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11.692 Dollar für einen Flug: Dürfen Banker erster Klasse fliegen?

So sieht in einem Lufthansa-Jumbo die Business Class aus. Zu wenig für Blessing.

So sieht in einem Lufthansa-Jumbo die Business Class aus. Zu wenig für Blessing.

Deutschland ist eine Neidgesellschaft. So fand denn auch rasch die Beobachtung  in die  Spiegel-Redaktion, dass Commerzbank-Chef Martin Blessing auf dem Rückweg von Washington nach Frankfurt am Sonntag (13. Oktober) im Lufthansa-Flug 419 es sich in der ersten Klasse gemütlich machte. Laut der Website des Unternehmens kostet ein solcher Flug z.B. am kommenden Sonntag (27. Oktober) die Kleinigkeit von 11.692 US-Dollar. In der Business Class wären es hingegen „nur“  7643 und in der Economy Class 3130 Dollar – nur für den Rückflug selbstverständlich.

Die Commerzbank betont unterdessen, dass Blessing lediglich bei 10 Prozent seiner Flüge die erste Klasse wähle  – und zwar nur wenn es sich um Interkontinentalflüge handle und Zeitverschiebung und dringende Termine auf dem Spitzenbanker lasteten. Der Spiegel weist weiter genüsslich darauf hin, dass die Bank während der Finanzkrise vom Steuerzahler vor dem Untergang gerettet werden musste. Insgesamt sprach der Fiskus Hilfen und Garantien von über 18 Mrd. Euro aus.

Allerdings kann Blessing auch bei den meisten Flügen in Europa gar nicht in der ersten Klasse platznehmen, da diese dort gar nicht existiert. Beispielsweise wurde der Commerzbank-Chef Ende März in einer Maschine der Lufthansa von Heathrow nach Frankfurt in der bescheidenen Business Class gesichtet.

Blessings First Class-Flug wundert umso mehr, als die gesamte Branche seit der Finanzkrise die Spesen-Rechnungen ihrer Mitarbeiter deutlich genauer unter die Lupe nimmt. Mancher hat damit Probleme, so hat sich ein Passagier in der Economy Class bei besagtem Lufthansaflug von Heathrow nach Frankfurt bei der Stewardess beschwert, dass der Wein in Plastikbechern, statt in richtigen Gläsern ausgeschenkt werde, was bei der Flugbegleiterin nur ungläubiges Kopfschütteln auslöste.

„Die Banker und Anwälte klagen darüber, dass sie Germanwings fliegen müssen. Ganz Frankfurt klagt darüber, Economy fliegen zu müssen“, berichtet Investmentbanking-Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents aus Frankfurt. Im Europaverkehr steuert die Lufthansa innerhalb Deutschlands nur noch ihre Drehkreuze in Frankfurt oder München an. Der Rest der Nation muss sich mit der Billigtochter Germanwings begnügen.

Laut Tamm hätte so mancher ältere, statusbewusste Banker und Rechtsanwalt mit dem Umstieg von der Kranichairline auf den Ryanair-Konkurrenten seine Probleme. Jüngere Finanzprofis verweisen hingegen auf die praktischen Vorteile der alten Lufthansa-Tage. Demnach habe es häufig gute Unternehmens-Konditionen gegeben und das Umbuchen sei einfacher und letztlich günstiger gewesen. „Und jeder weiß, wie häufig Umbuchungen im Geschäftsleben vorkommen“, ergänzt Tamm.

Doch nicht nur bei den Flügen müssen die Gürtel enger geschnallt werden. Auch Taxirechnungen würden heute nicht mehr immer wie selbstverständlich beglichen. „Selbst bei der Bahn müssen Banker häufiger zweiter Klasse fahren. Dabei fällt das Arbeiten im Zug in der ersten Klasse deutlich leichter als in der zweiten.“

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