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100-Stunden-Woche und fünf Urlaubstage: Willkommen im Leben eines chinesischen Bankers

Shanghai, Boomtown mit garantiert langen Arbeitszeiten.

Shanghai, Boomtown mit garantiert langen Arbeitszeiten.

Die „Prinzlinge“ mögen im Büro einschweben, wann immer es ihnen gefällt. Dabei handelt es sich um die Kinder hoher chinesischer Funktionäre. Doch das Leben der übrigen Banker sieht im Reich der Mitte gründlich anders aus.

Nach einer eFinancialCareers-Umfrage unter Finanzprofis in Hongkong und Singapur sind Überstunden dort der Normalfall und in China gilt eine ganz ähnliche Arbeitsethik. Entsprechend klagen immer mehr Chinesen über Stress am Arbeitsplatz. Eine Umfrage des Büroflächenanbieters Regus hat ergeben, dass 75 Prozent der Beschäftigten in China wachsenden Stress am Arbeitsplatz beobachten. Weltweit sind es gerade einmal 48 Prozent.

Laut Headhunterin Amanda Lotte von Lotte and Partners ähneln sich Hongkong und China, wenn es um das Verhältnis von Arbeitszeit zu Freizeit geht.

„Sehr oft wird erwartet, dass auch samstags gearbeitet wird“, erzählt Lotte. „Ich habe einen Hedgefonds-Kunden in China, wo eine 100-Stunden-Woche normal ist. Hedgefonds sind für die langen Arbeitszeiten ihrer Analysten berüchtigt.“ Chinesen kommen dabei im Vergleich zu ausländischen Mitarbeitern besonders schlecht davon. So lange diese keine Führungsposition einnehmen, müssen sie sich überdies mit weniger Urlaubstagen und geringeren Gehältern begnügen, erzählt Lotte.

Nach einer Erhebung des internationalen HR-Beratungsunternehmens Mercer aus 2011 gibt es kaum ein Land auf der Welt, wo die Beschäftigten weniger Urlaub erhalten als in China. Nach einem Jahr Unternehmenszugehörigkeit stehen ihn fünf Urlaubstage zu, was nach zehn Jahren auf zehn Urlaubstage jährlich ansteigt.

Doch trotz der Studien zu einer wachsenden Stressbelastung gehen andere Recruiter eher davon aus, dass die Work-Life-Balance in China günstiger als in Singapur oder Hongkong ausfällt – selbst wenn die Arbeitszeiten dort besonders lang sind.

Laut Headhunterin Vivian Ng von Morgan McKinley in Shanghai hänge dies sehr von dem jeweiligen Arbeitgeber ab. „Die Arbeitszeiten im Bankensektor unterscheiden sich sehr. Im Durchschnitt können Sie davon ausgehen, dass die Arbeitszeiten bei kleineren Finanzdienstleistern günstiger sind als bei größeren. Auch das Personal aus dem Middle- und Back-Office verfügen über bessere Arbeitszeiten“, erzählt Ng.

Die größten Unterschiede bestünden indes im Front Office, wo die Unterhaltung der Kunden eine wichtige Rolle spielt. Dies bedeutet manchmal jeden Abend lang zu arbeiten, um mit den Kunden zum Abendessen zu gehen, sagt Ng.

Ein anderer Headhunter, der anonym bleiben will, berichtet, dass die Work-Life-Balance bei staatlichen Banken in China besser ausfiele als bei ausländischen Instituten. Neun von zehn Mitarbeitern einer Staatsbank würden um 6 Uhr das Büro verlassen. „Dagegen können die Beschäftigten der Private Equity- und Risikokapital-Unternehmen ähnlich hohe Arbeitszeiten wie ihre Kollegen bei den Großbanken aufweisen“, sagt der Recruiter.

Ausländische Arbeitskräfte, die in China mit seiner fordernden Arbeitskultur und hohen Luftverschmutzung anfangen wollen, können auch längst nicht mehr so viel Geld verlangen wie in der Vergangenheit. „China wird längst nicht mehr als problematischer Arbeitsort begriffen und die traditionell üppigen Vergütungspakete für Ausländer sind längst selten geworden. Ich würde sagen, dass die guten alten Tage der Vorkrisenzeit mit Vergütungspaketen, die Schulgebühren, Flüge und Fahrer umfassten, weitgehend vorbei sind. Die Gesamtvergütung fällt heutzutage eher ernüchternd aus.“

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