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GASTKOMMENTAR: Wieso kein Weg an sinkenden Gewinnen im deutschen Bankensektor vorbei führt

Es ist abzusehen, dass Banken künftig mit nachhaltigen Ergebniseinbußen rechnen müssen. Die starken Bilanzkürzungen aller großen Institute, wie der Landesbanken, Hypothekenbanken, der DZ Bank, der Commerzbank – die mit der gleichen Bilanzsumme wie vor der Fusion mit der Dresdner Bank rechnet – und der Deutschen Bank, werden das Zinsergebnis beeinträchtigen.

Bankenrisiken haben nach der Finanzmarktkrise keinen Vorteil mehr gegenüber Unternehmensrisiken gleicher Bonitätsstufe und müssen in Zukunft das größer gewordene Insolvenzrisiko mit höheren Refinanzierungskosten bezahlen, wenn sie an den Kapitalmarkt gehen.

Da der Wettbewerb um die vergleichsweise stabilen Kundeneinlagen härter werden dürfte, wird sich dies zuletzt auch in höheren Zinskosten widerspiegeln. Eine Hauptquelle für das Zinsergebnis waren die Erträge aus der Fristentransformation. Diese Quelle dürfte in Zukunft zwar nicht versiegen, aber weit weniger ergiebig sein als vor der Krise – auch im Hinblick auf eine regulatorische Begrenzung. Die Hoffnung, die strukturell gestiegenen Refinanzierungskosten über höhere Kreditzinsen kompensieren zu können, dürfte enttäuscht werden.

Die Unternehmensrenditen werden letztendlich durch den Anleihenmarkt bestimmt. Diese liegen 2010 zwar noch höher als vor der Krise, sind aber seit Anfang 2009 stark gefallen, nachdem die Unternehmen die krisenbedingten Umsatzeinbrüche aufholen konnten. Angesichts des allgemein niedrigen Zinsniveaus werden Unternehmensanleihen guter Bonität von institutionellen Anlegern, wie Versicherungen, Pensionskassen und Fondsgesellschaften weiter gefragt sein und die Unternehmensrisikoaufschläge vergleichsweise niedrig halten.

Im Kreditmarkt versuchen Auslandsbanken, gute deutsche Unternehmen mit günstigen Konditionen wieder zu gewinnen, die sie angesichts gesunder Ertrags- und Refinanzierungsstrukturen in ihren Heimatländern leichter anbieten können als deutsche Banken.

Mit steigenden Provisionserträgen aus dem Auslands-, dem Kapitalmarkt- und Risikomanagementgeschäft mit Unternehmen können nur die wenigen großen Institute rechnen, die die hohen Kosten der dafür benötigten wettbewerbsfähigen Infrastruktur aufbringen können.

Das für viele Banken in der Vergangenheit wichtige Handelsergebnis dürfte nicht zuletzt wegen der neuen regulatorischen Auflagen und starker Verteuerung durch ausgeweitete Eigenkapitalunterlegung künftig eine wesentlich geringere Rolle in den Bankergebnissen spielen. An der Ertragslage im deutschen Privatkundengeschäft, das ja im europäischen Vergleich immer schon wenig profitabel war, dürfte sich nachhaltig wenig ändern. Wenn die Sondereffekte der Finanzmarktkrise nicht mehr die Bankergebnisse beeinflussen, dürften somit unter den neuen Rahmenbedingungen die Erträge geringer ausfallen, sodass künftig der Kostenanpassungsdruck stärker als vor der Krise sein dürfte.

Da mit der Einführung von Basel III für das gleiche Risiko höheres Eigenkapital vorgehalten werden muss, dürfte bei der erwarteten operativen Ergebnisverschlechterung die Eigenkapitalrendite sinken. Die Toleranz der Eigenkapitalinvestoren für Ergebnisschwankungen dürfte begrenzt sein. Von ihrer Erwartungshaltung bei einer niedrigen Eigenkapitalverzinsung – wenigstens auf stabile Erträge – sollte ausgegangen werden.

Daher dürften Banken infolge ihrer geringeren Ertragskraft dem Eingehen von Risiken auch in der Unternehmenskreditvergabe mit größerer Zurückhaltung begegnen. Wachstum aus Ertragsthesaurierung oder aus Kapitalzuführung von außen dürfte so zu einer großen Herausforderung werden.

Bei dem Gastkommentar handelt es sich um einen Auszug aus Siegfried Jaschinski: Das deutsche Finanzsystem. Achillesferse der Wirtschaft? Erhältlich bei Schäffer-Poeschel für 19,95 Euro. Der Autor hat fast drei Jahrzehnte Erfahrung als Banker in unterschiedlichen Instituten und Funktionen gesammelt, bis 2009 als Vorsitzender des Vorstands der Landesbank Baden-Württemberg. Er ist Vorstand und Aktionär der MainFirst Bank AG in Frankfurt.

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