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Wie der Berufseinstieg in Compliance und Risikomanagement gelingt

(Photo credit: Wikipedia)

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Das Risikomanagement einer Bank zielt darauf ab, dass die Mitarbeiter auf der Suche nach Rendite nicht allzu große Risiken eingehen und damit für die Bank oder sogar für ganze Volkswirtschaften zu einer veritablen Bedrohung werden. Nachdem nahezu jede Investmentbank in der Finanzkrise Milliarden abschreiben musste, gewann das Risikomanagement eine ganz neue Bedeutung.

Risikomanager versuchen die Angestellten einer Bank dazu zu bringen, keine riskanten Verhaltensweisen zu entwickeln. Die Compliance-Teams wachen wiederum darüber, dass die jeweiligen Gesetze und Regularien tatsächlich eingehalten werden.

Seit der Finanzkrise zeigen die Aufsichtsbehörden immer häufiger ihre Zähne. Da die einzelnen Länder z.T. recht unterschiedliche Regulierungsansätze verfolgten, wurden überdies die Rufe nach einer internationalen Koordinierung immer lauter.

Von besonderer Bedeutung für Europa ist dabei Basel III, das die Banken dazu zwingt, mehr hartes Eigenkapital vorzuhalten und riskante Geschäfte mit mehr Kapital zu unterlegen. In den USA stellt der von der Obama-Regierung eingeführte Dodd-Frank Act höhere Anforderungen an die Compliance. Damit sollen Großbanken zu einer vorsichtigeren Politik gebracht werden. Dies gilt besonders für Institute, die zu groß sind, als dass man sie klanglos untergehen lassen könnte („too big to fail“-Problematik).

Dadurch haben die Risikomanager viel mehr Arbeit als in der Vergangenheit und die Banken mussten kräftig neues Personal anheuern. Seit der Finanzkrise hat Morgan Stanley beispielsweise die Anzahl der Beschäftigten im Risikomanagement verdoppelt. Auch Compliance-Experten sind heiß begehrt.

In Deutschland ist in erster Linie die BaFin für die Regulierung zuständig und in der Schweiz die Finma. In Großbritannien wird die regulatorische Gewalt von der Bank of England, der Financial Conduct Authority (FCA) und der Prudential Regulation Authority (PRA) wahrgenommen. In den USA spielt die SEC den Wachhund.

Europäische Unternehmen werden nicht nur durch nationale Organisationen kontrolliert, sondern stehen zusätzlich unter der Kontrolle der European Securities and Markets Authority (EBA), der Europäischen Bankenaufsicht. Darüber hinaus baut die Europäische Zentralbank in Frankfurt eine zentrale Bankenaufsicht mit 1000 Mitarbeitern auf. Ähnliche europaweite Aufsichten gibt es für das Versicherungswesen und das Wertpapiergeschäft.

Positionen und Laufbahnen

Die Jobs im Risikomanagement von Investmentbanken werden üblicherweise nach Risikoarten unterschieden.

Marktrisiko: Hierunter versteht man das Risiko, das aus Preisschwankungen an den Finanzmärkten resultiert. So können z.B. gehandelte Finanzprodukte (Aktien, Anleihen oder Rohstoffe) gleichzeitig wegen externer Ereignisse wie beispielsweise steigender Ölpreise fallen. Das Marktrisiko wird auch als „systemisches Risiko“ bezeichnet, weil erhebliche Preisschwankungen zum Naturell von Finanzmärkten gehören.

Kreditrisiko: Darunter versteht man das Risiko, dass Staaten, Unternehmen und Privatpersonen einen Kredit oder Anleihen nicht mehr bedienen können.

Operatives Risiko: Hierbei geht es um Schäden, die der Bank durch interne Faktoren wie IT oder Fehlentscheidungen der Mitarbeiter drohen. Wenn Absolventen bei einer Investmentbank als Trainee einsteigen, werden sie wahrscheinlich durch die verschiedenen Risikobereiche rotieren. Die Jobs im Compliance der Investmentbanken können ebenfalls in verschiedene Kategorien unterteilt werden.

Sales & Trading Compliance: Dies dreht sich um die Zusammenarbeit von Verkäufern und Händlern. Damit sollten die nationalen Regulierungen eingehalten werden. Die entsprechenden Spezialisten werden oft nach Anlageklassen wie Anleihen, Aktien und die dazugehörigen Derivate unterteilt.

Control Room Compliance: Diese kümmert sich um zentrale Aufgaben wie das Pflegen der Sperrliste (die den Zugang zu vertraulichen Informationen auf bestimmte Mitarbeiter beschränkt) und die Untersuchung anormaler oder alarmierender Handelsaktivitäten. Sollte Personal auf der „Anhalten und Überwachen“-Liste stehen, wird die Control Room Compliance die Einhaltung sicherstellen.

Überwachung und Kontrolle: Hierbei geht es um verdächtiges Verhalten und Transaktionen, die Anzeichen für betrügerische Aktivitäten wie Insidergeschäfte oder Marktmanipulationen sein können.

Geldwäschevereitelung: Das sogenannten Anti Money Laudering versucht die Geldwäsche zu unterbinden, wobei Kapital aus kriminellen Quellen wie z.B. dem Drogenhandel gewaschen werden.

Gehalt und Boni

Bei Compliance und Risikomanagement sind  im Zuge der Finanzkrise sowohl die Gehälter als auch die Zahl der Mitarbeiter kontinuierliche angestiegen. Ein Compliance-Verantwortlicher kann nach einer Erhebung der Personalvermittlers Robert Walters zwischen 184.000 und 386.000 Euro Gehalt erwarten. Die Gehälter für Einsteiger und Associates belaufen sich auf 44.000 bis zu 59.000 Euro und steigen bis zum Vice President-Level auf 88.000 bis 143.000 Euro an.

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Gesuchte Kompetenzen

Die Aufgaben im Risikomanagement sind häufig stark mit mathematischen Modellen und IT-Systemen verbunden. Bei der Compliance geht es indes oft um komplexe rechtliche Vorgaben. Da Risiko- und Compliance-Spezialisten mit den übrigen Angestellten der Bank eng zusammenarbeiten müssen, kommen auch der Kommunikations- und Teamfähigkeit große Bedeutung zu.

„Absolventen benötigen Neugier, die Fähigkeit Informationen schnell zu interpretieren, das Auge fürs Detail und gute Kommunikationsfähigkeiten“, meint Charles Eve, Compliance-Chef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika bei Goldman Sachs.

Risikomanager müssen oft schwierige Entscheidungen treffen, die bei den übrigen Mitarbeitern nicht immer wohlwollend aufgenommen werden. Insbesondere Trader wünschen sich gelegentlich Risikomanager, die das ein oder andere Auge zudrücken. In der Praxis erfordert der Job einen scharfen Blick für Details und die Fähigkeit, die im Unternehmen gefestigten Einstellungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Risikomanager müssen kritische Fragen stellen können.

„In den zurückliegenden Jahren ist Compliance im Investmentbanking zu einer Kernfunktion geworden. Es verlangt anspruchsvolle Standards und eine hohes Niveau an Zuverlässigkeit“, sagt Eve. „Wir suchen nach analytisch geprägten Persönlichkeiten, die exzellente Fähigkeiten im Projektmanagement und ein reges Interesse an den Finanzmärkten, Produkten und den Gesetzen zu Wertpapieren und Regulierungen mitbringen.“

Beim Risikomanagement handelt es sich um eine technische Disziplin. Absolventen sollten daher mit guten mathematischen Fähigkeiten gewappnet sein sowie Differentialgleichungen und die finanzmathematische Modellierung beherrschen. Sie müssen die Theorie in der Praxis anwenden und daher suchen die Banken auch nach findigen Leuten, wenn es um Problemlösungen geht.

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