☰ Menu eFinancialCareers

Wie Bürointrigen einer hoffnungsvollen Investmentbanking-Karriere den Garaus machen

Death in the FX market

Death in the FX market

Ein wenig politisches Gespür kann bei der Arbeit im Investmentbanking schon einen entscheidenden Vorteil darstellen. Auch wenn sich viele Unternehmen damit brüsten, wie kollegial und teamorientiert sie seien, sieht die Wirklichkeit doch häufig anders aus. Tatsächlich lauern überall Intrigen. So mancher Investmentbanker nimmt sogar während seines Urlaubs um 2 Uhr nachts an einer Telefonkonferenz teil, nur um auszuschließen, dass dort etwas gegen ihn eingefädelt wird.

Dennoch hilft ein hemmungsloser Machiavellismus bei der Karriere nicht unbedingt weiter. Denn ein übersteigerter Ehrgeiz kann sich ganz schnell auch zu einem HR-Problem auswachsen.

1. Nach oben buckeln und nach unten treten

Viele versuchen beim Aufbau ihrer Karriere nur ihre Vorgesetzten zu beeindrucken, während sie ihre Untergebenen lediglich als Mittel zum Zweck betrachten. Doch dieses „nach unten treten und nach oben buckeln“ kann schon einen schwerwiegenden Fehler darstellen. „Viele mittlere Manager im Investmentbanking begehen diesen Fehler“, erzählt Headhunter Andrew Pullman von People Risk Solutions, der früher als HR-Chef bei Dresdner Kleinwort arbeitete. „Das ist frustrierend für das Team, das dann normalerweise nichts ungeschehen lässt, um ihm zu schaden und ihn wie einen Idioten dastehen zu lassen.“

2. Fehlender Sinn für Humor

Kleine Späße werden im Handelssaal und während der endlosen Arbeitszeiten in der Investment Banking Division gern gesehen. Doch viele Späße gehen zu Lasten anderer und werden rasch zu einem Problem, sobald sie zu Ihren Lasten gehen. So erzählt der Karrierecoach und Autor von „The Wall Street Professional’s Survival Guide“  Roy Cohen von einem Investmentbanker, der zum Spaß erzählte, dass einer seiner Kunden schwul sei. Dies wurde denn auch rasch von der Gerüchteküche aufgegriffen. „Er war es gar nicht und er arbeitete in einer sehr konservativen Umgebung, in der diese Bemerkung nicht willkommen war, auch wenn sie nicht stimmte“, sagt Cohen. „Mein Klient wurde bei einer größeren Beförderungsrunde übergangen, die eigentlich schon durch war.“

3. Der Aussätzige

Viele Banker verbringen schon die sehr langen Arbeitszeiten gemeinsam. Wieso sollte also jemand sich auch noch nach der Arbeitszeit auf ein Bier treffen? Doch dafür gibt es einen guten Grund, denn auf diese Weise vermeiden Sie, dass in Ihrer Abwesenheit Allianzen geschmiedet werden. Überdies festigen sich dabei die sozialen Beziehungen. Wenn Sie nicht mit von der Partie sind, werden Sie rasch zu einem Außenseiter.

4. Der soziale Aufsteiger

Enge Beziehungen zu Ihren Kollegen zu knüpfen oder keine Chance ungenutzt zu lassen, mit den Vorgesetzten Brüderschaft zu trinken, sind zwei unterschiedliche Dinge. „Das kann als Vettern- oder Günstlingswirtschaft ausgelegt werde. Wenn es so aussieht, als ob Sie eine besondere Beziehung zu einem Entscheidungsträger unterhalten, dann kann dies ihre Kollegen neidisch machen. Und neidische Kollegen werden Sie bestrafen“, warnt Cohen.

5. Konspirative Treffen auf einen Kaffee

Jemanden in einer informellen Situation eine brisante Information oder ein Gerücht zu verraten, scheint auf den ersten Blick harmlos zu sein. Allerdings dürfte es kaum unter vier Augen bleiben. Auch dies kann das Ansehen schädigen. „Seien Sie vorsichtig, was Sie sagen und wem Sie es sagen. Auch wenn die Information bei Ihrem besten Freund sicher ist, sollten Sie nicht als jemand erscheinen, der Gerüchte in die Welt setzt.“

6. Bleiben Sie glaubwürdig

Ein Teammitglied zu schädigen und die Leistungen anderer für sich zu beanspruchen, bringt Sie bei den Kollegen um Ihren Ruf und diese werden Sie das spüren lassen, sagt Cohen. „An der Wall Street über leben nur die Fittesten … und die Klügsten; diejenigen die härter als der Rest arbeiten und diejenigen, die Ergebnisse vorweisen können. Hinterlistig zu sein, wird als schlechte Eigenschaft verstanden und niemals toleriert. Die Gruppe wird sie verstoßen.“

7. Das digitale Desaster

Während der jüngsten Affären innerhalb der Finanzbranche sind regelmäßig reichlich peinliche E-Mails aufgetaucht. Dafür gibt es auch einen guten Grund: Die Banken archivieren sämtliche elektronische Kommunikation. Dies mussten kürzlich zwei Mitarbeiter der Zürcher Kantonalbank schmerzlich erfahren, die in einem Online-Forum ihren Chef heftig kritisierten. Die IT-Abteilung konnte sie identifizieren und sie wurden vor die Tür gesetzt.

„Ich rate immer nur E-Mails zu verfassen, die auch auf der Titelseite einer Zeitung erscheinen könnten“, betont Pullman. „Ich habe schon gesehen, wie sich elektronische Informationen wie ein Virus außerhalb des Unternehmens verbreiteten. Dies kann unmittelbar negative Auswirkungen auf Ihre Karriere haben.“ Ähnliches gilt auch für Telefongespräche.

8. Die Tücke mit Mentoren

Mentoren stellen einen großen Vorteil für eine Karriere dar.  Laut Cohen helfen sie dabei, im Unternehmen sichtbar zu sein und unter Ihren Kollegen herauszustechen. Allerdings sollten Sie nicht mit Ihren Verbindungen prahlen. „Eine meiner Klientinnen, eine junge Frau, wurde von einer männlichen Führungskraft als jemand begriffen, den er unter seine Fittiche nehmen sollte. In Ihrer Beziehung gab es absolut nichts Sexuelles. Dennoch verbreiteten eifersüchtige Kollegen, dass die beiden eine Affäre hätten. Und wie so oft musste die jüngere Person das ausbaden“, erzählt Cohen.

Ähnliche Artikel:

500 Jahre „Der Fürst“: Was Banker von Machiavelli lernen können

Gefahr Whistleblowing: ZKB-Chef lässt zwei kritische Mitarbeiter vor die Tür setzen

GASTKOMMENTAR: Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem grossen Karriereschritt und dieser scheitert im letzten Moment

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier