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Keine Lösung für Ertragsschwäche in Sicht: Wie schwer fällt der Absprung von der Commerzbank?

Noch-Commerzbank-Vorstand Jochen Klösges.  (Foto: Commerzbank AG)

Noch-Commerzbank-Vorstand Jochen Klösges. (Foto: Commerzbank AG)

Die Commerzbank scheint sich auch im dritten Quartal kaum nachhaltig in die Gewinnzone retten zu können. Die Analysten rechnen im Schnitt mit einem Vorsteuergewinn von 63 Mio. Euro, was angesichts der Probleme der Bank nur einen Tropfen auf den heißen Stein wäre. Allerdings schwanken die Vorhersagen zwischen 16 Mio. und 115 Mio. Euro. Am kommenden Donnerstag (7. Oktober) wird die teilverstaatlichte Bank ihre Ergebnisse für das dritte Quartal präsentieren.

Die Wirtschaftswoche zitiert überdies aus einem internen Bericht, wonach die Zielerreichung des Konzerns im ersten Halbjahr bei gerade einmal 66 Prozent liegt. Bei der bisherigen Gewinnmaschine Mittelstandsbank liegt die Quote sogar nur bei 42 Prozent, was der Bericht indes als „Normalisierung“ bezeichnet. Dagegen konnte sich die interne Bad Bank (Non Core Assets) mit 124 Prozent gut schlagen.

Das große Rätsel: Wohin wechselt Klösges?

Für diesen Bereich sind ausgerechnet die beiden Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber verantwortlich, die Commerzbank-Chef Martin Blessing auf die Abschlussliste verfrachtet hat. Seit Monaten schwelt bereits der Streit über die möglichen Abfindungen der beiden Vorstände, die für Noch-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu hoch ausfallen.

Laut Informationen des Handelsblatts scheint sich zwischenzeitlich eine Lösung zumindest für den Fall Klösges abzuzeichnen. Laut einem Insider läge Klösges eine „ausreichend attraktive Alternative“ vor. „Das steuert auf eine einvernehmliche Lösung zu, er wird sein Amt wohl freiwillig niederlegen.“

Die Einigung könnte noch vor der für Mittwoch geplanten Aufsichtsratssitzung erfolgen, auf der eigentlich die beiden fraglichen Vorstände mit der Doppelstimme des Vorsitzenden Klaus-Peter Müller abgesetzt werden sollten. Bislang hatten sich die Arbeitnehmervertreter vor allem gegen die Absetzung von Sieber gewehrt, da dieser auch als Personalvorstand agiert.

„Der Schritt kommt nicht überraschend; ich bin gespannt, wo er hingehen wird“, kommentiert ein Branchenexperte, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er könne sich vorstellen, dass Klösges zu einer der Landesbanken wechsle. „Die verfügen teilweise über ähnliche Assets; diese wurden aber noch nicht in allen Fällen angegangen.“

Commerzbankern haftet kein besonderer Makel auf dem Arbeitsmarkt an

Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim bei Frankfurt kann Klösges‘ Schritt nachvollziehen: „Wenn einem die Freistellung droht, dann muss man sehen, wo man bleibt.“ Kandidaten von der Commerzbank hätten nicht schlechtere Chancen auf den Arbeitsmarkt  als die von anderen Banken. „Man kann nicht verallgemeinern, dass ein Kandidat von der Commerzbank einen Makel hat“, betont Behrens.

Üblicherweise würden Banken oft Mitarbeiter bevorzugen, die von der direkten Konkurrenz kommen. Wenn also eine internationale Investmentbank jemanden suche, dann kämen Kandidaten von einem solchen Player eher zum Zuge. Dennoch hätten je nach Einzelfall und Geschäftsbereich durchaus Mitarbeiter von der Commerzbank Chancen. So seien die Mitarbeiter nicht schlecht qualifiziert.

Durch die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Commerzbank gebe es allerdings auf der Kandidatenseite gelegentlich Vorbehalte. „Wenn einem Kandidaten zwei oder drei ähnliche Angebote vorliegen, dann entscheidet sich ein Kandidat häufig für eine Adresse mit einem besseren Image“, sagt Behrens.

Commerzbank droht mangelnde Wettbewerbskraft im Mittelstandsgeschäft und Überalterung

Laut dem Branchenexperten, der lieber anonym bleiben möchte, steuert die Bank auf ein ernstes Personalproblem zu. „Viele jüngere Mitarbeiter verlassen die Commerzbank und die älteren schätzen die Sicherheit, die das Institut bietet. Daher droht die Bank von Tag zu Tag weiter zu überaltern.“

Der jüngste Nachhaltigkeitsbericht stützt diese Einschätzung. Demnach liegt die Fluktuation der jüngeren Mitarbeiter mit gut 10 Prozent höher als der Durchschnitt von gut 4 Prozent. Darüber hinaus sind die jüngeren Mitarbeiter unterrepräsentiert.

Auch  die Strategie der Commerzbank sieht der Experte kritisch. So konzentriere sich die Bank publikumswirksam auf das Mittelstandsgeschäft. Gleichzeit aber ziehe sie sich sukzessive von ausländischen Standorten zurück. „Der Mittelstand macht aber seine Geschäfte nicht mehr im Inland, sondern im Ausland. Wenn die Bank den Mittelstand nicht mehr ins Ausland begleiten kann, dann begibt sie sich in eine Falle.“

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