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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Was ich während meines M&A-Internships gelernt habe

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In aller Kürze: Es ist vorüber. Obwohl es hart und manchmal sehr lang war, habe ich mein Praktikum bei einer Investmentbank erfolgreich beendet und fühle mich immer noch recht unverbraucht und enthusiastisch. Oft war das Erlebte so angenehm, wie ich gehofft hatte. Es hat stellenweise aber auch meine Erwartungen übertroffen. Lassen Sie mich das erklären:

Von Anfang an waren die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, großartig. Es war recht leicht mit ihnen umzugehen oder ein Lächeln zu bekommen. Sie gingen mit den Praktikanten aufrichtig und innerhalb ihrer Möglichkeiten vernünftig um. Das war das ganze Gegenteil von der Arroganz und Kälte, die ich erwartet hatte. Den Leuten, mit denen Du dort arbeitest, sollte der Großteil deiner Aufmerksamkeit gelten – viel mehr als den Kunden, da ein Analyst im Grunde  nur mit den Kollegen zu tun hat. Ich glaube, mein Team hat es sehr gut hinbekommen, mich einzubinden und Rücksicht auf meine geringe Erfahrung zu nehmen. Nicht jeder hat im Praktikum so viel Glück mit seinen Teams. Die Teams unterscheiden sich in ihren Denkweisen oft so grundlegend wie akademische Denkschulen. Ich habe festgestellt, dass es für die Praktikumserfahrungen von entscheidender Bedeutung ist, in welches Team man gerät, sogar entscheidender als die Wahl der Bank.

Die Arbeit selbst war im Großen und Ganzen langweiliger und monotoner als ich dachte und das Meiste war überraschenderweise leicht zu begreifen. Ich habe herausgefunden, dass man als Analyst größtenteils Daten verarbeitet und Informationen sammelt, diese in Präsentationen verpackt und gelegentlich Vorgesetzte bei einem Deal unterstützt. Der Job ist nicht gerade glamourös und auch in intellektueller Hinsicht nicht sonderlich anspruchsvoll. Es kommt nicht drauf an, unglaublich große Ausdauer aufzubringen oder Nachtarbeit zu lieben. Es geht darum zuverlässig, präzise, bestimmt und gerissen zu sein. Die respektiertesten Junior-Banker sind diejenigen, die wieder und wieder pünktlich und zeitnah hohe Qualität abliefern. Es sind nicht die, die am längsten arbeiten oder die Intelligenzbestien, die die höchste Wertschätzung erfahren.

Im Grunde habe ich mich im Praktikum massiv weiterentwickelt. Ohne Zweifel haben die Trainingsprogramme dabei mehr geholfen als die eigentliche Arbeit im Büro. Dort bekommt man mit, was üblicherweise gemacht wird und welche Techniken verwendet werden. Viel wichtiger noch: Ich habe im Büro gelernt, welche Abkürzungen die Leute verwenden, um zu Ergebnissen zu kommen und welche Theorien in der Praxis nicht wirklich sinnvoll eingesetzt werden können. Ich lernte Probleme schon so früh wie möglich zu lösen und meine Grenzen zu erkennen. Das ist der Punkt, ab dem man wirklich etwas zu einem Projekt beitragen kann.

Das Beste am Praktikum war, was ich über mich selbst gelernt habe. So kann ich jetzt meine eigenen Fähigkeiten besser einschätzen, kenne meine Motivation und Erwartungen besser – das ist fast das Wertvollste gewesen, was ich mitnehmen konnte. Am Anfang dachte ich, dass ich wegen meiner guten Universitätsergebnisse im Vergleich mit den anderen Praktikanten besser wäre. Aber am Ende hat es mein Selbstvertrauen besonders gestärkt, dass ich in der Lage war, meine Arbeitsbelastung effizient zu steuern. Früher habe mich auch mehr auf das Geld konzentriert, das eine Bankingkarriere verheißt. Dies sehe ich heute anders: Ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen, dass Geld allein kompensieren kann, wenn man sich nicht wirklich für den Job interessiert. Heute ist mir viel wichtiger, einen Job zu haben, der mir Spaß bereitet.

Alles in allem hat mir das Sommerpraktikum ermöglicht, unglaublich viel zu lernen. Zwar wurde ich stark gefordert, doch konnte ich mich emotional und fachlich gut weiterentwickeln und meine Erwartungen an die Zukunft präzisieren. Dabei konnte ich sogar etwas Geld für das bevorstehende letzte Studienjahr verdienen. Ich habe ein paar großartige Leute kennengelernt und neue Freunde gewonnen, mit denen ich hoffentlich in Kontakt bleiben kann.

Am Ende des Sommerpraktikums habe ich mehr Fragen – nicht weniger – und ich muss mir über viele Dinge klar werden: Wo soll meine Karriere hingehen? Was erwarte ich von ihr? Spaß? Geld? Herausforderungen? Vorankommen? Eine Frage kann ich jedoch mit Sicherheit beantworten: Würde ich es wieder tun? Auf jeden Fall! Die Branche erfährt einen Auftrieb und es scheint der perfekte Zeitpunkt zu sein, in M&A einzusteigen. Ich empfehle jedem, das einfach einmal auszuprobieren und seine eigenen Erfahrungen zu machen.

Oh, den Job habe ich übrigens in der Tasche.

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