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„Wer jetzt nicht einstellt, verliert Marktanteile“: Recruitment-Karussell beginnt sich wieder zu drehen

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Die Sauregurkenzeit scheint sich auf dem Arbeitsmarkt für Finanzprofis zumindest in Deutschland dem Ende zu nähern. „Wir werden von den Kunden überrannt, wie das seit 2005 nicht mehr der Fall gewesen ist“, beobachtet der auf Asset Management spezialisierte Headhunter Carsten Kröhl von Heads! in Frankfurt. „Als hätte jemand im Sommer den Hebel umgelegt.“

Gesucht würden vor allem Sales-Mitarbeiter. Doch auch der Markt für Portfolio-Manager würde wieder anziehen. Während der Krise sei die Nachfrage nach Institutional-Sales niemals abgerissen. Besonders auffallend ist indes, dass mittlerweile auch Wholesales-Experten wieder gefragt seien. „Da wird jetzt auch auf breiter Front gesucht: Ausländische und inländische, große und kleine Kapital-Anlage-Gesellschaften“, ergänzt Kröhl. Den rasanten Nachfrageanstieg führt der Headhunter darauf zurück, dass die Fondsgesellschaften ihr Geschäft gegen die Begehrlichkeiten der Konkurrenz verteidigen wollten. „Wer jetzt nicht einstellt, verliert Marktanteile“, meint Kröhl.

Dabei würden sich auch im Wholesales-Bereich die gefragten Profile langsam verändern. Im Institutional-Sales sei schon seit langem der „Beratertyp“ gefragt, dagegen sei es im Retail-Geschäft in der Vergangenheit nur um Abschlüsse gegangen. Doch diese Zeiten seien passé. Zwar sei „Abschlussstärke“ auch weiterhin relevant, dennoch wüchsen die Ansprüche an die Qualifikation und Kompetenzen der Mitarbeiter. CFA, CIIA oder CAIA spielten auch im Wholesale-Sales eine wachsende Rolle. „Englisch ist ebenfalls sehr wichtig. Sie glauben gar nicht, wie viele Leute damit immer noch zu kämpfen haben“, sagt Kröhl.

Die meisten Aufschwünge beginnen mit der Nachfrage nach Sales-Experten

Das massive Anziehen der Nachfrage nach Sales-Positionen ist ein sehr gutes Omen. Denn traditionell werden bei einem beginnenden Aufschwung zunächst Sales-Positionen besetzt, da diese am ehesten Erträge versprechen und damit die Einstellungshürden relativ niedrig liegen. Später folgen andere Positionen im Middle- um Backoffice, um die wachsende Vertriebskraft zu unterstützen.

Da frisch angeheuerte Sales-Mitarbeiter oftmals von der Konkurrenz stammen, reißt ihr Abgang dort Lücken. Auf diese Weise setzte sich in vergangenen Aufschwüngen regelmäßig langsam das Recruitment-Karussell in Fahrt. So scheint es auch diesmal zu sein – auch jenseits des Asset Management.

Im Corporate & Investment Banking wird ebenfalls gesucht

„Ja, der Markt zieht an. Alles, was Frontoffice ist, wird gesucht“, bestätigt Executive Search-Experte Andreas Krischke von Indigo Headhunters in Frankfurt. Die Banken hätten in der Vergangenheit zunächst abgewartet, wie folgenschwer sich die schärferen Eigenkapitalvorschriften nach Basel III auf die Erträge auswirken würden. Mittlerweile habe sich die Ansicht durchgesetzt, dass die Auswirkungen wohl nicht so gravierend ausfielen wie befürchtet.

„Ad hoc wurden auf einen Schlag lange geplante Headcounts freigegeben“, beobachtet Krischke. So habe die Nachfrage seit September kräftig angezogen. „Viele wollen die Mitarbeiter noch bis Ende des Jahres an Bord haben.“

Vor allem die ausländischen Institute seien aktiv. „Für die meisten Auslandsbanken ist Deutschland derzeit ein Wachstumsmarkt“, ergänzt Krischke. Denn die Institute wollten alle vom international erfolgreichen deutschen Mittelstand profitieren. „Umgekehrt entdeckt der Mittelstand die Finanzierung über die Kapitalmärkte.“ So emittierten immer mehr mittelständische Unternehmen selbst Anleihen. Und auch für das urdeutsche Thema Schuldscheine würden Experten stark auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt. „Alle Auslandsbanken haben das Thema Schuldscheine auf die Agenda geschrieben.“

HSBC Trinkaus und BNP Paribas wollen jeweils 500 neue Jobs schaffen

Ein flinker Blick auf die Aktienmärkte zeigt, wie die Aktienmärkte den deutschen Mittelstand einschätzen. So konnte der DAX in den fünf Jahren vor dem 1. November 2013 um 81 Prozent auf 9008 Punkte zulegen – eine Performance, bei der jeder Sparbuchbesitzer vor Neid erblassen dürfte. Doch dies ist nichts im Vergleich zum MDAX. Dieses Aktienbarometer schoss im gleichen Zeitraum sogar um stolze 191 Prozent auf 16.007 Punkte in die Höhe.

Mithin zeigten sich einschlägige Auslandsbanken kürzlich forsch. So führte BNP Paribas Deutschland-Personalchef Carsten Esbach in einem Interview mit eFinancialCareers aus, wo die französische Großbank 500 neue Stellen schaffen will. Um die gleiche Zahl will auch HSBC Trinkaus in Düsseldorf seine Mannschaft in Deutschland verstärken, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. „Davon entfallen 200 auf den Firmenkundenbereich. Das geht aber auch weiter bis in den administrativen Bereich, ins Middle- und Backoffice hinein“, sagt der Sprecher. Doch auch in Global Banking & Markets sowie im Private Banking werde aufgestockt.

Dagegen gibt Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Hinblick auf die Aussagen seiner Kollegen ein wenig Wasser in den Wein: „Ich finde das ein wenig optimistisch. Die Nachfrage nach Vertriebskräften hat zwar tatsächlich angezogen – selbst Portfolio Manager werden wieder eingestellt, die Nachfrage ist aber immer noch sehr selektiv und die Arbeitgeber sind sehr wählerisch.“

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