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Aufschwung voraus: Was führende Schweizer Headhunter für 2014 prognostizieren

Glaskugel

Alljährlich veranstaltet eFinancialCareers.ch in Zürich einen Roundtable mit führenden Financial Services Headhuntern aus der Schweiz. Die Stimmung fiel Ende Oktober deutlich besser als im Vorjahr aus. Es ließen sich sogar einige fröhliche Gesichter beobachten. Für Finanzprofis auf Jobsuche stellt dies ebenfalls eine gute Nachricht dar. Denn mehr Aufträge für Headhunter bedeuten auch mehr Karrierechancen für Finanzprofis.

Zahl der offenen Jobs steigt

Das internationale Recruitment-Unternehmen Robert Walters erhebt vierteljährlich den sogenannten European Job Index. „Der Trend für die Schweiz zeigt eindeutig nach oben. Wir registrieren einen Jobzuwachs in den Finanzdienstleistungen im dritten Quartal gegenüber Q2 von 26 Prozent“, erzählt Till Rodheudt, Managing Director Germany & Switzerland bei Robert Walters.

Neben den traditionell gesuchten Positionen in Compliance und Legal würden jetzt auch weitere Profile nachgefragt. So registriert Robert Walters ein Anziehen in der Versicherungsbranche, was sowohl Corporate Funktionen als auch Frontoffice-Stellen erfasse. Darüber hinaus würden Immobilien zunehmend als Asset-Klasse entdeckt. „Da hat die Schweiz gegenüber anderen westeuropäischen Ländern noch einen Nachholbedarf“, erläutert Rodheudt. „Die Pensionskassen investieren immer mehr in Immobilien. Dort wird der Markt ausgebaut.“ Entsprechend steige die Nachfrage nach einschlägigen Profilen.

Wachsende Nachfrage nach Senior Managern stellt Indiz für kommenden Aufschwung dar

„Es werden auch wieder mehr Leitungsfunktionen gesucht“, ergänzt Rodheudt. Mit dem Anheuern von Senior Managern kaufen sich Unternehmen üblicherweise externes Know-how ein. Darüber hinaus würden auch mehr strategische Positionen im Marketing geschaffen. „Diese Frühindikatoren weisen darauf hin, dass die Unternehmen wieder mehr investieren wollen.“

Verhalten optimistisch zeigt sich auch Headhunterin Karin Signer von Signer-Beratungen in Zürich. „Ich habe ein positiveres Jahr erlebt, als ich es am Anfang des Jahres erwartet habe. Ich bin für 2014 sehr zuversichtlich“, sagt Signer.

Die Headhunterin beobachtet ein spürbares Nachfragewachstum nach Personal Assistants (PA) und Executive Assistants. Dies spreche dafür, dass es auch vermehrt zu Personalwechseln auf den Führungsetagen komme.

Kundenbetreuer werden gesucht

Schon das ganze Jahr über würden verstärkt Kundenbetreuer im Corporate Banking und Asset Management gesucht, sagt Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich, der hauptsächlich Front Office-Positionen besetzt. Im Asset Management wären überdies Spezialisten für die Bereiche Real Estate und Private Equity gefragt.

Auch neue Player würden sich in der Schweiz ansiedeln, um ihr Geschäft auszubauen. „Das haben wir in 2012 nicht so gesehen. Das stimmt optimistisch“, ergänzt Surber. Die Gespräche mit den Kunden zu ihrem Personalbedarf in 2014 seien noch am Laufen. Dennoch zeichne sich ab, dass sich der positive Trend in 2014 fortsetze.

Im Private Banking spielt Persönlichkeit größere Rolle als die Business Pläne

Laut Signer würden auch weiterhin Kundenbetreuer im Private Banking angeheuert. „Der Business Plan steht nicht mehr nur im Vordergrund. Ein Kandidat muss vielmehr auch Persönlichkeit mitbringen“, sagt die Headhunterin. Die „Wertigkeit des Menschen“ habe an Bedeutung gewonnen. Die Banken hätten erkannt, dass Kundenbetreuer deutlich weniger Kundenvermögen von ihrem vorherigen Arbeitgeber mitbringen könnten, als das in der Vergangenheit versprochen wurde. Daher spielen jetzt Berufserfahrung, Qualifikation und eben auch die Persönlichkeit eine größere Rolle.

Asset Management braucht mehr Personal für Wachstumsstrategie

Auch im Asset Management geht es langsam aufwärts. „Wir beobachten, dass die Banken und Asset Manager ihre Investmentexpertisen beispielsweise mit Investment-Spezialisten, Advisory-Fachleuten und Portfolio-Managern verstärken“, sagt Headhunter Thomas Bossard von Bianchi Partner in Zürich. Wenn sich das Asset Management zu einem Exportschlager der Schweiz entwickeln wolle, müsse es auch in Talente und Spezialisten investieren.

„Die Lage am Arbeitsmarkt ist besser als die Stimmung. Fakt ist, dass der Finanzplatz Schweiz sehr professionell operiert und weiter für Kompetenz, Professionalität und Qualität stehen wird. In das wird investiert. Meine Meinung ist, dass Zeichen für einen konstruktiven und gezielten Aufschwung gegeben sind.“

Im kommenden Jahr könnte es somit noch besser werden. „Wir sehen, dass die Anzeichen für 2014 in der Personalplanung und in der Personalbeschaffung ermutigender sind als im laufenden Jahr“, betont Bossard. Dafür sorge auch, dass viele Finanzdienstleister ihre Wertschöpfungsketten umstrukturieren würden.

Temporäre Beschäftigung erlebt kleinen Boom

Headhunter Peter Vogler von kessler.vogler in Zürich beobachtet einen anhaltenden Aufschwung in der temporären Beschäftigung. „Die temporäre Arbeit ist seit der Finanzkrise nicht mehr wegzudenken. Sie hat sich mittlerweile auch in der Schweiz institutionalisiert.“ Von einer 100 Mann starken Abteilung seien oftmals z.B. 10 Prozent nur noch temporär beschäftigt. Dies habe den Vorteil, dass ein Manager keinen zusätzlichen Headcount bewilligt bekommen müsse. Außerdem würden Kosten für temporäre Beschäftigung nicht im Personal-, sondern im Sachaufwand eines Unternehmens verbucht.

Dabei gehe es um eine ganze Bandbreite von Profilen von der IT, in der traditionell projektbezogen gearbeitet werde, über Tax, Legal und Regulation bis hin zu Projektmanagern. So gebe es eine Fülle von Restrukturierungen und Integrationen von Bankgeschäften. Dafür werde zeitlich begrenzt Personal nachgefragt.

Temporäre verdienen teilweise mehr als Festangestellte

Auch Personalvermittler Peter Zürcher von Adecco beobachtet eine anhaltend hohe Nachfrage nach temporärer Beschäftigung in der Schweiz. Zürcher sieht dies in einem breiteren Trend zum Outsourcing, der die gesamte Finanzbranche erfasst habe. Neben der kompletten Auslagerung würden häufig auch temporäre Beschäftigung genutzt. Denn bestimmte Funktionen müssten aus rechtlichen Gründen in-house erfolgen, wobei sich die temporäre Beschäftigung als Alternative zum Outsourcing anbiete.

Neben der IT und dem Projektmanagement werde temporäre Beschäftigung auch im Controlling nachgefragt. Auch die „Altlastenbeseitigung“ wie z.B. die Steuerstreitigkeiten mit den USA und Deutschland sorge auf unabsehbare Zeit für Nachfrage.

Die Bezahlung bei temporärer Beschäftigung könne durchaus mit einer Festanstellung mithalten. „Zum Teil verdienen sie sogar mehr. Denn die Bezahlung erfolgt auf Stundenbasis. Da bei Banken schnell einige Überstunden zusammenkommen, kann sich das für bestimmte Berufsgruppen lohnen“, sagt Zürcher.

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