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Kündigungen gibt es bei der Commerzbank praktisch nicht: Was der Nachhaltigkeitsbericht über die Arbeit bei dem Institut verrät

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Nachhaltigkeitsberichte der Banken zählen zu den oftmals recht skurrilen Auswirkungen der modernen Öko-Kultur. Ein Beispiel hierfür stellt der nicht gerade heiß erwartete Nachhaltigkeitsbericht der Commerzbank für 2012 dar, den das teilverstaatlichte Institut pünktlich zum heutigen Halloween (31. Oktober) vorlegte. Dort kann man zum Beispiel erfahren, dass die Commerzbank 54 THG-Einheiten (THG=Treibhausgasemissionen) von Notstromdiesel in die Atmosphäre verfeuerte. Dennoch gewähren vor allem die Angaben zu den Mitarbeitern recht interessante Einblicke in die Arbeitskultur der Großbank. Wie haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt:

1. Bei der Commerzbank wird kaum ein Mitarbeiter gefeuert

Obgleich bei der Commerzbank über 5000 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen sollen, setzt die Bank doch so gut wie niemanden vor die Tür. Die Zahl der Kündigungen durch den Arbeitgeber belief sich in 2012 auf gerade einmal 21. Angesichts der Beschäftigtenzahl der Commerzbank im Inland von knapp 37.700 Mitarbeitern stellt dies einen nahezu lächerlich niedrigen Wert dar. Wer also nicht gerade goldene Löffel stiehlt, muss keine Kündigung fürchten.

Dennoch herrscht auch bei der Commerzbank nicht eitel Sonnenschein. So verließen das Unternehmen in 2012 621 Mitarbeiter aufgrund von „einvernehmlichen Lösungen“ – was das bedeutet, ließ die Bank offen. Insgesamt summierte sich die Fluktuationsquote in 2012 auf 4,1 Prozent. Wenn man bedenkt, mit welch hartnäckiger Ertragsschwäche das Unternehmen zu kämpfen hat, handelt es sich um einen auffallend niedrigen Wert.

2. Vor allem jüngere Mitarbeiter scheinen bei der Commerzbank keine Perspektive zu sehen

Ganz anders bei den jüngeren Mitarbeitern: Hier liegt die Fluktuation mit 10,1 Prozent in 2012 deutlich oberhalb des Durchschnitts. Dies spricht dafür, dass jüngere Mitarbeiter relativ schlechte Karriereperspektiven bei der teilverstaatlichten Bank sehen. Dabei ermittelt der Konzern, wieso Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. „Ein Teil der befragten Mitarbeiter gibt an, nur eingeschränkte Karrieremöglichkeiten und Perspektiven innerhalb der Bank zu sehen, einige erachten ihre Leistungen als nicht angemessen vergütet“, heißt es im Nachhaltigkeitsbericht. Die Bank weist jedoch darauf hin, dass die Gründe meistens privater Natur seien.

3. Mit 60 ist bei der Commerzbank anscheinend Schluss

Die Rente mit 67 scheint bei dem Institut kein Thema zu sein. Von den knapp 37.700 Mitarbeitern sind gerade einmal 425 60 Jahre und älter, was einem Anteil von gerade einmal 1,1 Prozent entspricht.

4. Zahl der jungen Mitarbeiter ebenfalls gering

Auffallend ist weiter, dass die jüngeren Mitarbeiter unterrepräsentiert sind. So beschäftigt die Bank keine 9700 Mitarbeiter unter 35 Jahren, was einen Anteil von gerade einmal 26 Prozent bedeutet.

5. Hoher Anteil außertariflicher Mitarbeiter

Die Commerzbank steht branchenweit im Ruf, besonders schlecht zu zahlen. Dennoch fällt der Anteil von außertariflich angestellten mit 47 Prozent in 2012 erstaunlich hoch aus. 77 Prozent der Mitarbeiter werden Vollzeit beschäftigt und 91 Prozent verfügen über einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Am Standort Frankfurt sind immer noch knapp 12.900 oder gut ein Drittel aller Commerzbanker in Deutschland beschäftigt.

6. Nur geringe Einstiegschancen für Absolventen

Für Hochschulabsolventen bietet die Commerzbank nur begrenzte Chancen. So zählte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr gerade einmal durchschnittlich 164 Trainees. „Darüber hinaus waren im Berichtsjahr rund 750 akademische Praktikanten bei uns tätig“, heißt es im Bericht weiter.

7. Mitarbeiter dürfen immer seltener Flugreisen buchen

Das Thema Flugreisen stellt in ganz Frankfurt ein viel beklagtes Ärgernis dar, denn die Banken treten auch hier gern auf die Kostenbremse. So verringerte sich die Zahl der Flugreisen von knapp 56.500 in 2010 auf nur noch 40.700 in 2012 – ein Minus von immerhin 28 Prozent. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass immer mehr Banker von der Business Class auf Economy und von der Lufthansa auf Germanwings umsteigen mussten. Auch die Zahl der Bahnreisen verringerte sich um 21 Prozent auf nur noch gut 26.000.

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