Internet

Nicht zuletzt stelle der Trend zur Digitalisierung und zum Online-Geschäft eine große Herausforderung für die Banken dar. „Die Kunden wollen rund um die Uhr weltweit den Zugang zu Marktdaten und ihren Portfolios, ganz gleich wo ihre Anlagen auch gebucht werden. Sie wollen in der Lage sein, ihre Portfolios nach allen Risikoarten zu prüfen“, sagt Rohner weiter. Der Trend zur Digitalisierung stelle für die Banken einen großen Schritt dar.

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