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Lohnt es sich für den Papst zu arbeiten? Vatikan-Bank legt erstmals Geschäftsbericht vor

Der neue Papst räumt in der Vatikan-Bank auf. Schließlich hat er den Namen des Armutsbefürworters Franziskus von Assisi gewählt.

Der neue Papst räumt in der Vatikan-Bank auf. Schließlich hat er den Namen des Armutsbefürworters Franziskus von Assisi gewählt.

Spätestens seit dem am 18. Juni 1982 der italienische Spitzenbanker Roberto Calvi erhängt unter der Blackfriars Bridge in London aufgefunden wurde, ranken sich um die Vatikan-Bank Gerüchte und Legenden, die einem Roman von Dan Brown entsprungen sein könnten. Denn Calvi unterhielt enge Verbindungen zur Vatikan-Bank, die offiziell „Instituto per le opere di religione (IOR)” heißt.

Viele Beobachter hegten indes den Verdacht, dass die Vatikan-Bank weniger mit „religiösen Werken“ – wie der der Name verheißt – als mit Geldwäsche und anderen Machenschaften zu tun habe. Denn das 1942 gegründete Institut unterlag lange keiner effizienten Kontrolle, da der Vatikan rechtlich ein unabhängiger Staat ist.

Daher kommt es einer kleinen Revolution gleich, dass die Vatikan-Bank am heutigen Mittwoch (1. Oktober) erstmals einen Geschäftsbericht vorlegte – über 70 Jahre nach ihrer Gründung. Demnach haben die Banker des Papstes in 2012 einen Gewinn von 86,6 Mio. Euro eingestrichen, was mehr als das Vierfache des Vorjahreswertes beträgt. Steuern erübrigen sich im Falle des Vatikans natürlich.

Das Erstaunliche daran: Die Vatikan-Bank beschäftigt gerade einmal 114 Seelen. Pro Kopf erwirtschafteten die Banker Gottes also in 2012 immerhin fast 760.000 Euro. Dagegen sind es bei der US-Investmentbank Goldman Sachs, die so mancher bereits als „Vampirkrake“ bezeichnete, gerade einmal 346.000 US-Dollar (262.000 Euro).

Dabei betont der im Februar frischberufene Vatikan-Bank-Chef, der deutsche Finanzmanager Ernst von Freyberg die vorsichtige Geschäftspolitik des Instituts. „Die Investmentpolitik des IOR wurde konzipiert, um sicherzustellen, dass zuerst und vor allem die anvertrauten Vermögen sicher sind“, sagte von Freyberg. „Unser Fokus liegt auf einem konservativen Management und einem niedrigen Risiko.“

Dabei verwaltet die Bank gerade einmal Kundenvermögen von 4,1 Mrd. Euro. Hinzu kommt ein im Vergleich zur Bilanzsumme von knapp 5 Mrd. Euro üppiges Eigenkapital von 769 Mio. Euro. Von den Erträgen in Höhe von 115,5 Mio. Euro stammen gut 52 Mio. aus dem Zinsgeschäft, gut 51 Mio. aus dem Handelsgeschäft und weitere gut 12 Mio. aus Provisionen.

Von den Gesamtkosten von knapp 24 Mio. Euro ließ die Vatikan-Bank 11,5 Mio. Euro für ihre 114 Angestellten springen. Somit strich jeder der Banker Gottes durchschnittlich knapp 101.000 Euro ein, was 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr waren. Damit schneiden die Angestellten der Vatikan-Bank deutlich schlechter ab als die Kollegen von Goldman Sachs. Dort kassierte jeder Beschäftigte in 2012 durchschnittlich 400.000 US-Dollar (303.000 Euro). Die Vorteile für das Seelenheil der Banker müssen in diesen Zahlen indes unberücksichtigt bleiben.

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