☰ Menu eFinancialCareers

Was Banken erzählen, wenn sie jemanden feuern

Das Lieblingswerkzeug von Bankchefs: die Axt.

Das Lieblingswerkzeug von Bankchefs: die Axt.

Mit dem Eintritt in das vierte Quartal hat die Todeszone begonnen. Denn während der Wintermonate  und vor der Bonussaison setzen Banken besonders gerne Mitarbeiter vor die Tür. Dabei ranken sich um die Kündigungsprozesse  der Investmentbanken viele Mythen. So sollen überzählige Banker eine Mülltüte und einen Karton in die Hand gedrückt bekommen, um ihren Arbeitsplatz zu räumen. In einem Moment sitzen sie noch in der Bank und im Folgenden – ohne ihr Arbeits-Blackberry – in der nächsten Kneipe.

„Ich saß neben einem Kollegen, der mich fragte, wie man einen Zins-Swap strukturiert“, erzählt Heather Katsonga-Woodward, die früher bei Goldman Sachs und HSBC arbeitete und sich heute als Karrierecoach betätigt. „In der Mitte davon erhielt er einen Anruf und wurde in einen Raum bestellt. Er sagte, er werde in einer Minute zurück sein, um unser Gespräch fortzusetzen, doch er tauchte nie wieder auf.“

Derartige Vorkommnisse sind jedem vertraut, der in einer großen Bank arbeitet. „Sie erhalten plötzlich einen Anruf von HR und werden auf eine beliebige Etage des Gebäudes bestellt“, sagt ein Equity Sales-Spezialist, der anonym bleiben möchte. „Es kommt normalerweise nicht völlig unerwartet. Sie wissen, wenn Sie eine schlechte Performance aufweisen und Ihr Produkt schlechter als der Markt abschneidet. Sie haben eine Vorstellung, was passieren könnte.“

Ein HR-Chef einer Investmentbank erzählte dem Anthropologen Joris Luyendijk, dass er und seine Kollegen harmlos auftreten, wenn sie jemanden zu einem Kündigungsgespräch einladen. „Wenn sie angerufen werden, dann wissen die Leute, worum es geht. Wir versuchen den unschuldigsten Ton anzuschlagen, wenn wir sagen: ‚Hallo, können Sie für einen Moment in die 20. Etage kommen?‘ … nach unserem Gespräch, das normalerweise fünf Minuten dauert, werden sie von den Sicherheitskräften aus dem Gebäude geführt.“

Linda Jackson von der Karrieremanagement- und Outplacement-Beratung 10-Eighty arbeitet mit Banken zusammen, um sicherzustellen, dass Kündigungen glatt laufen. Sie betont, dass Kündigungen bei Banken nicht immer sofort und brutal ausgesprochen werden. „Den Leuten wird normalerweise mitgeteilt, dass ihre Stelle gefährdet ist und ihnen werden einige Wochen Zeit gelassen, damit sie sich einen anderen Job in dem Unternehmen suchen können.“ So habe beispielsweise Credit Suisse kürzlich einigen Mitarbeitern ihres Londoner Aktiengeschäfts mitgeteilt, dass ihre Stellen gefährdet seien. Doch oft kommen solche Vorwarnungen bei nicht sonderlich prekären Infrastrukturjobs vor, wo es kein Problem darstellt, wenn enttäuschte Mitarbeiter auch weiterhin Zugriff auf die Banksysteme haben.

Allerdings ist dies nicht immer der Fall. So mussten viele Mitarbeiter im Fixed Income-Geschäft der UBS vor rund einem Jahr feststellen, dass sie nicht mehr in die Gebäude der Bank an der Londoner Liverpool Street Station gelassen wurden. Die Bank hatte soeben verkündet, an die 10.000 Stellen zu streichen. Eine davon war ihre Stelle.

Ähnliche Artikel:

Impressionen aus der Londoner City: „Eine Menge Leute haben heute ihren Job verloren“

Auf dem Weg zum Investmentbänkchen: Wo die UBS 9745 Stellen streichen will

Kahlschlag bei Commerzbank und HVB erst der Anfang: Im deutschen Retailbanking gibt es 100.000 Mitarbeiter zu viel

 

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier