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Wieso Investmentbanker im Wealth Management schlechte Karten haben

Family Offices boomen in Zürich.

Family Offices boomen in Zürich.

Enttäuschte Investmentbanker sehen sich immer häufiger nach Karrierealternativen um. Dabei spielt so mancher mit dem Gedankten, ins Wealth Management zu wechseln, um dort mit seinen Kenntnissen der Finanzmärkte und seinen Erfahrungen im Umgang mit Kunden zu punkten.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Viele Privatbanken sind bei der Anheuerung ehemaliger Investmentbanker eher kritisch. Zu viele haben das Wealth Management wieder verlassen, sobald sich das Investmentbanking-Geschäft wieder aufgehellt hat. Darüber hinaus lassen sich die Kompetenzen eines Investmentbankers gar nicht so leicht gewinnbringend im  Wealth Management einsetzen.

„Nur weil Sie ein erfolgreicher Dealmaker sind, bedeutet dies noch lange nicht, dass Sie dies ins Private Banking-Umfeld überführen können. Bei vielen Bereichen des Investmentbankings wie z.B. M&A oder  Derivaten handelt es sich um Nischen und das lässt sich nicht einfach ins Wealth Management übertragen“, sagt Paul Kearney, Chef des Private Investment Office bei Kleinwort Benson. Auch Kearney war in der Vergangenheit als Investmentbanker tätig. „Kenntnisse in der Strukturierung sind schon eher relevant, aber im Großen und Ganzen brauchen Sie ein Trittbrett für den Wechsel.“

Einer dieser Ansatzpunkte stellt die Arbeit mit Superreichen dar, den sogenannten Ultra-High-Net-Worth-Indididuals. Family Offices und andere Wealth Management-Anbieter haben einen wachsenden Beratungsbedarf zu M&A, Kapitalerhöhungen oder Börsengängen – neben den klassischeren Wealth Mangement-Dienstleistungen. Banken wie UBS, Credit Suisse, SocGen, Kleinwort Benson und Rothschild bieten derartige Dienstleistungen bereits sein einer Reihe von Jahren an. Allerdings dürften diese Geschäftsbereiche kaum alle wechselwilligen Investmentbanker aufnehmen können.

„Schon vor 2001 hatte ich mit Hedgefonds zu tun, als es sich noch um einen Nischensektor handelte und dann wollte sich plötzlich jeder als Hedgefonds-Guru neu erfinden. Heutzutage sehen sich viele Investmentbanker schon als Family Office-Spezialisten“, sagt Kearney.

Die Family Offices boomen, vor allem durch das weltweite Wachstum privater Vermögen. Darüber hinaus gibt es bei den Hedgefonds-Milliardären wie George Soros oder Stanley Drunkenmiller den Trend, Investments bei Family Offices und Unternehmern – besonders aus dem Technologie-Sektor – einzuwerben. Auch immer mehr Banken wollen eine Scheibe von dem Kuchen abbekommen.

Doch viele ehemalige Investmentbanker, die den Schritt wagten, haben laut Seb Dovey von der Wealth Management-Beratung Scorpio Partnership zu kämpfen. „Es herrscht die Vorstellung, dass sie ihre Kontakte zu Firmenkunden einsetzen können, um diese als Privatkunden zu gewinnen. Oft versprechen sie innerhalb von sechs Monaten neue Erträge generieren zu können, während es tatsächlich bis zu zwei Jahren dauert“, erläutert Dovey. „Da muss ein Arbeitgeber schon einen gewaltigen Vertrauensvorschuss leisten.“

Darüber hinaus fällt die Vergütung bei Private Bankern regelmäßig deutlich bescheidener als bei Investmentbankern aus. Die Boni belaufen sich laut Scorpio Partnership lediglich auf 30 bis 40 Prozent der Gesamtvergütung.  Die Gehälter liegen selbst bei führenden Londoner Private Bankern eher bei 175.000 Pfund. Selbst ein Chief Investment Officer eines Multi Family-Offices in der Schweiz kassiert laut dem Executive Search-Unternehmen Sulger Buel & Company 100.000 bis 250.000 Franken. „Auch wenn die Boni im Investmentbanking heute geringer ausfallen, besteht doch ein große Lücke in der Vergütung, wenn man ins Wealth Management wechselt und es kann schwer fallen, sich daran zu gewöhnen“, ergänzt Dovey.

Investmentbanker, die tatsächlich ins Wealth Management wechseln wollen, sollten sich vor diesem Schritt gründlich informieren. „Stellen Sie sicher, dass Sie vor dem Wechsel ganz genau verstehen, was die neue Stellen von Ihnen verlangt“, rät Kearney. „Was werden Sie am ersten Tag machen? Und wie passt dies zu den Fähigkeiten, die Sie mitbringen?“

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