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Reine Zeitverschwendung? Was britische Personalchefs von Anschreiben halten

Landet Ihr Lebenslauf auch regelmäßig im Papierkorb?

Landet Ihr Lebenslauf auch regelmäßig im Papierkorb?

So mancher Bewerber investiert viel Zeit und Geduld in das Abfassen eines Bewerbungs-Anschreibens. Besonders bei einer Bewerbung auf Englisch wird akribisch an jeder Formulierung gefeilt. Doch lohnt sich die Mühe überhaupt? Immer mehr Anschreiben landen ungelesen in der Ablage P für Papierkorb; dies gilt besonders im Ausland, aber auch zunehmend bei Bewerbungen in Deutschland und der Schweiz. Wir haben Londoner und New Yorker Hiring Manager sowie Personalvermittler gefragt, was sie von der literarischen Kunstform des Anschreibens halten.

„Bei einem Anschreiben handelt es sich bloß um eine PR-Übung eines Kandidaten“, sagt Headhunter Christian Robbins von Cherry Bull in London. „Ich lese all das Zeug kaum, dass jemand ein ‚kluger, ehrgeiziger Trader ist‘. Es handelt sich um reine Zeitverschwendung. Ich schaue mir den Lebenslauf an und wenn ich ihn mag, dann finde ich alles Weitere im Vorstellungsgespräch heraus.“

„Ich will ehrlich sein: Ich lese niemals ein Anschreiben“, erzählt David Schwartz, der früher Head of Recruitment bei der US-Investmentbank Goldman Sachs war und heute als Headhunter in New York arbeitet. „Wenn ich einen Lebenslauf mit Anschreiben erhalte, dann lese ich immer den Lebenslauf zuerst. Ich kümmere mich kaum um das Anschreiben.“

Auch die Recruitment-Chefin einer großen europäischen Bank in London gesteht, dass sie kaum jemals ein Anschreiben liest. „Bei einem Anschreiben handelt es sich um eine Form der Selbstvermarktung und es ist für einen Arbeitgeber von geringem Nutzen. Wir schauen uns vielmehr aktuelle Situation eines Kandidaten vermittels seines Lebenslaufes an“, ergänzt sie.

Dennoch sind die Tage der Anschreiben selbst im angelsächsischen Bereich nicht gezählt. Viele Recruiter sehen es immer noch als Pflichtbestandteil einer Bewerbung – allerdings sollten Kandidaten damit nicht zu viel Zeit verschwenden, sondern ihre Bemühungen ganz auf den Lebenslauf konzentrieren.

Besonders wichtig in England und den USA können Anschreiben bei Bewerbungen von Studenten und Absolventen sein. Denn so manche Bank verlangt von Nachwuchsbankern ausdrücklich ein Anschreiben. In diesem Fall kann ein Anschreiben sogar sehr wichtig werden und sich ein großer Arbeitsaufwand lohnen.

„Einige Banken verlangen ein Anschreiben, anstatt von Teilen der sonst üblichen Online-Bewerbungsverfahren“, erzählt Lebenslauf-Coach Victoria McLean von CityCV in London. „In diesem Fall müssen die Absolventen klipp und klar zeigen, wieso sie diesen speziellen Job bei ganz genau dieser Bank haben wollen. Dabei müssen sie etwas Originelles sagen und nicht etwas, was sie der Website der Bank entnommen haben. Dann lohnt es sich, viel Zeit zu investieren.“

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