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Sieben Tipps, wie Sie eine Probezeit überstehen

Foto: Getty Images

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Mit dem ersten Arbeitstag im Unternehmen ist ein Jobwechsel noch lange nicht perfekt. Einschlägige Karriereführer wie die von Hesse / Schrader schätzen, dass jede fünfte Probezeit ein unerfreuliches Ende nimmt. Headhunter und Karrierecoach Gunnar Belden von der Maturias Personalberatung in Potsdam rechnet hingegen mit einer niedrigeren Quote. „Es gibt da allerdings mit Sicherheit eine hohe Dunkelziffer, weil viele das in ihrem Lebenslauf kaschieren. Das ist häufig auch kaum nachprüfbar“, sagt Belden. Doch soweit muss es gar nicht erst kommen. Wir haben die wichtigsten Tipps zusammengestellt, wie Sie die Hürden in einer Probezeit souverän nehmen.   

1. Bereiten Sie eine kurze Vorstellungsrede vor

Bereits bevor ein neuer Mitarbeiter einen Fuß in das Unternehmen setzt, kann er für einen gelungenen Start in die Probezeit sorgen. Eine eingehende Recherche zum Unternehmen und den neuen Kollegen sollte bereits vor dem ersten Vorstellungsgespräch erfolgen. Jetzt gehe es vielmehr um die konkrete Planung, rät Karrierecoach Jochen Gabrisch aus Frankfurt: „Wie gestalte ich den ersten Tag und wie gestalte ich eine Antrittsrede?“ Dazu empfiehlt sich eine etwa dreiminütige Vorstellung, die sich am bekannten „Elevator Pitch“ orientiere.

2. Machen Sie keine Versprechungen

„Wenn man irgendwo neu anfängt, dann ist die Versuchung groß zu sagen, ab heute wird alles anders“, sagt Gabrisch. Doch der Karrierecoach warnt vor vorschnellen Versprechungen gegenüber Kollegen, Untergebenen oder Kunden. „Man kennt wahrscheinlich die Historie nicht“, bemerkt Gabrisch. Daher drohe die Gefahr, dass man als Neuling die Versprechungen nicht halten könne und es zu Enttäuschungen komme. „Schon ist die Glaubwürdigkeit dahin.“  Der Karrierecoach empfiehlt dagegen vorerst auf Zeit zu spielen und etwas zu entgegnen wie: „Ich nehme Ihren Punkt auf und wir setzen uns später noch einmal zusammen.“ Damit halte man sich sämtliche Optionen offen und stoße niemanden vor den Kopf.

3. Seien Sie offen und neugierig

„Die Haltung ist von entscheidender Bedeutung. Seien Sie offen und neugierig“, empfiehlt Gabrisch. Frisch eingestellte Mitarbeiter sollten sich bewusst sein, dass in dem neuen Unternehmen einiges anders laufen wird als im bisherigen. Dies gelte auch für altgediente Profis, die womöglich den gleichen Job bereits viele Jahre in einem anderen Unternehmen ausgeübt haben. Gabrisch rät, ein feines Gespür für die Unterschiede in der Unternehmenskultur zwischen dem alten und neuen Arbeitgeber zu entwickeln. „Beobachten Sie gut und stellen Sie auch die ein oder andere Frage. Da muss man sehr genau hinschauen und auf die Zwischentöne achten“, betont Gabrisch. „Das sind komplizierte Prozesse, die durchschaut man nicht so schnell.“

4. Eruieren Sie, wer wirklich die Macht im Unternehmen hat

Normalerweise sollte lange vor dem Eintritt in das neue Unternehmen klar sein, ob der neue Mitarbeiter die erforderlichen Qualifikationen mitbringt und in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen. Umso größere Bedeutung kommt den Softskills und dem Umgang mit den neuen Kollegen zu. Daher empfiehlt Gabrisch, sich ganz genau anzuschauen, wie die Machtverhältnisse in dem Unternehmen verteilt sind. Oftmals unterschieden sich formelle und informelle Machtverteilung. „100 Prozent deckungsgleich ist das selten“, ergänzt Gabrisch. Daher würden Organigramme auch nur bedingt weiterhelfen. Wer zählt z.B. zu den Meinungsführern? Zu wem gehen Mitarbeiter tatsächlich, wenn etwas zu klären ist?

5. Bringen Sie Verbesserungsvorschläge nicht zu früh vor

Auch sollten neue Mitarbeiter genau darauf achten, wie die Gruppenbildung in dem Unternehmen ausfällt. Generell empfiehlt der Personalexperte systematisch Beziehungen zu den neuen Kollegen aufzubauen, Termine zu vereinbaren und auch informelle Gespräche auf dem Flur nicht zu unterschätzen. Es gehe darum, die Erwartungshaltungen aller Beteiligten herauszubekommen – des Chefs, der Kollegen und der Kunden. „Fragen Sie auch nach den Prioritäten; die sind oftmals nicht offensichtlich“, sagt Gabrisch.

6. Wie man mit einem Personalgespräch während der Probezeit umgeht

Sobald die Probezeit glanzlos verläuft, kommt es oft zu einem möglicherweise unerfreulichen Personalgespräch. In einem solchen Fall rät Gabrisch genau hinzuhören und auch direkt zu fragen: „Was muss ich konkret machen, damit Sie mich besser beurteilen?“ Anschließend sollte sich der Betroffene ganz genau überlegen, ob er diese Kriterien realistischerweise umsetzen kann und will. Falls dies nicht der Fall sei, sollte sich der Arbeitnehmer rechtzeitig nach einem neuen Job umschauen.

Auch Belden rät, sich nach einem kritischen Personalgespräch während der Probezeit nach neuen Optionen umzuschauen. „Man sollte nicht so lange warten, bis einem der Handlungsspielraum aus der Hand genommen wird.“

7. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

„Die Probezeit dient dazu, dass Arbeitgeber UND Arbeitnehmer herausfinden, ob sich die gegenseitigen Erwartungen erfüllen“, betont Belden. Niemandem sei damit gedient, das Arbeitsverhältnis weiterzuführen, wenn es offensichtlich nicht passe. Der Arbeitnehmer werde dabei langfristig nur unglücklich. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagt Belden.

Allerdings räumt der Personalvermittler ein, dass der Arbeitgeber in der Probezeit am längeren Hebel sitzt. Falls ein Arbeitnehmer innerhalb der Probezeit aufhöre, bestehe immer der Verdacht, dass der Mitarbeiter vor die Tür gesetzt worden sei, die Leistungen nicht erbracht habe oder nicht hinreichend anpassungsfähig wäre. Dennoch sieht der Headhunter keine großen Karrierenachteile, wenn ein Arbeitnehmer einmal eine Probezeit nicht übersteht.  „Das darf man nicht überstrapazieren. Erst die Dosis macht das Gift.“


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