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Der Sommer ist vorbei: Was deutsche Headhunter vom Herbst erwarten

Wann beginnt sich das Recruitment-Karussell wieder zu drehen?

Wann beginnt sich das Recruitment-Karussell wieder zu drehen?

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und die lieben Kleinen dürfen zumindest in Hessen wieder zur Schule gehen. Wir haben bei führenden Headhuntern in Frankfurt und München nachgefragt, was sie für den Herbst erwarten und welches die heißesten Profile auf dem Arbeitsmarkt sind.

1. Steht der Aufschwung bevor?

Mirja Linke, Partner bei DEININGER CONSULTING in Frankfurt zeigt sich für die restlichen vier Monate des Jahres optimistisch. „Wir haben dieses Jahr sogar einen starken Juli und August gehabt“, beteuert Linke. „Wir sind zwar alle keine Hellseher, aber ich würde eine positive Prognose wagen, auch für das Jahr 2014. “

Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt rechnet ebenfalls mit einer leichten Belebung. „Ich würde schon sagen, dass die Nachfrage ein wenig zulegt.“ Der Anstieg erfolge indes von niedrigem Niveau. „Ob es im Herbst zu einer Belebung kommt, das kann ich noch nicht abschätzen.“

„Auch im letzten Jahr hatten wir in den letzten vier Monaten des Jahres gut zu tun“, ergänzt Headhunter Raphael Rosenfeld von TALENTspy in München. Am Jahresende würden traditionell die Personalbudgets für das Folgejahr verabschiedet. „In der Regel werden dann schon die ersten Neueinstellungen für das kommende Jahr angestoßen.“

2. Es wird auf breiter Front gesucht

„Partiell wird in den meisten Bereichen gesucht“, sagt Linke. „Wir beobachten, dass  sich der Markt sehr belebt hat.“ Von einem massiven Stellenaufbau könne dennoch keine Rede sein. Es handle sich meistens um Nachbesetzungen, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlassen oder intern gewechselt hat. Ganz ähnlich sieht dies Riske: „Es gibt nichts, was deutlich heraussticht. In allen Bereichen ist etwa dabei, aber es fehlt die Masse.“

„Es wird immer spezifischer gesucht. Die Anforderungsprofile werden immer anspruchsvoller“, beobachtet Linke. „Die Kunden werden immer wählerischer“, ergänzt Riske. Die Kandidaten müssten perfekt auf das Anforderungsprofil passen.

3. In der Beratung wird weiter gesucht

„In der Beratungswelt wird immer gesucht“, sagt Rosenfeld. Daneben würden sich derzeit besonders die Business Development-Abteilungen und Inhouse-Advisory vieler Unternehmen verstärken und auf breiter Front einstellen. Derweilen gehen die Neueinstellungen und der Ausbau bei Beratungen mit den Kernthemen Governance, Risk & Compliance weiter.

4. Risk, Compliance und Revision werden immer gesucht

„Wir sehen große Engpässe in den Bereichen Risk, Compliance und Revision“, beobachtet auch Linke. Vor allem in der Revision werde einiges passieren. In der Vergangenheit seien die Revisionsabteilungen bei Banken gelegentlich ein wenig stiefmütterlich behandelt worden, weshalb es öfters fachliche Engpässe gebe. Aus diesem Grunde bestünde hier ein gewisser Nachholbedarf. Mittlerweile werden zunehmend studierte Mathematiker für die Revision gesucht.

5. Steigende Nachfrage nach Steuerexperten

Headhunter Mike Boetticher von der match personalberatung in Frankfurt rechnet mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Steuerberatern und Leuten, die kurz vor dem Steuerberater-Examen stehen. Die wachsende Zahl der Selbstanzeigen durch den Niedergang des Bankgeheimnisses in einigen Ländern sowie die höheren Anforderungen an die Besteuerung von Investmentfonds würden die Nachfrage beflügeln. „Das wird durch wachsende Compliance-Anforderungen noch verstärkt“, erläutert Boetticher. Gute Chancen bestünden sowohl bei Banken und Kapitalanlagegesellschaften als auch bei Beratern. „Steuerexperten werden von den Big 4 händeringend gesucht.“

6. Headhunter müssen für ihr Geld härter arbeiten

Laut Riske fallen die Recruitmentprozesse immer länger und schwieriger aus. „Sie müssen für den gleichen Output, das Doppelte machen“, sagt der Headhunter. Darüber hinaus würden sich immer mehr Kandidaten melden, die aus dem Banking aussteigen wollen. Doch oftmals würden die Profile dieser Kandidaten von potenziellen Arbeitgebern nicht nachgefragt. Die Bearbeitung derartiger Anfragen würde immer mehr Zeit beanspruchen.

7. Niedrigzinsphase fördert alternative Investments

Die hartnäckige Niedrigzinsphase setzt vielen institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds mächtig zu. Daher gewinnen alternative Anlageklassen weiter an Bedeutung. Entsprechend beobachtet Riske eine gewisse Personalnachfrage aus den Bereichen Real Estate, Infrastruktur und Private Equity. „Es handelt es sich um alternative Assetklassen, da man dort am ehesten noch Geld verdienen kann.“

8. Im Investmentbanking sieht es schwach aus: Dennoch haben Senior Analysts und Associates gute Chancen

Dagegen lassen Neueinstellungen im Investmentbanking noch auf sich warten. „Eigentlich bin ich Optimistin. Dennoch ist es derzeit ein wenig ruhig“, sagt die auf Investmentbanking spezialisierte Headhunterin Sabrina Tamm aus Frankfurt. Eine Ausnahme stelle lediglich Origination dar. „Die Leute auf der Origination-Seite müssen sich keine Sorgen machen, die werden immer gesucht und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben“, sagt Tamm. „Allerdings achten die Banken genauer darauf, wer Erträge hereinholt und wer nicht.“

Deutlich bessere Chancen als noch vor ein paar Jahren hätten Senior Analysts und Associates aus den M&A-Abteilungen der Investmentbanken. Diese würden verstärkt von Unternehmen außerhalb der Finanzdienstleistungen nachgefragt. „Es gibt kaum ein DAX30-Unternehmen, das keine eigene M&A-Abteilung besitzt. Einige sind größer als bei so mancher Bank“, sagt Tamm. So habe Siemens eine umfangreiche M&A-Abteilung und auch bei Bayer würden in dem Bereich 20 Mitarbeiter beschäftigt. Etwas kleiner würden die Abteilungen in der Automobilindustrie ausfallen.

„Professionals aus dem Juniorbereich mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung erhalten auch von Corporates sehr attraktive Angebote und nehmen diese auch an“, sagt Tamm. Zwar gebe es noch immer ein „Gap“ bei den Gehältern. Da die Banken aber mittlerweile weniger zahlen, sei es kleiner geworden. Jüngere M&A-Banker, die zu Corporates wechseln, würden überdies eine Lücke bei ihrem alten Arbeitgeber hinterlassen. „Senior Analysts und Associates müssen sich nur bei mir melden.“

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